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18. April 2010 20:05 Uhr

"Mixa hat sich selbst in Teufels Küche gebracht"

Pfaffenhofen Gläubige, die beim Besuch der Abendmesse in der Kirche St. Martin zu Pfaffenhofen einen Kommentar zu Bischof Walter Mixa erwartet hatten, wurden enttäuscht. Die Frage, warum der Bischof sich zuerst vehement gegen die Vorwürfe der Gewaltanwendung verwahrte und jetzt doch zugab, die eine oder andere Ohrfeige sei schon möglich gewesen, wurde nicht thematisiert. Oder doch? Von Uta Wittke

Die Predigt von Pfarrer Herbert Loska bezog sich auf das Evangelium nach Johannes (21, 15-23). Nach seiner Auferstehung offenbart sich Jesus seinen Jüngern am See von Tiberias. Drei Mal fragt Jesus Simon Petrus "Liebst du mich?", dieser antwortet: "Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe" und beim dritten Mal traurig "Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe". Traurig ist Petrus, weil er aufgrund der drei Mal wiederholten Frage erkennt: Jesus weiß, dass Petrus ihn in der Nacht zum Karfreitag drei Mal verleugnet und damit gelogen hatte. Aber Jesus geht auf dieses Fehlverhalten gar nicht ein. Er fordert Petrus stattdessen auf: "Weide meine Schafe!" und bekräftigt damit sein Vertrauen in seinen Jünger. Jesus vergibt. Diese Vergebung wünschte sich Pfarrer Loska in seiner Predigt von allen Gläubigen. Er betonte, jeder Mensch habe schon Fehler begangen. Das beträfe jeden, den Papst, Bischöfe, ihn selbst, jeden aus der Gemeinde. Und vielleicht habe auch jeder schon einmal gelogen, um die Achtung seiner Mitmenschen nicht zu verlieren. Aber die Botschaft des Evangeliums sei Vergebung.

Die Predigt nimmt ein Thema auf, das für die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten vorgesehen ist. Ist der Bezug auf die Vorgänge um Bischof Mixa gegeben? Die Kirchgänger sind sich nicht sicher. Was die Diskussion in den Medien angeht, zeigen sich die Mitglieder der Gemeinde eher verärgert. "Ich verstehe nicht, weshalb jetzt jeder denkt, er könne mitreden. Leute, die sich nie in und für die Kirche engagiert haben, haben jetzt plötzlich eine Meinung dazu - das finde ich falsch." Ein anderer stimmt ihm zu und ergänzt: "Und dass dieses Thema jetzt angeblich zum Anlass genommen wird, um aus der Kirche auszutreten, kann ich nicht nachvollziehen."

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Die widersprüchlichen Aussagen des Bischofs beurteilen die Kirchgänger allerdings nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Vergebung: "Er hätte sich gleich dazu bekennen sollen", heißt es.

Die Ohrfeigen seien ja nicht das Problem, findet ein Kirchgänger. Solche Züchtigungen seien früher in der Schule gang und gäbe gewesen. Besonders die ältere Generation könne sich noch gut daran erinnern, dass man als Schüler öfter mal mit einer "Schell" oder sogar einem "Ranzenspanner" rechnen musste. Aber dass der Bischof offensichtlich die Unwahrheit gesagt hat - das stößt den Gemeindemitgliedern dann doch sauer auf. "Müsste er als Bischof nicht ein Vorbild sein? Mit diesem Verhalten ist er leider ein schlechtes Vorbild." Die Konsequenz? "Eigentlich müsste er zurücktreten, genau wie die protestantische Bischöfin Käßmann", urteilt dieser Kirchgänger.

Die Meinung wird von anderen katholischen Gemeindemitgliedern geteilt. "Wenn er Watschn verteilt hat und es sich nur darauf beschränkt, das finde ich an sich nicht so schlimm. Aber dass er gelogen hat, das ist falsch. Er hätte es gleich zugeben müssen." Die Parallele zu Margot Käßmann wird häufig gezogen: "Frau Käßmann muss man es hoch anrechnen, dass sie sofort zurückgetreten ist, obwohl es da sogar noch hieß, es sei gar nicht notwendig. Das ist besser, als wochenlang um den heißen Brei herumzureden", so ein Katholik.

"Ich halte viel von Bischof Mixa", betont ein weiteres Gemeindemitglied. "Aber jetzt hat er sich selbst in Teufels Küche gebracht. Wenn ich öffentlich sage, ich habe nichts getan, dann muss ich mir dessen auch sicher sein." Dass die Medien sich intensiv mit diesem Thema befassen, wundert den Kirchgänger nicht: "Bischof Mixa hat sich immer mit den Medien angelegt. Da muss er sich nicht wundern, wenn jetzt die Retourkutsche kommt." Die eigene Beziehung zur Kirche und zum Glauben ändert sich durch die Situation für diesen Katholiken aber nicht. "Ich finde, bei dem Thema können Leute, die nicht in der Kirche sind, eigentlich gar nicht mitreden. Ich jedenfalls werde deswegen bestimmt nicht austreten."

Doch der Ärger vieler Gemeindemitglieder ist groß: "Hätte der Bischof die Ohrfeigen gleich eingeräumt, wäre das Thema im Sande verlaufen", glaubt einer. "Doch dass er gelogen hat, stört mich schon. Es ist halt viel schlimmer, wenn man lügt und es dann doch rauskommt."

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