Montag, 20. Mai 2013

04. August 2012 12:25 Uhr

Reiseabenteuer

Im Krankenwagen in die Mongolei

Fünf junge Mediziner unterstützen die Leukämiestation in Ulaanbaatar

Die beiden Ulmer Ferdinand Wagner (links) und Wolfgang Michna machen sich im ehemaligen Bundeswehr-Krankenwagen auf den Weg in ein Abenteuer: Sie wollen damit bis in die Mongolei fahren.
Foto: Andreas Brücken

Ulm Hinten im olivgrünen Lieferwagen stapeln sich vier Matratzen auf Metallgestellen. Ein paar kleine Kisten sind an der Fahrerhaus-Rückseite aufgereiht, aus einer ragt ein Rechenbrett mit bunten Holzkugeln heraus. Wolfgang Michna schiebt die Kiste in die Ecke, lacht: „Ich bin wirklich gespannt, wie das so alles wird.“ Kein Wunder – ihm steht eine lange Reise bevor.

Denn der olivgrüne Mercedes-Benz 609D ist kein gewöhnlicher Transporter, sondern ein ehemaliger Krankenwagen der Bundeswehr. Insgesamt sechs junge Männer wollen sich mit ihm auf den Weg machen: nach Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei. Dort wollen sie das Fahrzeug samt Inhalt an eine Leukämiestation übergeben.

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Planungen laufen seit Beginn des Jahres

Fünf der sechs Reisenden sind Mediziner, nur Wolfgang Michna fällt aus dem Rahmen: Der 28-jährige Ulmer ist gerade mit seinem Kommunikationsdesign-Studium fertig geworden. Zusammen planen sie schon seit Januar die Umsetzung einer Idee, die im vergangenen Sommer entstand. Damals fanden sie eine Rallye für den guten Zweck von England in die Mongolei interessant, wollten aber über alle Umstände selbst entscheiden – „dann haben wir halt beschlossen, wir fahren alleine los“, erklärt Ferdinand Wagner. Der 27-Jährige ist ebenfalls Ulmer und Unfallchirurg.

Gesagt, getan: Die sechs begannen mit der Planung. Am wichtigsten war dabei das Sammeln von Spenden. Allein die Kosten für den Krankenwagen, den benötigten Diesel und die Fahrzeug-Ausstattung veranschlagten sie mit 12000 Euro. Durch Spenden von Privatpersonen und Vereinen war bald klar, dass das Projekt wirklich realisierbar war. Die eigenen Reisekosten – also für Verpflegung, Unterkunft, Visa, Impfungen und Rückflüge – bezahlen sie selbst.

Inzwischen sind 20000 Euro zusammengekommen, rund 10000 davon stammen aus Ulm. Zu dem Krankenwagen hat sich noch ein Auto gesellt, das die jungen Mediziner überführen sollen.

In den beiden Fahrzeugen geht es über Österreich, Ungarn, Rumänien, Moldawien, die Ukraine, Russland und Kasachstan in die Mongolei. „Eigentlich dauert die Route drei bis vier Wochen, aber wir nehmen uns sechs Wochen Zeit, um dabei ein bisschen Luft zu haben“, erklärt Wolfgang Michna.

Erholungshaus für junge Patienten und ihre Eltern

In Ulaanbaatar gehen Krankenwagen und Sachspenden an die Kinderhilfe Mongolei. Die arbeitet dort mit der Leukämiestation des Kinderkrankenhauses in der Hauptstadt zusammen und hat rund 30 Kilometer von der Stadt entfernt auf einem Berg ein Erholungshaus für die jungen Patienten und ihre Eltern gebaut.

Um die Kinder vom Krankenhaus bis dorthin und zurückbringen zu können, ist ein Transporter nötig – und wegen des unwegsamen Geländes ein besonders stabiler. Ideal: der alte Militärkrankenwagen.

Im Führerhaus hängen noch das Funkgerät und ein olivgrüner Kaffeebecher. Ferdinand Wagner sitzt hinter dem Steuer. Nicht alle dürfen das Ungetüm auch fahren: Nur drei von ihnen haben einen Lastwagen-Führerschein.

Auffällig ist aber nicht nur die Farbe des Wagens, sondern auch das Logo darauf. Weiße Zeichen schmücken die Seite und die T-Shirts der Reisenden. Die Entwicklung des Logos war die Aufgabe von Wolfgang Michna. „Ich habe mich an der mongolischen Kalligrafie-Schrift Sojombo orientiert und eine Flamme, Mond und Sonne ausgewählt, die Zeichen kommen auch auf der mongolischen Flagge vor.“ Dazu gesellte er ein abstrahiertes Kreuz – „das könnte auch ein Pflaster darstellen“. Mit dem Logo wollen die sechs jungen Männer ihre Botschaft visuell kommunizieren.

Das Geld, das Michna und seine Mitfahrer bei der Ankunft nach Ulaanbaatar zusätzlich mitbringen, soll unter anderem einen 18-jährigen Halbwaisen dabei unterstützen, Medizin zu studieren. Er kommt aus einer armen Familie und könnte sich die Gebühren für das Studium ohne Hilfe nicht leisten.

Neben dem guten Zweck sind die sechs aber natürlich auch auf die Reise gespannt: auf die Landschaft, auf die Menschen, erklärt Wolfgang Michna. „Es gibt ja viele Vorurteile – ich freue mich jetzt einfach darauf, zu sehen, wie es wirklich ist in den verschiedenen Ländern.“

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