Dienstag, 16. Januar 2018

02. Januar 2018 06:05 Uhr

Holzheim

Er steht seit 50 Jahren auf der Theaterbühne

Fehlende Schauspieler, keine Souffleuse: In der langen Zeit hat Helmut Kölle in Holzheim einiges erlebt. In der „Mischtkur“ begnügt er sich mit einer Nebenrolle. Von Willi Baur

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Vor 50 Jahren stand Helmut Kölle (links) zum ersten Mal auf der Holzheimer Theaterbühne. Auch im lustigen Vierakter „Die Mischtkur“ wirkt er wieder mit. Auf dem Foto ist er gemeinsam mit Martin Ott zu sehen. 

An Weihnachten 1967 stand Helmut Kölle im „Freischütz“ zum ersten Mal als Hobby-Mime auf der Bühne der TSV-Turnhalle, vor 50 Jahren also. Mit einer Ausnahme verging seither kein Jahr ohne weitere Auftritte des inzwischen 67-Jährigen. Doch Zeit zum Feiern bleibt vorerst nicht: Die von ihm geleitete Theatergruppe „Lampenfieber“ steht kurz vor ihrer nächsten Aufführungsreihe.

Der Bühnenjubilar, auch langjähriger Vereinsvorsitzender und Mitbegründer der Tischtennis-Abteilung, erinnert sich noch gut: „Meine persönliche Premiere markierte zugleich den Abschied einer langen Tradition.“ Die Abkehr nämlich von abendfüllenden ernsten Stücken, echten Dramen, nicht selten Toten inklusive. Und dies gemeinhin am zweiten Weihnachtsfeiertag. Mit viel Neigung zur realitätsnahen Darstellung ebenfalls. Wie im „Freischütz“ seinerzeit. „Die Taube, die abends vom Bühnenhimmel stürzen musste, wurde am Vormittag bei Luippen erlegt“, erzählt der gebürtige Neuhausener. Von da an aber seien stets Themen aus dem heiteren Genre gewählt worden.

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Er führt auch Regie und organisiert den Vorverkauf

Mit Erfolg, wie Helmut Kölle weiß. „Wegen der hohen Besucherzahlen hat sich danach der Trend zu mehreren Aufführungen durchgesetzt – losgelöst vom Weihnachtstermin.“ Fünf sind es seit 2003, mit denen die jetzt als TSV-Abteilung etablierte Gruppe nicht unwesentlich zum Vereinsetat beiträgt. „Der Aufwand im Vorfeld ist ja stets gleich“, sagt der Leiter, der zudem nicht nur als Darsteller agiert. Gemeinsam mit Peter Reißer führt er auch Regie, arbeitet am Bühnenbau mit und organisiert den Vorverkauf. Rund 20 Mitglieder zählt die Gruppe insgesamt, knapp mehr als ein Dutzend stehen meist auf der Bühne. „Viele von ihnen sind seit Jahren dabei, unser Stammpersonal sozusagen“, berichtet Kölle. Im Hinblick auf eine gewisse Nachwuchspflege versuche man jedoch immer wieder, auch jüngere Kräfte einzubinden.

Hinter den Kulissen ist mit dem kreativen Bühnenbildner Hans Riggenmann ein erfahrenes und eingespieltes Team am Werk: Harry Strasser und Uli Jehle sind zuständig für die Technik, Nane Baader für die Maske und Martina Birka fungiert als Souffleuse.

„Kein einfacher Job“, hat Helmut Kölle in seinen 50 Bühnenjahren schon zwei Mal erfahren, als die jeweils Vorgesehenen kurzfristig ausgefallen sind. Eine Panne der besonderen Art entwickelte sich einmal zu einer echten Herausforderung für ihn selbst. Da erschien eine Mitspielerin nicht zum geplanten Zeitpunkt auf der Bühne. „Und sie kam und kam nicht“, lacht der alte Theaterhase heute rückblickend. Seine improvisierte Lösung: Monolog statt Dialog, verbunden mit der Suche nach der Partnerin. „Die plauschte im Umkleideraum fröhlich mit der Maskenbildnerin“, verrät Kölle. Ob es das Publikum mitbekommen hat, weiß er nicht mehr.

In der „Mischtkur“ geht es um einen Kurort

Auf Erlebnisse dieser Art möchte er gerne verzichten. Deshalb wird seit Monaten intensiv geprobt. „28- bis 30-mal“, schätzt der Mitregisseur, der sich „mit dem Lernen der Texte leichttut, dazu eine ganz persönliche Technik entwickelt“ hat. Ausgesucht hat er die Komödie schon im Sommer, gemeinsam mit Peter Reißer und mit Heiner Braun, einem weiteren Holzheimer Theater-Urgestein. Der spielt in der „Mischtkur“ eine der Hauptrollen, mimt in dem lustigen Vierakter den Gastwirt und Bürgermeister des zum Kurort avancierten Dorfes Steinenberg. Dort werden schon vor dem Eintreffen der ersten Gäste moralische Bedenken gegen gemeinsame Anwendungen bei Männern und Frauen laut. Und hier und da entfalten Kuren auch unerwartete Nebenwirkungen. Darin verwickelt sind neben den Gästen mitunter auch heimische Protagonisten.

Mit dem Gemeindebüttel Schorsch Zipfelmaier hat sich Kölle diesmal eher eine Nebenrolle ausgesucht. Was ihm nach rund 20 Hauptrollen in seinem Bühnenleben offenbar leicht gefallen ist. Einen besonderen Traum hatte er sich ohnehin schon 2009 erfüllt: „Ich wollte wenigstens ein Mal einen Pfarrer spielen.“

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