Landkreis Beide setzen auf Sicherheit, aber aus ziemlich unterschiedlichen Blickwinkeln: Feuerwehr-Landkreischef Alfred Raible möchte einen erweiterten Führerschein für Nachwuchseinsatzkräfte ohne theoretische und praktische Prüfung - das lehnt Hanspeter Albrecht, Regionalvorsitzender des Fahrlehrerverbands, vehement ab. Beide trafen sich zum Streitgespräch bei unserer Zeitung. Von Wolfgang Kahler

Wohl dem, der noch seine alte "Pappe" hat: Bis 1999 durften die Inhaber der Klasse 3 damit Lastzüge bis knapp 20 Tonnen Gesamtgewicht lenken. Mit dem neuen kleinen EU-Führerschein war das - nicht zuletzt aus Sicherheitsaspekten - vorbei. Zum Nachteil der Feuerwehren, wie sich herausstellte: "Aufgrund der EU-Normen und den Anforderungen der Fahrzeugsicherheit", so Raible, "wurden die Einsatzfahrzeuge immer schwerer." Mittlerweile gebe es praktisch keine mehr unter 3,5 Tonnen, zum Beispiel Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF). Im Landkreis Neu-Ulm sind 28 Fahrzeuge von 3,5 bis 7,5 Tonnen bei den Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz, die jeweils mit drei Fahrer besetzt werden müssen.
Und jetzt wird's ernst: Junge Einsatzkräfte mit dem neuen Klasse B-Führerschein dürfen nicht mehr ans Steuer. Daher hat der Landesfeuerwehrverband eine Ausnahmeregelung beantragt: 3,5 Tonnen plus 0,75 Tonnen-Anhänger. Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk fordern die Grenze bei 4,75 Tonnen. Raible bestreitet energisch, dass es in letzter Zeit vermehrt zu Unfällen durch junge Feuerwehrkräfte auf Einsatzfahrten gekommen sei. Dies behauptet Fahrlehrer Albrecht aus Illertissen, denn er lehnt den erweiterten Führerschein ohne "richtige Prüfung" kategorisch ab: "Wichtig ist ein gutes Rettungssystem mit Sicherheit." Er befürchtet, dass die neue Regelung für Feuerwehr-Kräfte, sollte sie denn vom Bundestag beschlossen werden, "gegen europäisches Recht verstößt".
Es geht natürlich auch um Geld. Kreisbrandrat Raible schätzt, dass eine reguläre Ausbildung mit Prüfung für den Führerschein C 1 - bis 7,5 Tonnen (früher Klasse 3) - die für den Brandschutz zuständigen Kommunen teuer käme, Kosten bis 2100 Euro schätzt der Landesfeuerwehrverband. Das weist Fahrlehrer Albrecht zurück: Seiner Rechnung nach dürfte die Zusatzausbildung plus Prüfung maximal 500 Euro kosten. Bei etwa 10 000 Feuerwehrleuten in Bayern, die unter die Regelung fallen, würden so immerhin fünf Millionen Euro anfallen, von den Kommunen getragen werden müssten.
Es bleibt dabei: "Fahrlehrerverband und TÜV haben Vorbehalte gegen den erweiterten Führerschein", erklärt Albrecht. Der Feuerwehrlandesverband will nämlich noch einen Schritt weiter gehen: Der Führerschein C 1-Feuerwehr soll nach zwei Jahren zum vollwertigen Führerschein bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht (also wie beim alten Klasse 3-Schein) umgeschrieben werden können nach Prüfung beim TÜV. Inzwischen zeichnet sich eine für die Feuerwehr günstige Lösung ab, die vom bayerischen Innenministerium unterstützt wird.
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