Iveco streicht in Ulm wohl 670 Arbeitsplätze. Die Lastwagenproduktion am Traditionsstandort wird komplett eingestellt. Von Oliver Helmstädter

Schock für die fast 2000 Beschäftigten von Iveco in Ulm: Wie gestern auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung durch Iveco-Vorstandsmitglied Laurens Snieders bekannt wurde, wird die Lastwagenproduktion am Ulmer Traditionsstandort komplett eingestellt. 670 von etwa 1100 Arbeitsplätzen in der Montage des Nutzfahrzeugherstellers gehen demnach verloren. Ansonsten blieben die gelieferten Informationen, wie unserer Zeitung von Teilnehmern der Versammlung berichtet wurde, sehr dürftig. Weder ein Zeitplan noch Details über die Art und Weise des Stellenabbaus seien thematisiert worden.
Auch in einer gestern Abend veröffentlichten Pressemitteilung machte die zum Fiat-Konzern gehörende Firma keine genauen Angaben. Die nach unseren Informationen genannten Zahlen wollte Unternehmenssprecher Manfred Kuchlmayr nicht bestätigen.
Bestätigt wird lediglich die „Neuordnung des Deutschlandgeschäfts“. In diesem Rahmen soll die Kapazitäten der Produktion schwerer Nutzlastwagen aus Ulm nach Madrid verlagert werden. Dieses Vorhaben sei aufgrund der anhaltend schwierigen Bedingungen am europäischen Lastwagenmarkt unausweichlich geworden. Das Zentrum für Forschung und Entwicklung in Ulm sowie der Testbereich sollen erhalten werden. Zum Thema Kündigungen heißt es nur: „Iveco ist sich der sozialen Auswirkungen bewusst.“ Schwacher Trost für den Standort Ulm: Hier soll ein „Brandschutz-Kompetenzzentrum“ entstehen. Die Produktionskapazitäten aus anderen Iveco Brandschutzstandorten sollen sukzessive nach Ulm verlagert werden.
Seit über drei Jahren hat Iveco in Ulm Schwierigkeiten, mit kurzen Unterbrechungen herrscht fast durchgehend Kurzarbeit.
Während in den besten Jahren bei gleicher Mitarbeiterzahl etwa 24 000 Laster jährlich im Donautal produziert wurden, waren es zuletzt nur etwa 15 000. Hauptgrund für die Dauerkrise ist, dass die südeuropäischen Kernmärkte Italien, Spanien und Südfrankreich nach wie vor von einem Boom weit entfernt wären. In diesen Ländern ist Iveco aber Marktführer.
Nutzfahrzeuge aus Ulmer Produktion erlebten unter dem Namen Magirus Ende es 19. Jahrhunderts ihre Geburtsstunde. Später stieg der Deutz-Konzern ein. Die „Bullen“ von „Magirus-Deutz“ mit dem stilisierten Münster zierten in den 80er Jahren sogar als Sponsor die Trikots der Fußballer des FC Bayern München. 1975 übernahm Iveco die Nutzfahrzeugsparte. Nachdem bekannt wurde, dass Daimler in seinem Neu-Ulmer Buswerk wohl über 500 Stellen streicht (wir berichteten), ist das innerhalb kurzer Zeit der zweite Rückschlag für die traditionsreichen Fahrzeugbauer der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm.
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