Dienstag, 16. Januar 2018

28. Dezember 2017 07:58 Uhr

Neu-Ulm

Horrorszenen einer Ehe

Die neueste Komödie im Theater Neu-Ulm zeigt ein Paar im Kampf mit sich und anderen. Das amüsiert – und gibt zu denken. Von Paolo Percoco

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Drei sind zu viel: Zwischen Maxime (Heinz Koch, links), seiner Frau Jeanne (Claudia Riese, rechts) und Claude (Thomas Giegerich) ist es kompliziert.
Foto: Andreas Brücken

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und das Theater Neu-Ulm? Zeigt ein Stück über eine Liebe in der Krise. Vor nahezu ausverkauften Reihen hat die für fünf Molières, dem nationalen Theaterpreis Frankreichs, nominierte Komödie „Illusionen einer Ehe“ von Eric Assous Premiere gefeiert. Die Zuschauer erlebten einen amüsanten Theaterabend, der aber auch seine Schwächen hatte.

Auf der Bühne: eine sommerliche Terrasse, Blumen, Sonnenschirm, Gartenstühle und -tisch. Ehemann Maxime (Heinz Koch) liest Zeitung. Ehefrau Jeanne (Claudia Riese, auch für Kostüm, Bühne und Regie verantwortlich) zupft im Sonntagskleid gespielt angestrengt an den Pflanzen herum. Die gehobene Schicht frönt der inneren Leere. Da kann man ja mal ein Thema anschneiden, dass ein bisschen Spannung in die Tristesse bringt: der Seitensprung. Wann, wie oft, mit wem? Und keine Namen. Das möchte Jeanne von ihrem Angetrauten wissen. Und schon sind wir mitten im Koch-Riese-Schauspiel-Duell. Maxime ist zwölfmal fremdgegangen. Mon Dieu! Jeanne nur einmal, dafür neun Monate lang. Katastrophal!

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Wer war es? Zwölf flüchtige Techtelmechtel sind des gehörnten Mannes nach unbedeutend gegen eine über ein Dreivierteljahr andauernde Affäre. Als dann auch noch Claude (Thomas Giegerich), der schusselige Sportsfreund im Tennis-Outfit in die Geschichte stolpert, wittert der angestochene Gebieter sein Opfer: wer, wenn nicht dieser? Ein scheinheiliges Treffen im Garten ist schnell arrangiert, der Wein fließt in Mengen, und fix wird aus der Chose ein waschechtes Verhör. Der Pegel steigt, die Masken fallen.

Es wäre kein preisgekröntes Stück Theater, wenn in der zweiten Hälfte nach der Pause nicht eine gewisse Wendung ins Spiel käme. Und genau das passiert. Vom Kaiser zum König über den Prinzen zur Kröte dirigiert die Riese „ihren“ Koch durch diese Inszenierung. Teils etwas schleppend. Die Funken fliegen trotzdem und die Akteure haben Lacher und Applaus auf ihrer Seite. Allen voran Thomas Giegerich, der als selbstzweifelnder Claude zunehmend betrunken von einem Trauma ins nächste stolpert, aber einen festen Abgang liefert. Kochs Maxime durchlebt es ähnlich, nur konträr im Effekt. Und die Riese als Ein-Frau-Union hat die Rolle der Jeanne erst nach Absage der ursprünglich eingeplanten Schauspielerin übernommen und gerät vielleicht dadurch leicht ins Trudeln.

Trotzdem: Je mehr Zeit in diesem Stück über die Liebe und ihr Fehlen vergeht, desto größer wird das Amüsement. Bis zum ziemlich gemeinen Ende, über das man noch lange nachdenken darf.

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