Besitzer moderner Handys können nun „Lauschtour“ rund um Roggenburg unternehmen
Roggenburg Fast beschwörend warnt eine leise Stimme: „Wir sind im Reich der Untoten angekommen. Achtung! Direkt in deiner Nähe steht so einer und verrottet leise vor sich hin.“ Der Hörer befindet sich aber nicht in einem Gruselfilm, sondern am Kloster Roggenburg. Gemeint sind die toten Bäume, die viele quicklebendige Tiere beheimaten. Und die Stimme gehört Marco Neises, dem „Vater aller Lauschtouren“. Diesen Titel hat der Roggenburger Bürgermeister Franz-Clemens Brechtel dem Radioprofi und früheren SWR-3-Journalisten bei der Vorstellung seines neuesten Projektes „Rund ums Kloster Roggenburg“ verpasst. Etwa 20 Neugierige machten sich mit ihren elektronischen Gästeführern auf den Weg, um die Geheimnisse des Klosters und der Umgebung zu entschlüsseln. Mit fröhlicher Gänsehaut macht Neises großes Kino für die Ohren.
Elektronische Gästeführer werden zum „Hit“
Vor zwei Jahren hatte der Journalist die Idee, einen Gästeführer zu kreieren, mit dem sich Interessierte auf eigene Faust auf Entdeckungstour machen können. Inzwischen sind seine Wanderungen zu einem „Hit“ geworden, sodass er sich ganz auf die Produktion seiner „Lauschtouren“ konzentrieren kann. Fünf fertigte er bisher im Auftrag des Tourismus-Verbandes Bayerisch-Schwaben an.
Die Produktion der Roggenburger Lauschtour wurde von der Gemeinde Roggenburg, dem Kloster und dem Landkreis Neu-Ulm unterstützt. Wer auf Lauschtour gehen möchte, benötigt ein modernes Handy, ein sogenanntes Smartphone, oder ein tragbares Miniabspielgerät, etwa einen „iPod“. Ein Gerät ist im Bildungszentrum ausleihbar – darauf ist die Lauschtour bereits installiert. Das Programm mit den Hörstücken können sich die Nutzer kostenlos aus dem Internet herunterladen.
Nun haben Verantwortliche des Tourismus-Verbandes, des Produktions-Unterstützerkreises, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Patres die Tour getestet. Ihre Erlebnisse: Sie erlebten ihre Heimat aus „einem ganz neuen Blickwinkel“. Ihr Fazit: „Unglaublich spannend“. An neun Stationen, die mit Symbolen gekennzeichnet sind, fordert „die Stimme“ zum Verweilen und Schauen auf. Mit viel Fantasie werden Orte, Personen und geschichtliche Ereignisse erklärt. Dabei erfährt der Wanderer zum Beispiel, warum die Prämonstratenser-Patres ihrem Ordensruf folgen oder wie die 4000 Orgelpfeifen der „Großen Roggenburgerin“ hörbare Gefühle äußern können.
Was in keinem Reiseführer steht
Es werden auch Fragen beantwortet, die in keinem Reiseführer zu finden sind: Warum bekommen die Karpfen im Roggenburger Weiher Sonnenbrand? Weshalb war der Biber in früheren Zeiten bei den Patres so beliebt? Was haben die Chorherren mit einer Fußballmannschaft zu tun? Was hat es mit dem Wunder um die Wannenkapelle auf sich? Warum brauchen die Fischer zum Ernten des Klosterweihers einen Mönch? Die Antworten darauf gibt die Lauschtour „Zu Gast bei Chorherren, Bibern und Orgelpfeifen“ rund um Roggenburg. Der Rundgang endet mit der Entdeckung eines echten Goldschatzes.
„Authentisch erzählen, statt vorlesen“ ist das Erfolgsgeheimnis von Marco Neises Touren. „Roggenburg hat mit dieser Attraktion die touristische Nase in einem äußerst sympathischen Wind“, meinte Bürgermeister Brechtel erfreut.
Kontakt: Die Lauschtour gibt es im Internet unter www.bayerisch-schwaben.de/lauschtour
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