„Angstmän“ von Hartmut El Kurdi begeistert als „panisches Kammerspiel“ im Podium Von Roland Mayer

Ulm Haben die Kinder Angst vor Angstmän? Im bei der Premiere nicht vollen Podium des Theaters Ulm jedenfalls keine Spur von Muffensausen in den jugendlichen Publikumsreihen. Das Gegenteil ist der Fall im nach dem gleichnamigen Roman des jordanischen Autors Hartmut El Kurdi von Philipp Jescheck pfiffig inszenierten „panischen Kammerspiels“, wo ein intergalaktisches Katz-und-Maus-Spiel in Jennifers Traumfantasie im kosmischen Weltfrieden endet.
Nach dem Kurzschluss knarrt es im Schrank
Die neunjährige Jennifer (Johanna Paschinger) stürmt so richtig happy ins Wohnzimmer. Sie hat das Siegestor für ihre Fußballmannschaft geschossen. Doch ihre alleinerziehende Mama ist nicht zu Hause. Auch nicht schlecht für die Kleine im rotblauen FC-Barcelona-Dress, die erst mal per Puppenspiel zur Zwiesprache mit Mama und Powerman greift. Super, endlich mal wieder allein herumlümmeln. Und die Verbotsliste aus dem Geheimversteck wird zur To-do-Liste: „Pizza furioso“ bestellen, eine Geburtstagskerze anzünden mit dem Görensong „Happy Birthday to you, Marmelade im Schuh“ auf den Lippen. Und dann der Kurzschluss mit dem Staubsaugerungetüm: Stromausfall, es knarrt im Schrank.
Ein bunt gescheckter Schlotter-Superman mit roten Stiefeln, gelbgrünem Flugdress, saftlosem Teleporter und Raumfahrer-Fahrradhelm stakst auf Jennifer zu und – hat Muffe: vor brennenden Kerzen und vor allem vor Pöbelmän, dem Saukerl des Universums. Angstmän (Raphael Westermeier) und Jennifer verrammeln das Fenster. Unter der Kinder-Publikumsbühne klopft es lautstark. Doch bitte, keine Panik, die kleinen Premierengäste stampfen mit. Angstmän versteckt sich im Schrank. Dreimal sitzen geblieben ist dieser Superangstbeutel auf der Superheldenschule. Ihre Furcht vor Traummonstern bekennt Jenny in der Kommode. Es klingelt: „Pizzaexpress“.
Doch alle Vorsichtsmaßnahmen des interplanetaren Schisshasen nützen nichts – Pöbelmän (Tobias Ofenbauer) hat alle beide ausgetrickst, stolziert wie ein Raubritter herein in die (von Bühnenbildnerin Britta Lammers traumwandlerisch angeschrägte, heimelig-moderne) gute Stube und markiert als aufgeblähter Austria-Rocker mit geschultertem Bass erst mal den lila Kraftprotz.
Jetzt beginnt die Action erst richtig. Der ewige Angstmän-Jäger schießt sich auf Jennifer ein. Doch Mister Schlotterbeck, der sich aus dem Staub gemacht hat, kehrt an der Krücke als humpelnder Schützenhelfer für Jennifer zurück. Raphael Westermeier zeigt hier eine prima Sekundenszene, wenn er sich im Opfermut zur scheinbaren Unbezwingbarkeit aufbläht und durch Pöbelmäns Ignoranz sogleich wieder zum Stotterer zusammensinkt. Tobias Ofenbauer mimt seinen schwitzenden, interstellaren Gernegroß als ekliges Zwitterwesen, der als solcher doch eigentlich nur gegen sein schulisches „Fettsack“-Trauma ankämpft.
Und als er zur Heulsuse wird und sich die beiden geläuterten Erzfeinde zum gemeinsamen Flug auf einen fernen Planeten „ohne Ecken und Kanten“ zart verbrüdern, hält Johanna Paschinger mit ihren Puppen wieder diese kindliche Zwiesprache, und spielt sich auf dem Sessel wie von selbst in den Schlaf.
Angstmän wird im Podium wieder am Donnerstag, 26. Januar, sowohl um 10 als auch um 11.30 Uhr gespielt.
Informationen auch unter
www.theater.ulm.de
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