Montag, 18. Dezember 2017

24. März 2010 20:35 Uhr

Jeder will den Platz an der Sonne

Landkreis Der neue Stolz von Thomas Treu ist rund 750 Quadratmeter groß und bringt an sonnigen Tagen eine Spitzenleistung von etwa 95 Kilowatt. Der Unternehmer aus Hittistetten hat sich auf seine Maschinenhalle ein Photovoltaikdach bauen lassen - und ist derzeit einer von vielen. Weil zum 1. Juli die Förderung für Solarstrom um 16 Prozent gekürzt wird, erlebt derzeit die Branche in der Region einen Boom.

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Noch einmal Gas gegeben, damit die Förderung stimmt

"Volle Südlage, das geht nicht besser", freut sich Treu, als er über sein Dach blickt. 2008 hat er für seine Firma, das Kommunaltechnikunternehmen Manfred Treu, die Halle gebaut. Schon damals hatte er geplant, irgendwann einmal Solarstrommodule darauf installieren zu lassen. Irgendwann. Doch als langsam durchsickerte, dass die goldenen Förderzeiten dem Ende entgegengehen, handelte Treu. Ende 2009 bestellte er die Anlage, demnächst geht sie ans Netz. "Am Ende haben wir noch mal Gas gegeben", sagt Treu. Schließlich hat der Geschäftsmann etwas zu verlieren. Bei einer Investition von rund 270 000 Euro schmerzen 16 Prozent weniger Einspeisevergütung ganz schön.

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Endet im Sommer die große Zeit der Photovoltaik? Gerhard Rodi, Leiter der Kreditabteilung der VR-Bank Neu-Ulm/Weißenhorn, glaubt Nein. Seine Bank hat - wie viele andere auch - in den vergangenen Jahren gute Geschäfte mit den stromerzeugenden Dächern gemacht. Rund 30 Millionen Euro hat die Genossenschaftsbank laut Rodi derzeit an private Kraftwerksbetreiber in der Region verliehen, allein zehn Millionen 2010. Mehr als zehn Prozent ihres Finanzierungsgeschäfts macht die VR-Bank derzeit mit der Sonnenenergie, überwiegend auf den Dächern von Privatleuten und landwirtschaftlichen Betrieben. Durch die günstigen Zinsen hätten die meisten ihre Solardächer zu 100 Prozent durch Kredite finanziert, was sich wegen günstiger Zinsen auch rechnete. Geht es nach Rodi, könnte das auch so bleiben. "Wenn die Systempreise weiter sinken, rechnet sich eine solche Anlage auch in Zukunft." Rodi rechnet damit, dass der Preis pro Kilowatt-Peakleistung von derzeit um die 3000 Euro auf um die 2400 Euro sinken wird. Damit wäre die Kürzung der Einspeisevergütung egalisiert - und Renditen von an die zehn Prozent für Neukäufer durchaus drin.

Kristine Krusche von der Firma Finasol rechnet jedoch nicht mit einem baldigen Abrutschen der Preise. "Bei den Modulen wird zu viel erwartet", sagt die Geschäftsführerin. Gerade bei den Herstellern gebe es kaum noch Raum für Preissenkungen. "Die Preise werden in etwa auf dem jetzigen Niveau bleiben", prognostiziert Krusche, die auch deswegen erwartet, dass das Zurückfahren der Förderung Folgen auf dem Photovoltaikmarkt haben wird. Finasol plant 100 bis 200 Dächer im Jahr, vor allem größere Objekte, die meisten in der Region. Krusche rechnet mit einer Bereinigung des hart umkämpften Marktes, auf dem derzeit jeder mitmischen wolle - auch weniger seriöse Anbieter. Allein in Ulm seien es an die 100 Firmen und Ein-Mann-Betriebe, die mit Solarstromanlagen Geld verdienen wollen. Viele von diesen, vermutet Krusche, dürften in den kommenden Jahren das Handtuch werfen: Beim steigenden Preisdruck dürften viele weder mithalten können noch wollen.

Anlagenbauer Heinrich Loresch aus Hittistetten, der auch das Dach von Thomas Treu ausstattete, ist mit seinen Prognosen etwas vorsichtiger. Zwar glaubt auch er, dass Solarstrom auch nach der Kürzung der Einspeisungsvergütung rentabel bleiben wird - doch weniger als derzeit. Entsprechend groß ist derzeit bei ihm der Run auf die Module. "Die Änderung ist derzeit das Hauptthema", berichtet der Elektriker. Vor allem Kunden, die bereits eine oder mehrere Anlagen in Betrieb hätten, wollten derzeit noch schnell erweitern, bevor die Förderung gekappt wird - wohl dem, der noch Platz auf dem Dach hat. Die Folge: Bei manchen Bauteilen ist der Markt wie leer gefegt. "Wenn ich jetzt einen Wechselrichter bestelle, hat er einen Liefertermin im November", berichtet Loresch, der selbst eher zufällig noch genug Exemplare auf Lager hat. "Sogar der Großhändler hat schon gefragt, ob er wieder welche zurückkaufen kann."

Wettbewerber mit leeren Regalen wissen sich laut Loresch trotzdem zu helfen. Er weiß von Firmen, die Wechselrichter ein- und gleich auch wieder ausbauen. Denn für die Höhe der Einspeisevergütung entscheidend ist der Termin der ersten Inbetriebnahme, auch wenn die Anlage danach erst mal monatelang keinen Strom mehr liefert. Im Wettrennen um das Fördergeld gilt es nur noch, rechtzeitig ins Ziel zu kommen. Solarstrom ist heute eben vor allem ein Geschäft.

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