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14. November 2011 00:08 Uhr

Prozess in Ulm

Fünf Fußballfreunde aus dem Rheinland brutal verprügelt

Es waren die schlimmsten Minuten ihres Lebens: Fünf Männer aus der Eifel sind brutal geschlagen worden. Einer der mutmaßlichen Täter steht jetzt in Ulm vor Gericht. Von Michael Peter Bluhm

Symbolfoto
Foto: dpa

Den Albtraum ihres Lebens durchlitten fünf Rheinländer, als sie ein Fußballturnier im Schelklinger Ortsteil Hausen (Alb-Donau-Kreis) besuchten. Im Morgengrauen wurden sie von vier jungen Männern aus ihren Zelten beim Sportplatz gerufen und brutal zusammengeschlagen. Im Verlauf der blutigen Attacke sollen auch Pistolenschüsse gefallen sein. Angeklagt sind vier Russlanddeutsche, die die Taten scheinbar ohne Motiv begangen haben sollen.

Angeklagter schweigt zu den Vorwürfen

Während sich drei der Heranwachsenden in nächster Zeit vor dem Jugendschöffengericht wegen der schweren Körperverletzungen verantworten müssen, wird der Fall gegen den Vierten der mutmaßlichen Schlägertruppe aktuell vor der 6. Jugendkammer des Landgerichts Ulm verhandelt.

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Für den Angeklagten handelt es sich dabei um einen Nebenkriegsschauplatz, weil die Kammer auch über einen folgenreicheren Fall zu befinden hat, der sich 2008 zugetragen hat. Da soll der 21-Jährige einen jungen Mann in einer Russendisco in Munderkingen mit einem Radmutterschlüssel halb totgeschlagen haben. Das Tatmotiv ist ebenso rätselhaft wie der Hintergrund der Schlägerei, die im Schwurgerichtssaal zur Sprache kam. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen.

Die fünf Rheinländer zwischen 21 und 41 Jahren schilderten die Tat aus ihrer Sicht. Sie stammen aus Hausen in der Eifel und sind Fußballfreunde. Jedes Jahr freuen sie sich auf ein Fußballturnier, das 30 Orte in ganz Deutschland abwechselnd organisieren, die Hausen heißen. 2011 war Hausen bei Schelklingen auf der Schwäbischen Alb der Veranstalter. Im Juli reiste das Quintett mit zwei Fahrzeugen mit Kölner Kennzeichen an. Sie genossen eine Brauereibesichtigung und zogen sich in ihre Zelte am Sportplatz relativ früh am Abend zum Schlafen zurück, um für den nächsten Turniertag fit zu sein.

Um Mitternacht wurden sie wach, es gab die erste verbale Auseinandersetzung mit den Russlanddeutschen, deren Grund sich den Rheinländern nicht erschloss.

In den Morgenstunden kamen laut Anklageschrift die aggressiven Männer zurück und riefen in die kleine Zeltstadt: „He Ihr Kölner, kommt raus, wir haben eine Überraschung für euch oder wir kommen zu euch rein“, erinnerte sich einer der Geschädigten gestern im Zeugenstand. Nacheinander krochen die aus dem Tiefschlaf gerissenen Gäste des Fußballturniers aus ihren Zelten und wurden brutal verprügelt.

Handschuh mit Sand gefüllt und zugeschlagen

Einem wurde mit einem Handschuh auf den Kopf geschlagen, der mit Sand gefüllt war. Er war sofort bewusstlos, ein anderer wurde mit dem Springerstiefel in die Schulter getreten, es floss in diesen zehn Minuten viel Blut.

Als über ein Handy die Polizei gerufen wurde, drehten die Schläger offenbar richtig durch. Einer von ihnen gab Schüsse aus einer Pistole ab, bevor die Täter das Weite suchten.

Die fünf Zeugen zuckten auf die Frage nach dem Motiv mit den Schultern: „Wir wissen es nicht, wir hatten mit denen nie vorher einen Kontakt.“ Und einer von ihnen verglich die Szenerie auf dem Sportplatz mit den Amateuraufnahmen in der Münchner S-Bahn, wo ein Mensch totgeschlagen wurde: „Ich habe noch nie so viel Angst gehabt.“

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