Ulms Museumsdirektorin Gabriele Holthuis kombiniert in ihrer Debütausstellung an der Donau alte und neue Meister zum prickelnden Parcours. Start ist Freitag, 4. Mai, 19 Uhr, im Zelt auf dem Marktplatz vor dem Ulmer Museum mit Eröffnungsredner Professor Tilman Osterwold. Von Roland Mayer



Von Roland Mayer
Ulm Ihr Blick richtet sich in weite Ferne. Ihre Kleidung ist prunkvoll, die Backen frisch. In stiller Größe wirkt sie unantastbar, bescheiden und verklärt. Michel Erharts um 1475/80 aus Lindenholz gefertigte Reliquienbüste der hl. Maria Magdalena gehört zu den spätmittelalterlichen Ikonenschätzen des Ulmer Museums. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft begegnet der Besucher jetzt einer jungen Schwarzafrikanerin. Der 2001 in Paris gestorbene malische Fotografiekünstler Seydou Keita hat sie 1949 im schwarz-weißen Dokumentarporträt abgelichtet. Die geschmückten Arme und Hände ruhen wie bei Erharts Heiliger sanft aufeinander. Auch ihr Blick geht am Betrachter vorbei, schweift entrückt ins Leere. Der Silbergelanine-Abzug stammt aus Burlafingens Walther Collection.
Der epochalen „Gegenüberstellung ein Forum zu bieten“ ist Anliegen der Debüt-Präsentation von Ulms neuer Museumsdirektorin Dr. Gabriele Holthuis. Ihre Sonderausstellung „Auf Augenhöhe – Meisterwerke aus Mittelalter und Moderne“ thematisiert die Ulmer Kunst der Spätgotik und die der internationalen Moderne zum ersten Mal in einer Schau. Das gleichberechtigte Neben- und Miteinander von alter und neuer Kunst spiegelt sich auch in der Verbindung von historischer und moderner Architektur des Ausstellungsparcours wieder. Eröffnung ist Freitag, 19 Uhr. Dazu Holthuis: „Es funktioniert“.
Der größte Teil (gut 70 Prozent) der knapp hundert ausgestellten Arbeiten gehört zum Sammlungsbestand des Museums. Den Kern der Moderne bildet die darin enthaltene Sammlung Stiftung Kurt Fried. Herausragende Leihgaben von privaten Sammlern aus Ulm und Neu-Ulm komplettieren die Präsentation. Dazu gehören Werke von Siegfried und Jutta Weishaupt, Friedrich E. Rentschler, Artur Walther, Sammlung Kurt und Vera Deschler, Michael Gauger sowie Ann-Charlotte und Wolf-Peter Schwarz. Alt und Neu begegnen sich auf einer Reise durch die Zeit, halten Zwiesprache, ermöglichen Bezugssysteme durch ein halbes Jahrtausend.
Diese Themenausstellung der neuen Sichtweisen bespielt mit imposantem Augenmaß in insgesamt 14 ebenerdigen Kabinetten vom Lichthof bis zum Kiechelsaal Räume und Höfe des aus sieben Gebäuden bestehenden Museums am Marktplatz 1, das bekanntlich vor einer Generalrenovierung steht: Andy Warhols „Monroe“-Serie im Madonnenwald, der Palmesel der Multscher-Werkstatt neben Romuald Hazoumés Benin-Markt-Panorama: Figuren und Gestalten, die Assoziationen wecken.
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