Dienstag, 25. Juli 2017

05. Mai 2017 15:00 Uhr

Ulm

Machtlos im Antennen-Wald

Die Mobilfunk-Standorte in Ulm werden kontinuierlich für schnelles Internet ausgebaut. Stadträte befürchten Gefahren durch Elektrosmog, doch dagegen tun können sie wenig.

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Die Zahl der Mobilfunkstandorte (wie hier an der Stuttgarter Straße) wächst in Ulm.
Foto: Andreas Brücken (Archivfoto)

Die Mobilfunkantennen in Ulm wachsen weiter in die Höhe. Allein im Zeitraum von April 2016 bis Ende März dieses Jahres wurden 13 Anlagen erweitert oder umgebaut. Für 20 Standorte liegen bereits konkrete Pläne für einen weiteren Netzausbau vor. Und die Suche nach weiteren geeigneten Stellen für die riesigen Antennen geht weiter. In den meisten Fällen geht es den großen Netzbetreibern darum, die Kapazitäten für den Mobilfunkstandard Long Term Evolution (LTE, auch „4G“ genannt) auszubauen, der schnelle Datenübertragungen ermöglicht. Insgesamt gibt es bereits mehr als 100 Mobilfunkstandorte im Stadtgebiet. Die Telekom plant außerdem, in der Innenstadt mehrere neue Kompaktanlagen zur Verstärkung ihres Netzes in Betrieb zu nehmen, sogenannte Small Cells.

Dazu nutzt das Unternehmen die Infrastruktur der Telestationen, die an vielen Stellen die alten Telefonzellen ersetzt haben. Diese Stelen bekommen einen Aufbau, in dem eine Sendeanlage steckt und im unteren Teil einen zusätzlichen Kasten, in dem die Systemtechnik integriert ist. So kann mit wenig Aufwand dort, wo das Netz an seine Grenzen stößt, der Empfang für schnelles mobiles Internet verbessert werden. Die Sendeleistung der Small Cells liegt laut Verwaltung bei unter zehn Watt. Daher braucht die Telekom dafür keine Genehmigung durch die Bundesnetzagentur. In einem Pilotprojekt soll die neue Technik noch in diesem Jahr an sieben bestehenden Telestationen installiert werden, beispielsweise am Münsterplatz, am Rathaus, in der Neuen Straße und in der Fußgängerzone.

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„Das war ja mal eine große Kampfzone“, erinnerte Chefstadtplaner Volker Jescheck im Bauausschuss des Ulmer Gemeinderats an frühere heiße Debatten um die Mobilfunkmasten. Doch inzwischen sei das Thema durch, „gerade in einer Stadt wie Ulm“, die sich auf dem Weg zur „Digital-City“ sieht. Wie berichtet, soll beispielsweise das freie W-Lan deutlich ausgebaut werden. Geplant ist außerdem eine Geschäftsstelle Digitale Agenda und ein eigener Ausschuss des Gemeinderats für Digitales. Die Grenzwerte würden bei den bestehenden Mobilfunkstandorten in keiner Weise ausgeschöpft, sagte Volker Jescheck. Die Genehmigung erfolgt jeweils durch den Bund. Die Kommunen können die Pläne der Telekommunikationskonzerne nur zur Kenntnis nehmen, sie haben aber keine Möglichkeit, geplante Masten im öffentlichen Raum zu verbieten, wenn diese außerhalb der Schutzzonen liegen, etwa um Krankenhäuser oder Kindergärten herum.

Das löst bei einigen Stadträten Unbehagen und ein Gefühl der Ohnmacht aus. „Ich nehme diesen Bericht missbilligend zur Kenntnis“, sagte etwa Hans-Walter Roth (CDU). Er sehe ein großes Risiko wegen der Strahlenbelastung. „Elektrosmog ist gesundheitsschädlich, nicht nur für Menschen, auch für Tiere“, zeigte er sich überzeugt. „Wir wissen nicht, was in zehn, 20 Jahren auf uns zukommt.“ Helga Malischewski (FWG) meinte beinahe resignierend: „Es wird einfach so hingenommen...“ Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne) sagte: „Wir als Kommune können Transparenz schaffen, mehr können wir nicht tun.“ Gefordert sei der Gesetzgeber. In der Schweiz beispielsweise seien die geltenden Grenzwerte für elektromagnetische Felder deutlich niedriger als in Deutschland.

„Ich glaube, dass alle hier am Tisch die Sorge über Elektrosmog teilen“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Die Netzbetreiber hätten zwar ein Recht auf die Umsetzung ihrer Pläne. Dennoch sei es nicht so, dass diese einfach so hingenommen würden. „Jeder einzelne Standort wird intensiv diskutiert“, so von Winning. „Die Netzbetreiber gehen auf uns zu. Wir sind in vielen Abstimmungen.“ Was sich geändert habe, sei die Gewohnheit der Gesellschaft und die Bereitschaft, etwas zu akzeptieren, „weil man halt schnelles Internet einfach haben will“. Volker Jescheck sieht die Sache so: „Für mich ist das eine Volksabstimmung.“ Schließlich gebe es heute in Deutschland mehr Handys als Einwohner.

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