Samstag, 22. Juli 2017

14. November 2013 11:06 Uhr

Ulm

Löwenmensch: Zurück in seiner Höhle

Das Ulmer Museum feiert die Wiederkehr des Löwenmenschen aus dem Lonetal – und zeigt die frisch restaurierte Steinzeit-Figur im Kontext anderer archäologischer Fundstücke

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Es ist kurz nach 11 Uhr, als endlich der Kombi der Kunstspedition auf dem Marktplatz vorfährt. Seine Ladung ist eine unscheinbare gelbe Kiste, die aber den wahrscheinlich größten Schatz des Ulmer Museums enthält: den Löwenmenschen. Die Statuette, 35000 bis 40000 Jahre vor unserer Zeit aus dem Stoßzahn eines Mammuts geschnitzt, steht nach ihrer mehrmonatigen Restaurierung im Mittelpunkt einer großen Ausstellung: „Die Rückkehr des Löwenmenschen – Geschichte Mythos Magie“. Im Erdgeschoss des Fried-Baus sind bis 9. Juni 2014 neben der Statuette auch noch weitere Exponate aus der Anfangszeit menschlicher Kultur zu sehen.

Statuette wurde um neu gefundene Teile ergänzt

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Für das Ulmer Museum ist die Wiederkehr des Mischwesens aus dem Esslinger Landesamt für Denkmalpflege (LAD) nicht nur die Ankunft eines Publikumsmagneten. Der Löwenmensch, der als eine der ältesten figürlichen Darstellungen überhaupt gilt, präsentiert sich dem Publikum nun ganz anders. Restauratorin Nicole Ebinger-Rist und ihre Kollegen haben die Figur in mühevoller Kleinarbeit auseinandergebaut, von in den 80er-Jahren benutzten Spezialkitt befreit und um neue Teile ergänzt.

Diese stammen überwiegend aus einer neuen Grabung, die das LAD von 2008 bis zum Oktober dieses Jahres in der Stadelhöhle bei Asselfingen (Alb-Donau-Kreis) durchführte. Dort waren 1939 die Fragmente der Statuette entdeckt worden.

Erdgeschoss im Fried-Bau ist verdunkelt

Für die Ausstellung hat der Löwenmensch, vor der Restaurierung in der archäologischen Abteilung im ersten Stock des Hauses untergebracht, nun einen neuen Platz bezogen. Kurator Kurt Wehrberger hat in Zusammenarbeit mit dem Ulmer Gestaltungsbüro Braun Engels eine Ausstellungsarchitektur ersonnen, die die Finsternis der Höhle widerspiegelt – und gleichzeitig eine mysteriöse Stimmung verbreitet. Das ganze Erdgeschoss des Fried-Baus, schon zuletzt mehrfach für Sonderausstellungen genutzt, wurde verdunkelt.

Der Löwenmensch selbst hat einen Raum ganz für sich alleine bekommen – und thront in einer zentral aufgestellten Klimavitrine. An den Wänden angebrachte, große Fotografien vom Fundort, dem Hohlenstein-Stadel, erzeugen die Illusion: Der Löwenmensch scheint zurück in seiner Höhle.

Doch die Inszenierung des bedeutenden Stücks ist nur eine Facette: Die Ausstellung präsentiert die rund 31 Zentimeter große Figur im Kontext anderer Funde aus dem Hohlenstein – und weitere Exponate aus dem sogenannten Aurignacien, der Jüngeren Altsteinzeit. Manches ist freilich nur als Replik zu sehen. Aber so sind fast alle Ikonen der schwäbischen Eiszeit-Archäologie versammelt: die Knochenflöten aus dem Lone- und Achtal, Löwen und Fisch aus dem Vogelherd, die Venus vom Hohle Fels – und der ebenfalls dort entdeckte, nur 25 Millimeter große „kleine Bruder“ des Ulmer Löwenmenschen.

„Die Rückkehr des Löwenmenschen“ erlaubt einen faszinierenden Einblick in früheste Zeit menschlicher Kultur. Genauso interessant ist für die Besucher aber auch die Arbeit der Restauratoren, die in einem als Werkstatt gestalteten Raum dargestellt wird.

Ebinger-Rist vom Landesamt für Denkmalpflege schildert die Herausforderung: „Man hat ein Puzzle, weiß, dass nicht alle Teile dabei sind – und hat noch dazu einen Termin.“

Die Ausstellung im Ulmer Museum beweist, dass die Arbeit der Restauratoren gelungen ist – und dass der Löwenmensch jede Mühe wert ist.

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