Freitag, 24. Mai 2013

12. August 2012 18:49 Uhr

Christopher-Street-Day

Homo-Ehen fehlt es an Akzeptanz

Schwulen- und Lesbenverbände richten Kritik an die eigenen Reihen. Von Dagmar Hub

Für die Gleichstellung von Homo- und Bisexuellen und Transgender wurde in den letzten Jahren viel erreicht. Die volle Gleichstellung – beispielsweise von Homoehen in steuerlicher Hinsicht – steht jedoch noch aus. Am meisten aber fehlt die Gleichstellung in den Köpfen: Dies ist das Fazit der Reden von politischen Gästen und Vertretern von Verbänden und Aktionsbündnissen zum Christopher-Street-Day in Ulm, der heuer unter dem Motto „Liebe ist grenzenlos“ stand.

Johannes Meyer vom Schwulen- und Lesbenverband drückte seine Hoffnung aus, dass es den Christopher-Street-Day eines Tages gar nicht mehr geben muss, weil die Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Liebe erreicht ist.

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Auf dem Marktplatz in Ulm feierten Hetero- und Homosexuelle aus der Stadt und der Region den Christopher-Street-Day. Nicht nur die Gesellschaft an sich, auch die Homosexuellen selbst engagieren sich zu wenig politisch für die Belange von Schwulen, Lesben und transidenten Menschen. Druck auf die Politik müsste man ausüben, aber es gehe der schwul-lesbischen Community doch nur ums Feiern, den Alkohol und den Sex, sagt der freikirchliche Stuttgarter Pfarrer Dr. Axel Schwaigert, selbst CSD-Aktivist – in anderen, nicht zitierfähigen Worten.

Harsche Kritik am Desinteresse der eigenen schwul-lesbischen Community gegenüber der schwierigen Situation Homosexueller oder Transidenter in anderen Ländern gab es bei der Podiumsdiskussion am Vorabend.

„Schwulen-Mutti“ Laura aus Stuttgart, aus Rumänien stammend, berichtete gemeinsam mit Dr. Axel Schwaigert von einer Reise zum Christopher-Street-Day in Bukarest, wo ein Outing nicht möglich sei. „Alles ist dort mit Angst verbunden“, sagte sie. Homosexuelle seien von Gewalt auf der Straße bedroht. Bekannt gewordene Homosexualität habe Jobverlust und Probleme für die Angehörigen zur Folge. Aggressivität und Hass seien körperlich spürbar, berichtete Schwaigert; sie kämen besonders von der Kirche in Rumänien.

Man dürfe nicht meinen, man könne einfach einen bunten Christopher-Street-Day nach Damaskus oder Moskau transportieren und tue damit Gutes für Homosexuelle dort. Nicht nur, dass man sich selbst mit solchen Aktionen in Gefahr bringt: „Wir können uns dann wieder ins Flugzeug setzen und sind in zwei Stunden in Deutschland. Die Menschen dort bleiben dort.“

Politisch aber, beispielsweise durch Gelder aus der Wirtschaftsförderung oder Entwicklungshilfe, könne man durchaus Druck ausüben, um die Situation Andersdenkender in solchen Ländern zu verbessern. Hier stelle Deutschland allerdings sein wirtschaftliches Interesse über die Menschenrechte. Aber auch für den Homosexuellen selbst werde leider die Situation Betroffener im Osten erst wichtig, wenn der eigene Partner beispielsweise aus St. Petersburg stammt und Angst haben muss, die Eltern dort zu besuchen, wo er als Volksschädling betrachtet wird.

Lesbos, qua Bezeichnung Insel der Seligen für lesbische Frauen, wenigstens im Urlaub? Dass dem nicht so ist, berichtete die Griechin Eleni.

Die griechische Regierung tue alles dafür, Familien nach Lesbos zu holen. Lesbische Frauen als Urlauberinnen seien auf Lesbos nicht willkommen. „Nur ihr Geld“, kritisierte Eleni.

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