Samstag, 2. Juli 2016

15. Juni 2015 00:34 Uhr

Wilhelmsburg

Eine überragt alle

Die Zuschauer bei der Premiere von „West Side Story“ sind angetan vom Stück und der Inszenierung. Extra-Lob gibt es für eine Sängerin aus dem Ulmer Opernensemble Von Dagmar Hub

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Fast 70 Jahre ist Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“ alt. Die Handlung um zwei rivalisierende Banden bekommt in Rhys Martins Open-Air-Inszenierung auf der Wilhelmsburg packende Glaubwürdigkeit gerade vor dem Hintergrund des Sprengstoffanschlags vom Freitagmorgen. Das Premieren-Publikum lobte allerdings die Ulmer Akteure dieser Aufführung mehr als die gecasteten Musical-Profis der Produktion.

Aus Luxemburg reiste Robert Karpen nach Ulm. Er reist ganz bewusst an Orte, wo Bernsteins Musical aufgeführt wird. Ihm gefiel die Ulmer Inszenierung „sehr, sehr gut“. „Sogar besser als die in Bregenz im letzten Sommer“, lobt er. „Die Übertragung auf die Gegenwart ist sehr gut gelungen, und auch gesanglich hat mich diese Aufführung beeindruckt.“ Die Atmosphäre auf der Wilhelmsburg fand Karpen toll.

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Den ersten Teil des Musical-Klassikers fand Alexandra Gröll aus Erbach zu lang. „Nach der Pause war es dann aber richtig großartig.“ Deshalb, so sagt sie, bekomme das Open Air-Spektakel von ihr ein „gut“, kein „sehr gut“.

Anders der Ulmer Klaus Thonka: „Ich fand die Inszenierung sehr, sehr gut“, sagt er. „Vor allem wegen der aktuellen Bezüge. Wer wohl die lokalen Anspielungen in den Text gesetzt hat, den Tabledanceclub in der Blaubeurer Straße und diese Dinge?“ Die Musical-Sänger der Inszenierung können stimmlich nicht mit Maria Rosendorfsky als Maria mithalten, sagt Thonka. „Sie überragt alle anderen Darsteller.“

„Ich fand die Licht- und Tontechnik klasse“, sagt die junge Ulmerin Helen Kuhle. „Die ganze Inszenierung ist sehr, sehr, sehr gut.“ Die Männerstimmen gefielen ihr gut, konnten aber nicht das Niveau der Darstellerinnen und Maria und Anita erreichen.

Sehr positiv äußert sich auch Franziska Eberle aus Monheim. „Die Tänzer, die Stimmen – das ist sehr stimmig und in einer so schönen Sommernacht ein Erlebnis.“ Weniger laute Tontechnik wäre ihr lieber gewesen, sagt sie. „Es ist in der Akustik der Wilhelmsburg nicht notwendig, so laut aufzudrehen.“

Ähnlich argumentiert Bernhard Bührle aus Blaubeuren. „Mit den Lichteffekten konnte ich gut, sie waren an den richtigen Stellen eingesetzt und sehr wirkungsvoll.“ Die Geräuschkulisse allerdings war ihm gerade an den dramatischen Stellen entschieden zu laut. „Das Hubschraubergeknatter ist ohrenbetäubend.“ Die Ballettszenen fanden Bührle und seine Frau großartig. „Und die Streetgang-Szenen hatten einen fast unheimlichen Realitätsbezug. Insgesamt war es ein toller Abend, denn die Atmosphäre auf der Wilhelmsburg nimmt einen einfach gefangen. Der Besuch lohnt auf alle Fälle!“ »NUZ-Kritik Feuilleton

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