Ulm (huda) - Jeden Morgen ein Gedicht. Dazwischen ein Märchen und zum Broterwerb die journalistische Arbeit als Redakteurin des "planetX-Magazins". Die Ulmerin Elvira Lauscher schreibt. Das tägliche Spiel mit Worten ist für sie existenziell. Und keine einsame Lust. Zusammen mit dem Neu-Ulmer Autor Jörg Neugebauer lädt sie am 14. Januar ins Podium des Theater Ulms zum "Wortkunstlauf", der mit "Bittersüßes im Wechsel" überschrieben ist.

Die beiden Autoren kündigen ein anderthalbstündiges "Zwiegespräch" an, das gelegentlich auch in einen verbalen "Zweikampf" ausarten könne. Schließlich treffen zwei wortgewaltige Sprachkünstler aufeinander, die querbeet aus ihren Werken zitieren, deklamieren und so zu einem anspruchsvollen Dialog kommen wollen.
Die Arbeit mit Jörg Neugebauer macht Elvira Lauscher viel Freude. Überhaupt genießt sie den Austausch mit anderen, ebenfalls vom Schreibvirus infizierten Menschen, besucht regelmäßig Schreibworkshops und Literaturseminare und genießt es, in immer wieder neue Stile aber auch Erlebniswelten einzutauchen. Die 42-jährige Ulmerin ist kein introvertierter Mensch, der das Bild des grübelnden, mit sich und der Welt hadernden Schriftsteller markiert. Die Mutter eines zehnjährigen Sohnes ist dagegen eine ausgesprochen strahlende, aufgeschlossene und mitreißende Frau, die sich vehement dagegen wehrt, dass humorvolle Texte nicht mindestens ebenso viel Tiefgang besitzen können wie sehr ernste.
Geschrieben hat die gebürtige Söflingerin seit Kindesbeinen an. Vom Tagebuch angefangen über Kurzgeschichten bis hin zur Lyrik. Für die gelernte Werbekauffrau und Fremdsprachenkorrespondentin stand aber immer fest: "Ich veröffentliche nicht, wenn ich dafür bezahlen muss." Lieber kommen ihre Geschichten in kleinen, unbekannteren Verlagen, die oft nur Kenner ganz bewusst nachfragen.
"Mich drängt es einfach zum Schreiben", sagt sie so leicht hin und fügt gleich ihren Ärger hinzu, wenn Menschen ihre tägliche Schreiblust belächeln: "Bei einem Musiker findet es doch auch niemand komisch, wenn er sagt, dass er jeden Tag übt." Schreiben heißt auch ein Handwerk zu beherrschen, ist Elvira Lauscher überzeugt, "Talent kommt natürlich dazu, aber vieles kann in der Tat gelernt werden", weiß sie aus eigener Erfahrung.
Reiz der poetischeren Sprache
Richtig groß ist dann natürlich die Freude, wenn wieder ein Verlag zugeschlagen hat, wie jüngst bei ihrer Geschichte "Der alte Mann unter dem Apfelbaum", der in der Anthologie "Drachenstarker Feenzauber" erschienen ist. Elvira Lauscher macht keinen Hehl daraus, dass sie am Verfassen von Märchen und im fantastischen Genre ansetzenden Geschichten die poetischere Sprache reizt. "Ich bin einfach ein ganz großer Freund der Sprache."
Ihre Botschaften indes sind ganz verschieden. Sehr oft sind ihre Prosawerke Entwicklungsgeschichten von Menschen, die durch verschiedene Erlebnisse zu ganz neuen Erkenntnissen kommen. Eine große Rolle in ihren Arbeiten spielt auch das Wahrnehmen und Schätzen von alltäglichen Schönheiten, die in der Schnelllebigkeit unserer Zeit drohen verloren zu gehen. Bedauerlich findet sie es, dass sich so wenige erwachsene Menschen ans Lesen von Märchen heran wagen, weil sie es zu Unrecht als Kinderliteratur abtun. "Dazu kommt, dass es sich natürlich in unserer Zeit gebildeter anhört, wenn man sagt, man liest abends irgendeinen Autor von der Bestsellerliste als ein Märchen."
Inspirieren lässt sie sich passend von ganz alltäglichen Dingen und Begebenheiten, aber auch von ihrer Arbeit als Werbetexterin, die ihr eine Fülle von Kontakten zu den unterschiedlichsten Menschen bietet. Verarbeitet werden all die Eindrücke dann in der familiären Atmosphäre mit ihrem Sohn, der zu ihrer großen Freude auch schon die Liebe zur Literatur entdeckt hat und überdies ihre Werke stets als erster liest, und ihrem Mann zu Hause. Dort kann sie sich in ihren Wortspielereien völlig verlieren und zu Versen finden wie die "Rosa Wolke":
Was macht die rose Wolke am Himmel?
Wer hat ihr das erlaubt
sich so selbstverständlich ins Blau zu mischen?
Wo bleibt denn da die Ordnung,
wenn Engel nicht mehr
auf weißen Wolken sitzen
und Harfen plötzlich zu Gitarren werden?
Jetzt fehlt nur noch
dass am Himmel Gras wächst
und die Engel kirchernd
über Himmelswiesen düsen
Elvira Lauscher kann man zusammen mit ihrem Neu-Ulmer Autorenkollegen Jörg Neugebauer am 14. Januar, 19.30 Uhr, im Podium des Theater Ulm erleben. Vorbestellung unter Telefon (0731) 75777, Eintritt sechs Euro.
www.wortkunstlauf.de
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