Theater Liberi begeistert nicht nur mit tollen Musicalstimmen bei „Alice im Wunderland“ im Scharff-Haus Von Roland Mayer
Neu-Ulm Mit seiner neuer vorweihnachtlichen Märchenmusicalproduktion „Alice im Wunderland“ hat das Bochumer Theater Liberi im Edwin-Scharff-Haus nicht nur ein spannendes Kinderabenteuer für die ganze Familie geschaffen. Unter der Regie von Helge Fedder wurde der verrückte Kindergeschichten-Klassiker von Lewis Carroll zu einem Bühnenhighlight auf sämtlichen Ebenen.
Alice träumt lieber, als Rechenaufgaben zu lösen: Ein weißes Kaninchen ist der Lockvogel ins Wunderland. Hier waltet die Herzkönigin als wunderliche Tyrannin, die beim Golfspiel ihre Gesetzeswillkür überkommt. Alice wird nach dem Paragrafen 118 wegen Träumerei und Unterrichtstörung schuldig gesprochen. Doch sie wehrt sich und lehrt die skurrile Herzdame das Fürchten. Der puzzelige Traum endet nach einer Verfolgungsjagd mit Golfschlägern. Ja, das Wunderland ist überall, in der Schule, im Garten, im Kindergarten. „Träum, was Du willst, sei, wie Du bist, war das ein Traum“: Die Eltern von Alice sind wieder da. Alle versprechen Besserung. Der Funkyblues schweißt alle zusammen. Und die vier Darsteller machen nach der Dreingabe einen beifallumtosten Kniefall vor ihrem begeisterten Publikum.
Das Bochumer Theater Liberi hat nach seinen Musical-Adaptionen grimmscher Märchen, die irrwitzige Kindergeschichte von Lewis Carroll als knackige Musical-Version (Christoph Kloppenburg und Christian Becker) mit fantasievollem Bühnenbild (Sebastian und Kathrin Schlecht), fabelhaften Kostümen (Annette Pfläging und Eva-Maria Lander) und pfiffiger Spielkunst gespickt. Ein Pärchen Kicherblumen rot und gelb bildet die märchenhafte Startrampe ins Wunderland, das die Akteure immer wieder selbst aus einem flexiblen, bühnenbildnerischen Modulsystem neu gestalten und verändern. Die Grinsekatze (Alexandra Heimberger) kommt im wiehernden Galopp als Cowboy daher und schwingt ihren Schwanz wie ein Lasso. Die glucksende Raupe (Nadine Bieber) lässt die Seifenblasen segeln. Die von der Regie dramaturgisch verkürzte Teatime fokussiert den Auftritt der selbstverliebten, Augen klimpernden Herzkönigin (auch Nadine Bieber in Mehrfachrollen). Da zieht das singende Schauspieler-Quartett um die sensibel-forsche Alice (Alisca Baumann) alle Register: Commedia dell’ Arte-Elemente, toll flutschender Teamgeist bei geschliffenen komödiantischen Einzelcharakteren.
Geschliffene Musicalstimmen
Björn Schäffer als spindeldürrer Hutmacher und eierformiger Dickwanst (Humpty Dumpty ) vermittelt köstliche Momente bis hin zum komödiantischen Musettejazz an der Seite der Protagonistin. Die Akteure spielen nicht nur gut, sie singen auch fabelhaft. Die geschliffenen Musicalstimmen, die sichtliche Spielfreude, die dramaturgisch auf den Punkt auschoreografierten Szenen (Kama Frankls) in der bunt bemalten Rampenlandschaft, in der Alice wie eine Sprungfeder auf- und abtauchen kann, kommen prima an.
Konzept aufgegangen: mit Livestimmen und computergesteuerten Rocknummern (der Nu´Jazz-Band Moca ) aus den Boxen, dazu einem schlanken Pärchen LED-Strahlern und dieser unverkrampften Märchenhaftigkeit, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt. Selbst bei Alice’ Fistelstimme als Puppe ist noch große Kleinkunst spürbar. Lars Arend, der künstlerische Gesamtleiter, hat klug sortiert und kindgerecht pointiert: Hut ab!
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