Dienstag, 21. Mai 2013

10. Mai 2012 12:07 Uhr

Geschichte

Gedenken an die Deserteure der NS-Zeit

Infostelen beleuchten die Schicksale von Männern, die im Zweiten Weltkrieg zum Tode verurteilt wurden

Stelen in der Nähe der ehemaligen Schießplätze im Botanischen Garten laden zur Auseinandersetzung mit der Wehrmachtsjustiz in Ulm.
Foto: Dagmar Hub

Ulm Feiglinge, Deserteure, Vaterlandsverräter, Wehrkraftzersetzer – jene Männer, die sich während des Zweiten Weltkrieges dem Kriegsdienst entzogen, mussten sich viele Schimpfwörter gefallen lassen. Wenn sie denn überlebten: 30000 Todesurteile gegen Deserteure wurden von nationalsozialistischen Richtern ausgesprochen, etwa 20000 davon wurden vollstreckt. Auch in Ulm, wo Deserteure von der Wehrmachtjustiz unter Richter Hermann Barnes zu Haftstrafen oder zum Tod verurteilt wurden.

Wie viele Männer – noch in den letzten Kriegswochen – zur Exekution geführt und an den Schießständen beim heutigen Botanischen Garten erschossen wurden, ist unbekannt, ebenso die Zahl der Deserteure, die im Innenhof des Amtsgerichtsgefängnisses unter der Guillotine starben. Einigen Schicksalen hatte sich der Ulmer Geschichtslehrer Oliver Thron in einer vor sechs Monaten erschienenen Dokumentation gewidmet.

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Jetzt laden auf Initiative engagierter Ulmer und Neu-Ulmer mehrere Informationsstelen an den historischen Orten der Verurteilung, Hinrichtung und des Begräbnisses von Deserteuren zur Auseinandersetzung mit der Entscheidung „Ich mach da jetzt einfach nicht mehr mit“ ein, die Desertierende für sich trafen, während die Kriegsmaschinerie schon am Rande des Abgrunds stand.

Für manchen sei der Tag der Kapitulation buchstäblich ein paar Tage zu spät gekommen, sagte Oberbürgermeister Ivo Gönner bei der Einweihung der Stelen. „Keiner von uns weiß, wie er reagiert hätte.“ Im historischen Abstand „können wir alle Heroen sein.“

Liedermacher Walter Spira sang zur Einweihung

Zur Einweihung der Stelen sang Liedermacher Walter Spira vor zahlreichen Zuhörern, unter ihnen auch Angehörige von erschossenen Deserteuren und der ehemalige Ulmer Klinikseelsorger Christoph Scheytt, selbst Deserteur des Zweiten Weltkrieges, Lieder wie Reinhard Meys „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“. Beim Deserteurdenkmal in der Nähe der Schießplätze sind die Arbeiten eines Projekts zu sehen, in dessen Rahmen sich Schüler und Schülerinnen mit dem Desertieren beschäftigten. (köd)

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