Neu-Ulm Das Medium ist sein Pianist. Und der Magier macht schon mal aus einem 20 Euro Schein einen Fünfhunderter: "Verzaubern, täuschen und nicht enttäuschen", ist das Motto von Thorsten Strotmann bei seiner "Synapsen"-Show im Neu-Ulmer Wiley Club. Und das kommt gut an bei seinem wohlgelaunten Publikum: Dem Gedanken lesenden Entertainer sitzt der Schalk im Nacken. Von Roland Mayer


Auch ein Magier wie Strotmann aus dem Stuttgarter Raum braucht eine Beleuchtungsprobe - und einen Soundcheck wie eine Popband. Am Piano sitzt Randy Lee Kay, der am Yamaha die Klänge hervorzaubert, die dramaturgischen Farbtupfer setzt, der "Stimme seines Herrn" die optimale Aussteuerung verpasst und in der Show selbst in die Rolle eines Mediums schlüpft: Thorsten sammelt die Kärtchen mit den Musiktiteln ein, die Mitspieler aus dem Publikum verdeckt niedergekritzelt haben. "Denken Sie den Titel, spielen Sie innerlich", ermuntert der dynamische Herr im hellen Sakko.
Und das Medium "Ruben" spielt entrückt Beethovens "Für Elise" und "Let it be" von den Beatles. Volltreffer. Das Publikum ist aus dem Häuschen. Schnipp, und schon wird aus Ruben wieder Randy.
"Sie haben sehr viel Verbindungsenergie, Magie verbindet", kommt es charmant übers Headset von der Bühne. Da werden Eheringe verkettet, geschüttelt, mit der Zange auseinendergeknipst - und wieder in der richtigen Reihenfolge im Selektionsverfahren an ihre Besitzer zurückgebracht.
"Ich bin der Magier für den Aufschwung", lacht Thorsten Strotmann, um aus einem geliehenen 20 Euroschein einen Fünfhunderter zu entfalten. Doch wo ist der Zwanziger von Anita geblieben? Pech gehabt? Nein doch, die Sanduhr ist abgelaufen. Der Zauberer legt ein schwarzes Tuch um das gläserne Utensil, das sein Hammerschlag zertrümmert. Vorsicht Anita, Scherben bringen Glück, ihr Zwanziger schält sich aus den Scherben heraus. "Tolle Lokation", sagt Thorsten Strotmann über den Kerzen illuminierten Wiley, "so wie bei Harry Potter". Seine Show mit Livemusik spielt sich wie ein charmant moderierter Film ab. Zu seinem Handwerkszeug gehören Fingerfertigkeit, Psychologie, Einfühlungsvermögen, das Spiel mit dem Unerklärlichen - und ein sympathisches Entertainment, das man eigentlich an keiner Zauberschule lernen kann.
Schon als Kind verspürte er ein Gefühl für die Künste der Tricks - und diese Begeisterung hat ihn bis heute nicht losgelassen. Geboren 1972 in Siegburg bei Köln als Kind musikalischer Eltern, lebt Thorsten Strotmann heute in Leonberg bei Stuttgart und ist seit 12 Jahren als professioneller, freischaffender Magier und Gedankenleser auf Achse.
Apropos Gedankenlesen: Der kleine Matthias entpuppt sich auf der Bühne als Weltmeister des Gedächtnisses. "Merken Sie sich Begriffe in Bildern. Die Reihenfolge kommt spielerisch. Die 8 ist wie Achterbahn, die Zehn die Bibel (mit ihren Zehn Geboten), Fußball die 11 (wie die Mannschaftsstärke). Eine Memo-Technik wie die Gedankenkünstler, darauf kann man eine Geschichte aufbauen. Ansonsten gilt für Thorsten Strotmann die Devise: "Gut vorbereitet, ganz locker".
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