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12. August 2009 18:55 Uhr

Mit einem blauen Auge davongekommen

Neu-Ulm (kü) - Der frühere Vorsitzende des in Insolvenz gegangenen Eishockeyvereins EC Ulm/Neu-Ulm (ECU), Peter Wied, ist gestern vor Gericht mit einem blauen Auge davongekommen. Er hatte sich vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Neu-Ulm wegen des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt während seiner Zeit als Vorsitzender des oben genannten Vereins zu verantworten. Peter Wied, vor Gericht von Rechtsanwalt Achim Bächle aus Stuttgart vertreten, war in allen Punkten geständig. Während Staatsanwalt Daniel Egge unter Berücksichtigung auf die vielen Vorstrafen des Angeklagten auf zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung plädierte, verlas Richter Thomas Mayer als Urteil: "Ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung".

Wied, der in den zurückliegenden Jahren bereits elf Mal stets wegen Betrugs- und Vermögensdelikten verurteilt worden war und in den 80er-Jahren bereits zwei Drittel einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten im Gefängnis abgesessen hatte, wurde zur Last gelegt, für Eishockeyspieler des damaligen ECU in insgesamt 99 Fällen keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt zu haben.

Dies habe er, so der Staatsanwalt "mit Vorsatz" getan. Dies sei daraus ersichtlich, dass der gelernte Kaufmann, der nach eigenen Angaben für ein großes deutsches Logistik-Unternehmen als Berater tätig ist, ein paar Spieler bei den Versicherungen angemeldet habe, dies aber zum Teil verspätet und mit falschen Angaben, die meisten aber überhaupt nicht, obwohl ihr Verdienst beim ECU die Geringfügigkeit weit überstieg. "Dadurch", so Daniel Egge, "sind der öffentlichen Hand über 50 000 Euro durch die Lappen gegangen." Der Staatsanwalt fügte an, es sei sehr fraglich, ob der entstandene Schaden beglichen werden könne, denn der ECU hätte ja schon vor längerer Zeit Insolvenz angemeldet und Wied habe noch einen Batzen anderer Schulden abzutragen.Verteidiger Bächle erklärte in seinem Plädoyer, Wied, der von 2004 bis 2007 kommissarischer Vorsitzender des ECU war und dann im Oktober 2007 zum ordentlichen Vorsitzenden gewählt wurde, sei "nach oben gespült" worden. "Er war plötzlich Vorsitzender und es gab eine Euphorie in dem Verein, Erfolge waren da und man war froh, dass jemand da war, der es gemacht hat".

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Dieser Umstand, die Unerfahrenheit Wieds im Sportmanagement, der Umstand, dass er in einem Bereich tätig war, der sehr anfällig ist (Mayer: "In der Sportbranche ist es doch so: je professioneller, desto krimineller".), dass der Angeklagte sich nicht persönlich bereichert und ein volles Geständnis abgelegt hat, führten nach Aussage des Richters dazu, dass Peter Wied noch einmal mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung davon gekommen ist.

Drohung mit "Seniorenknast"

"Die Bewährung hängt aber am seidenen Faden", ließ der Richter den Angeklagten wissen - mit Blick darauf, dass auf Wied noch weitere Verfahren wegen anderer Delikte aus seiner Zeit als ECU-Vorsitzender zukommen werden. Mayer meinte, Wieds Alter (60) sei vielleicht eine Bremse für weitere Straftaten. "Sonst", wandte er sich an Wied "gehen Sie in den Seniorenknast".

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