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27. Januar 2012 23:00 Uhr

Bildung

Gemeinschaftsschule kommt nächstes Jahr

Ulmer Schullandschaft steht nach grün-roten Reformen vor Veränderungen Von Oliver Helmstädter

Die Ulrich-von-Ensingen-Realschule könnte schon 2013 Standort einer Gemeinschaftsschule sein. Der Schultyp stellt die individuelle Förderung ins Zentrum.
Foto: Foto: Alexander Kaya

Ulm Die Schulen nicht einfach umetikettieren, sondern behutsam einen neuen Schultyp entwickeln, der zu Ulm passt. So lautet das erklärte Ziel von Bürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle und Jürgen Volz, geschäftsführende Schulleiter für die Ulmer Grund-, Haupt-, Sonder- und Realschulen, die gestern mit weiteren Vertretern des Schulbeirats den Stand der Dinge in Sachen Einführung der Gemeinschaftsschule vorstellten.

Wegfall der „verbindlichen Grundschulempfehlung“

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Wahrscheinlicher Start der ersten Ulmer Gemeinschaftsschule ist demnach das Schuljahr 2013/2014. Der erste lokale Vertreter einer neuen Art, der sich nach dem Willen der Landesregierung am erfolgreichen skandinavischen Schulmodell orientieren soll, werde vermutlich eine Kooperation zwischen Spitalhofschule (Grund- und Werkrealschule), der Ulrich-von-Ensingen-Realschule sowie der Martin-Schaffner-Grundschule werden. Der genau Standort ist noch offen.

In einem weiteren Schritt ist geplant eine zweite Gemeinschaftsschule in der Weststadt zu eröffnen. Die Berblinger Grund- und Werkrealschule ist hier im Favorit, doch müsse erst ein Ganztageskonzept umgesetzt werden. Hintergrund der Pläne ist ein Beschluss der Landesregierung. Ein grün-roter „Bildungsaufbruch“ in Baden-Württemberg soll per Gemeinschaftsschulen allen Kindern und Jugendlichen im Land dieselben Chancen auf Bildung einzuräumen. Ein fundamentale Änderung bisheriger Unterrichtspraxis: Die Lehrkräfte sollen sich künftig nach der jeweiligen Leistungsfähigkeit der einzelnen Schüler richten, alle erhalten Aufgaben nach ihrem jeweiligen Niveau. Die tatsächlichen Fähigkeiten sollen gefördert werden.

Damit unterscheidet sich die Gemeinschaftsschule bewusst von der bekannten Gesamtschule, die Kinder in Kurse mit unterschiedlichen Niveaus einstuft. „Das ist eine pädagogische Herausforderung und Chance“, sagte gestern Wolfgang Mäder, Leiter des Staatlichen Schulamtes Biberach.

Auf die Ulmer Schullandschaft kommen durch Reformen auch noch andere Herausforderungen zu: die „verbindliche Grundschulempfehlung“ wurde abgeschafft. Da Eltern in Baden-Württemberg künftig selbst über die weiterführende Schule für ihre Kinder entscheiden können, ist die Schätzung der Klassenstärken schwieriger.

Bisher musste in Baden-Württemberg ein Grundschüler, der aufs Gymnasium gehen wollte mindestens einen Notenschnitt von 2,5 in Mathe und Deutsch haben. Bis zur Note 3 reichte es noch für die Realschule und alles darunter führte in die Hauptschule. Nun haben die Eltern die freie Wahl. „Wir wissen schlichtweg nicht, wie sich die Eltern entscheiden“, sagt Gerard Semler. Dazu komme als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor, dass Ulm als Oberzentrum auch Schüler des Umlandes aufnehmen muss.

Doch weil ein Beratungsgespräch verpflichtend bleibt, rechnet der Leiter der städtischen Abteilung Bildung und Sport, nur mit einer moderaten Verschiebung in Richtung Realschule und Gymnasium. Tendenziell sei insbesondere nach 2020 mit abnehmenden Schülerzahlen zu rechnen. Schlimmstenfalls müsse die Stadt mit Anmietungen von Räumen oder gar Containern Übergangslösungen schaffen. Doch davon sei nicht auszugehen.

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