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03. Februar 2010 20:30 Uhr

Legionellen: Die Gefahr ist vorerst gebannt

Ulm/Neu-Ulm Die Quelle der Legionelleninfektionen in Ulm und Neu-Ulm ist mit höchster Wahrscheinlichkeit gefunden. Es handelt sich um eine größere Nasskühlanlage auf dem Dach eines nicht produzierenden Betriebes in Ulm. Den Namen des Betreibers nannten die Behörden gestern mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. "Das hat nichts mit Geheimniskrämerei zu tun, sondern mit Sorgfalt", rechtfertigte Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner dieses Vorgehen. Die betreffende Anlage ist vom Betreiber bereits Mitte Januar stillgelegt worden. "Die Gefahr ist gebannt", sagte Gönner. "Eine Nadel im Heuhaufen - wir haben sie gefunden."

Das nationale Referenzlabor für Legionellen an der Technischen Universität Dresden hatte in den vergangenen Tagen die Beschaffenheit von neun Kühlwasserproben aus verschiedenen Betrieben und Gebäuden mit dem genetischen Fingerabdruck des Erregers verglichen, den ein Ärzteteam der Universitätsklinik Ulm bei Patienten ermittelt hatte. In einem Fall stimmten die "Fingerabdrücke" von Kühlwasser und Erreger komplett überein. Vertreter der Stadt Ulm, der Landratsämter Neu-Ulm und Alb-Donau-Kreis sowie des Universitätsklinikums Ulm zeigten sich erleichtert. "Angesichts der Vielzahl von Rückkühlsystemen in Gebäuden, Betrieben und Einrichtungen im Gebiet beider Städte hätte es durchaus möglich sein können, dass die Quelle unauffindbar geblieben wäre", sagte Landrat Heinz Seiffert.

Die Experten gehen davon aus, dass mit Legionellen verseuchte Abluft aus der Anlage des Betriebs mit dem Wind durchs Stadtgebiet geweht wurde, wo sich einige Menschen infizierten. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass es die Wolke war", sagte Dr. Doris Reick vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Bei allen Klimaanlagen, in denen Legionellen gefunden wurden, haben die Behörden sofort eine Reinigung und Desinfektion veranlasst. Die jetzt als Quelle identifizierte Anlage wurde stillgelegt.

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Um die genaue Ursache des Legionellenbefalls herauszufinden, soll ein Gutachter eingeschaltet werden. Er soll auch klären, wie sich die Legionellen verbreitet haben und wieso so viele Menschen erkrankt sind. Nicht alle Legionellenarten sind gefährlich. "Sie können sich das vorstellen wie bei Hunden", sagte Dr. Christian Lück vom Referenzlabor in Dresden. "Manche beißen, andere nicht." Der spezielle Legionellentyp mit dem Namen "Knoxville", der für die Serie von Erkrankungen verantwortlich ist, gilt jedoch als besonders aggressiv.

"Wir können froh sein, dass wir die Ursache gefunden haben, aber wir müssen der Geschichte jetzt intensiv nachgehen", sagte Heinz Seiffert. Mit den Erkenntnissen, die aus dem Fall gewonnen werden, wollen die Behörden vor allem auch dazu beitragen, dass sich eine so schlimme Serie von Erkrankungen nicht wiederholt. Die Ergebnisse sollen den Ermittlungsbehörden, Herstellern und Betreibern von Klimaanlagen, aber auch dem Gesetzgeber zur Verfügung gestellt werden, um gegebenenfalls Änderungen zu forcieren - bislang sind Nasskühlanlagen nicht genehmigungspflichtig und für die Wartung gibt es nur Empfehlungen, keine bindenden Vorschriften.

Ob und welche Konsequenzen der Fall für den Betreiber haben wird, ist noch unklar. Die kontaminierte Anlage war laut Ivo Gönner jedenfalls neu. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat Vorermittlungen eingeleitet. "Wir haben im Augenblick keinen Anhaltspunkt für eine Straftat", sagte Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Wolfgang Zieher. "Das kann sich aber ändern, wenn wir erfahren sollten, dass da jemand geschlampt hat."

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