Jörg Neugebauer und Elvira Lauscher haben mit ihren "Wortkunstläufen" ein Markenzeichen geprägt. Es geht um das intellektuelle Spiel mit der Sprache, mit Worten, Konnotationen, Metaphern und allegorischen Konstruktionen.

Dieser oftmals atemlos erscheinende Parforce-Ritt durch die Sprache wurde in der Flußmeisterei als "Wortkunstlauf Plus" um die musikalische Vitalität der Gruppe "D¿Bagage" ergänzt.
"Wortkunstlauf" bezieht sich auf "Eiskunstlauf" und wie bei eben dieser Sportart geht es beim Wortkunstlauf um das rasante Dahingleiten auf Eis, im Falle Neugebauers und Lauschers auf dem glatten Eis der Bedeutungen: "In der Hoffnung, nicht auf dem Glatteis der Sprache auszurutschen" trat das literarische Duo an und empfahl: "Wenn wir aber einbrechen - dann lehnen Sie sich zurück und hören Sie zu, wie wir da wieder herauskommen!"
Sie brachen, so erstaunlich tollkühn manche Wort- und Sinneskapade auch ausfiel, erstaunlicherweise nicht ein. Ernst und Komik wechselten sich mit angenehmer Ausgewogenheit ab, inszenierte Streitgespräche mündeten direkt ins Rezitieren der Gedichte ein, wobei viel Neues mit einigen "Evergreens" gemischt wurde, etwa Neugebauers "Ich leih mir einen Bauch" oder "Stech mich mit Deiner Wespentaille". Die Legierung aus edlem Kalauer, aus Philosophie, aus Wortspiel und eigenwilligen Sichtweisen amüsierte über die ganzen zwei Stunden der Veranstaltung hinweg. Man betrat "schöne Gärten ohne Feuerbach", man fragte sich, wie man "Engel füttert" ("Fressen die überhaupt etwas?") und verfing sich lustvoll in Endlosgedichte, die schon etwas von einem Sprechgesang an sich hatten.
Die Pointen kamen treffsicher, manchmal aber fast zu schnell. Man würde sich den einen oder anderen Sinnschlenker gerne etwas länger auf der Zunge zergehen lassen. Aber schon rauscht der Wortkunstlauf weiter, wird unsere Sicht auf die Dinge verschoben und mit dem scharfen Schwert des Wortes feinsäuberlich in seine (mitunter herrlich absurden) Einzelteile zerlegt. Daß da eine "Hommage an Jandl" (so auch der Titel des kommenden Programms) und ein Ausflug in Neugebauers "Dionysos"-Epos nicht fehlen dürfen, ist logisch.
Neugebauer und Lauscher ergänzen sich wunderbar. Neugebauer gibt gern den Part des Skeptikers, Lauscher die Verträumte, beide kommen, spielerisch ums Wort streitend, wieder auf einen gemeinsamen poetischen Nenner.
Die Einschübe mit Musik von "D¿Bagage" Hans A. Lang (Drehleier und Akkordeon) und Diana Jung (Dudelsack, Trommel) ergänzten den "Wortkunstlauf" ideal. Hier konnte man bei tänzerischen Rhythmen von Folk- und Bordunmusik etwas entspannen - wenngleich der in Anlehnung an den oberpfälzischen "Zwiefachen" gespielte "Vielfache" sich als rhythmisch allzu vertrackt erwies, obgleich man ihn zu gern mal getanzt hätte. Eigenkompositionen und traditionelle Weisen aus Frankreich, Schweden und Deutschland spannten den Bogen zwischen Gestern und Heute.
Das Publikum dankte mit viel Applaus, wohl wissend, dass es zurück musste in eine Welt, in der nicht Lyrik und Poesie, sondern Dummdeutsch-Denglisch und Fahrstuhlmusik das Leben bestimmen.
Mehr Infos auch unter
www.wortkunstlauf.de oder www.d-bagage.de
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