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21. Januar 2012 23:00 Uhr

Synagoge

Ein Bad mit Spezialwissen aus Brooklyn

Jüdische Spezialisten sind am Weinhof mit dem Bau einer Mikwe beschäftigt

Ulm Eigens von Brooklyn für den Bau der neuen Mikwe wurde Elozor Raichik eingeflogen. Der Endfünfziger mit dem langen Rauschebart ist lange Anfahrtswege gewohnt. Spezialisten für jüdische rituelle Tauchbäder sind rar. Und so verschlug es den freundlichen Mann mit der tiefen Stimme nach Ulm. „Ich hatte zuvor noch nie von der Stadt gehört“, sagt er auf Englisch. Es sei egal, wo die Mikwe gebaut werde. Die Regeln dafür sind immer gleich. Gleich kompliziert.

Elozor Raichik gehört zum Team von Rabbiner Jeremias Katz, der mit seinen Spezialisten auf die Eigenheiten jüdischer Sakralbauten spezialisiert ist. In der neuen Ulmer Synagoge entsteht das Tauchbad in einer Aussparung des Fundaments. Bauarbeiter der Region ließen Beton in die aufwendigen Verschalungen fließen, zwischen denen das Bad entsteht. Von der Bodenplatte aus geht es 3,30 Meter in die Tiefe. Das 2,30 mal 2,30 Meter große Tauchbecken steht nach Fertigstellung in der Mitte eines quadratischen Raums.

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Spezialwissen aus dem jüdischen Zentrum New York wird benötigt, weil Mikwen im Bau und der Nutzung bestimmten Regeln unterliegen. Und die sind streng: nur besonderen Anforderungen genügender, „natürlicher Beton“, wie Rabbiner Shneur Trebnik sagt, darf verwendet werden.

Auch Wasser, das später zur rituellen Reinigung dienen soll, kommt nicht von der Stange. Nur „lebendiges“, fließendes Wasser ist erlaubt. Das heißt, dass nur Wasser natürlichen Ursprungs für diesen Zweck genutzt werden kann. Das Nass darf weder herangetragen, noch anderweitig zur Mikwe transportiert werden. Deshalb kommt nur Quell-, Grund- oder gesammeltes Regenwasser infrage. Die Ulmer Synagogenbauer greifen auf Regenwasser zurück, das gesammelt wird. Die jüdische Tradition kennt verschiedene Gründe für ein Tauchbad. Etwa nach dem Kontakt mit einem Toten ist eine solche rituelle Reinigung vorgeschrieben. Dies gilt auch für die Zeit nach der Heilung von bestimmten Krankheiten. Gebadet wird splitternackt: Nichts – kein Schmuck, kein Make-up darf den Kontakt des „lebendigen Wassers“ mit dem Körper stören. (heo)

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