Samstag, 1. Oktober 2016

02. Februar 2016 17:00 Uhr

Ulm

Erster Fall – gelöst

In der Podium-Bar gibt es viel Applaus für die Pilotfolge von „Kripo Ulm“. Diese offenbart zwar ein paar Schwächen, aber auch großes Potenzial. Das liegt vor allem an der Hauptfigur.

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Polizeiarbeit auf der Bühne: (von links) Julia Baukus, Fabian Gröver, Dan Glazer und Gunther Nickles.
Foto: Hermann Posch

Irgendwann reicht es den Kollegen von Kriminalhauptkommissar Manfred Schäufele. Ob er sie nicht endlich einmal an seinen Gedankengängen teilhaben lassen könne, beschwert sich Ferdinand Waliczek, der Neue im Team. Und der so Gescholtene? Der sagt „lieber net“. Und dann gar nichts mehr. Man muss ihn einfach mögen, den schwäbischen Sturkopf Schäufele, die maulfaule und wenig einfühlsame Hauptfigur der Pilotfolge von „Kripo Ulm“, die in der ausverkauften Podium-Bar uraufgeführt wurde.

Natürlich ist das Format so etwas wie die Ulmer Variante des „Tatorts“. Doch die Erfinder von „Kripo Ulm“, der leitende Schauspieldramaturg Daniel Grünauer, der Regie führte, und sein Vorgänger Michael Sommer, der das Buch schrieb, haben keine Persiflage auf das Schlachtschiff der Sonntagabendunterhaltung geschaffen, sondern einen durchaus ernst zu nehmenden Krimi nach allen Regeln des Formats: Der erste Fall, „Ausbruch“, handelt vom Tod der 18-jährigen Abiturientin Marie, die offenbar nicht so christlich war, wie ihre Mutter es glaubte. Hauptverdächtiger ist zunächst ihr Freund (?) Murat Imamovic, ein Muslim.

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In der Podium-Bar präsentiert sich dieser als Mischform aus Fernsehen und Theater: Videosequenzen wechseln sich mit gespielten Szenen ab. Die Bühne ist dabei eine typische Amtsstube inklusive Stempelhalter, Kaffeemaschine und Aktenschrank: das Reich von Kriminalhauptkommissar Schäufele, den Gunther Nickles wunderbar knorrig und schwäbisch-verschlossen zeichnet. Sein neuer Ermittlungspartner, der dynamische Halb-Österreicher Ferdinand Waliczek (Dan Glazer), kann ihn ebenso wenig durchschauen wie die anderen Kollegen, Pressesprecherin Kerstin Fuchsberger (Julia Baukus) und Kriminaltechniker Benno Schlatter (Benjamin Künzel). Doch natürlich führt Schäufeles Weg zum Erfolg.

Man merkt „Ausbruch“ an einigen Stellen an, dass die Arbeit mit dem Medium Film für die Theatermacher nicht alltäglich ist – und dass man mit einem Mini-Budget von 2000 Euro keine Wunderdinge bewirken kann: Die Video-Sequenzen – die in „Tatort“-Manier viele bekannte Orte in Ulm und Neu-Ulm zeigen – haben kleinere Ton- und Schärfe-Probleme, und es dauert am Anfang, bis sich aus den einzelnen Szenen so etwas wie ein Fall verdichtet. Was freilich auch daran liegt, dass eine Pilotfolge alle Figuren erst einmal vorstellen muss. Doch mit den ersten Spielszenen nimmt „Kripo Ulm“ an Fahrt auf. Die Vernehmungen auf der Bühne – befragt werden Maries Mutter (Christel Mayr), der junge Murat (Adam Rebai) und ein Lehrer (Fabian Gröver) – sind intensiv, die schwäbisch-knappen Sätze von Schäufele („S’isch elles nimmer des“) sorgen für Lacher, die Kurzauftritte anderer Theater-Gesichter (unter anderem Andreas von Studnitz als Gerichtsmediziner) in den Videos erfreuen Kenner des Hauses.

Bereits im Vorfeld war das Interesse riesig: Von den elf Vorstellungen sind neun bereits ausverkauft, die Nachfrage übersteigt das Platzangebot. Die Vorfreude war berechtigt: „Kripo Ulm“ hat trotz der genannten Schwächen das Zeug dazu, in Serie zu gehen – der Applaus bei der Uraufführung war groß und anhaltend. Der zweite Fall, der für die kommende Spielzeit vorgesehen ist, soll von der Podium-Bar mit ihren 70 Plätzen in das mehr als doppelt so große Podium umziehen; das ist bereit beschlossen. Bleibt zu hoffen, dass das bestehende Team wieder zusammen ermitteln darf. Aufatmen können übrigens die Krimifans, die keine Karten für den ersten Fall mehr bekommen: Laut Regisseur Grünauer soll „Ausbruch“ in einigen Monaten auch als Video-Mitschnitt im Internet abrufbar sein.

Vorverkauf: Karten für die Zusatzvorstellung am 14. Mai gibt es ab 14. Februar an der Theaterkasse und online unter theater.ulm.de/karten

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