Nersingen-Straß Dicke Luft bei Hilti: Beim Nersinger Hersteller von Kunststoffdübeln sorgen die bevorstehenden Betriebsratswahlen für Ärger. Die Gewerkschaft IG Metall und Betriebsräte werfen Geschäftsführer Dr. Frank Brandenburg vor, die Betriebsgröße künstlich runter zu rechnen, damit in der kommenden Wahlperiode nicht neun statt sieben Betriebsräte ihren Dienst verrichten. Von Oliver Helmstädter
Hintergrund ist der eingeschlagene Wachstumskurs der Firma. Denn das Betriebsverfassungsgesetz schreibt vor, dass in Betrieben ab einer Größe von mehr als 200 Mitarbeitern neun Betriebsräte (einer davon freigestellt) gewählt werden müssen. Derzeit sind es bei Hilti nur sieben. Wie berichtet, will Hilti aber expandieren, wenngleich die angekündigte Einstellung von 80 neuen Kräften auf Eis liegt.
Doch wie viel Mitarbeiter hat Hilti in Straß derzeit? Über 200 sagen Betriebsräte und Gewerkschaft, unter 200 der Geschäftsführer. Das schreit nach Ärger. Ein Hilti-Betriebsratsmitglied, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet unserer Zeitung, dass die Geschäftsführung in Einzelgesprächen massiv Druck auf die Wahlvorstände ausübe, um durchzusetzen, dass die Wahlvorlage geändert werde. Auch soll konkret mit Entlassungen gedroht worden sein. Die Firmenkultur habe seit einem Wechsel an der Firmenspitze vor knapp zwei Jahren gelitten. "Es ist kälter geworden."
Für heute habe der Geschäftsführer des Straßer Werks Dr. Frank Brandenburg kurzfristig eine "Info-Veranstaltung" einberufen. Betriebsräte befürchten, dass bei dieser Veranstaltung, zu der die Gewerkschaft im Gegensatz zu einer offiziellen Betriebsversammlung keinen Zutritt hat, weiterer Druck ausgeübt werden soll. IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Günter Frey spricht ebenfalls von Drohungen, die gegenüber den Wahlvorständen ausgesprochen wurden. Sollte die Geschäftsführung eine Änderung der Wahlunterlagen durchsetzen, will die IG Metall Klage einreichen und zur Not die wahre Mitarbeiterzahl von Juristen prüfen lassen.
Geschäftsführer Brandenburg lässt diese Vorwürfe nicht gelten. Es werde kein Druck auf die Wahlvorstände ausgeübt. Allerdings räumte der Straßer Hilti-Chef ein, dass die Betriebsgröße "Interpretationsspielraum" lasse. Doch zu einem von der Firmenleitung bestimmten Stichtag habe das Werk nunmal weniger als 200 Mitarbeiter gehabt. Praktikanten nicht mitgerechnet. Auch sei nicht damit zu rechnen, dass Hilti in nächster Zeit mehr als 200 Mitarbeiter beschäftige. Dafür hätte die Wirtschaftskrise gesorgt, die zuletzt den Umsatz von 50 Millionen auf 40 Millionen Euro habe schrumpfen lassen. Mit Entlassungen sei aber nicht zu rechnen. "Wir sind froh, wenn die Betriebsratswahlen reibungslos ablaufen", sagt Brandenburg.
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