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15. März 2010 05:01 Uhr

Kleinwüchsige haben nach wie vor große Probleme

Senden Freundschaften pflegen, sich übers Privat- und Berufsleben austauschen und über die spezifischen Probleme, das waren einige der Ziele beim Treffen der Landesverbände Bayern und Baden-Württemberg im Bundesselbsthilfeverband kleinwüchsiger Menschen, das am Wochenende in Senden stattfand. Von Angela Häusler

Dreimal im Jahr trifft sich der bayerische Verein, im Frühling, Herbst und im Advent. Die Wahl war nun auf Senden gefallen, weil die Stadt an der Grenze der beiden Bundesländer liegt. Und auch ein Hotel haben sie dort gefunden, das ihre Bedürfnisse erfüllt. Badewannen und Duschen etwa, deren Wände niedrig genug sind, um problemlos hineinsteigen zu können. Was für einen Normalgroßen keinen Gedanken wert ist, kann für einen Kleinwüchsigen zum Problem werden, erklärt ein Teilnehmer des Treffens, der aus Niederbayern gekommen ist. Unerreichbare Ware im Supermarkt, ein Fahrkartenautomat, den man nicht benutzen kann, Kleider in Normgrößen, die nicht passen.

100 000 kleinwüchsige Deutsche

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80 000 bist 100 000 kleinwüchsige Menschen, so Schätzungen, leben in Deutschland. 350 von ihnen sind im Bundesselbsthilfeverband kleinwüchsiger Menschen organisiert. Bis zu einer Größe von 1,40 Meter gelten Frauen als kleinwüchsig, Männer bis zu 1,50 Metern.

Dass es, trotz der stattlichen Anzahl an Betroffenen vergleichsweise wenige sind, die sich in solchen Vereinen organisieren, erklärt sich Johann Sirch, Leiter des Landesverbands Bayern, so: "Viele trauen sich nicht oder wollen und können sich damit vielleicht auch gar nicht groß auseinandersetzen." Sein Resümee des Frühjahrstreffens fällt durchweg positiv aus. "Es gab einen regen Austausch zwischen den Menschen", erzählt er. Sogar aus der Schweiz war eine Teilnehmerin dabei, insgesamt waren 25 angereist.

Oberstes Ziel des Verbands ist die Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen. Sie selbst, so sagen drei Teilnehmer des Treffens übereinstimmend, wollen sich keinesfalls ausschließlich über ihre Größe definiert sehen. "Wir führen ein ganz normales Leben", sagt einer der Männer, "die meisten haben ihren Beruf und viele sind verheiratet." Dennoch: Das Treffen mit anderen Kleinwüchsigen stärkt das Selbstbewusstsein. "Es tut einfach gut, weil man mal nicht aufschauen muss", berichten sie. Und Schwierigkeiten gibt es auch. Nicht selten, etwa bei Bewerbungsgesprächen und im Beruf, würden besondere Anforderungen an Kleinwüchsige gestellt. "Man muss erst einmal beweisen, dass man genauso Leistung bringt", erklärt ein junger Mann aus Regensburg. Daran, aufzufallen, haben sie sich alle gewöhnen müssen. Vor allem, wenn die Vereinsmitglieder in Gruppen unterwegs sind, zögen sie viele Blicke auf sich, berichten die Teilnehmer. Mit schwierigen Situationen gehe jeder unterschiedlich um. Die einen bitten um Hilfe, wenn etwa eine Packung im Supermarkt in einem hohen Regal liegt. Andere kaufen dann lieber etwas anderes.

Mehr Geld für die Lebenshaltung müssen sie alle ausgeben - speziell angefertigte Kleidung, Hilfskonstruktionen im Auto, niedrige Möbel, das alles kostet extra. Zuschüsse, so Sirch, etwa für Autoumbau und Wohnung, gebe es nur für Berufstätige, wer keine Arbeit hat, kann da auch keine Ansprüche anmelden. An Schulen und Kindergärten herrschten außerdem noch immer Vorurteile, obwohl die Intelligenz Kleinwüchsiger sich in der Regel nicht von der normalgroßer Menschen unterscheidet. "Viele Lehrer befürchten, dass ein kleinwüchsiges Kind deutlich mehr Hilfe benötigt", weiß Sirch. Das treffe nicht immer zu. Ohnehin müsse man oft gegen schlichte Unwissenheit ankämpfen, und gegen Gedankenlosigkeiten. Etwa, wenn die Bäckereiverkäuferin das gewünschte Brot einfach auf die hohe Theke legt und sich ganz routiniert dem nächsten Kunden zuwendet.

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