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11. April 2011 00:07 Uhr

Freundschaftskonzert

Musik für Helden, Tänzer und Pistoleros

Kapellen Thalfingen und Gerlenhofen begeistern gemeinsam – und für einen guten Zweck. Einnahmen gehen an die Kartei der Not, das Hilfswerk unserer Zeitung Von Florian L. Arnold

Thalfingen Schon 2010 wollten die Musikkapelle Gerlenhofen und der Musikverein Thalfingen ein Gemeinschaftskonzert veranstalten; es fand sich kein Termin. Nun ist das gemeinsame Musizieren als Freundschaftskonzert zugunsten der „Kartei der Not“, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, zustande gekommen. Den Zuhörern bot sich ein mitreißender Überblick in die weit gespannte Palette musikalischer Möglichkeiten einer Blaskapelle.

Die Gerlenhofer legten unter dem ruhigen Dirigat von Andreas Glatzmaier mit der epischen „Alvamar Ouverture“ des Amerikaners James Barnes einen energiegeladenen Grundstein für den Konzertabend. Nostalgisch-filmmusikalische Klänge im sinfonisch breiten Gewand gelangen der Musikkapelle Gerlenhofen auch in der „Silva Nigra“-Suite von Markus Götz, einer Vertonung des Schwarzwalds mit den faszinierenden Blicken „über Höhen und in tiefe Täler hinein“.

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Das ungemein farbige Werk, in dem immer wieder exotische Klangfarben an südliche Länder denken lassen, endet schließlich in einer breit aufgestellten Fanfare, in der die Musiker den Titel „Silva Nigra“ schließlich auch noch als beschwörenden Chorgesang anstimmten. Mit dem effektreichen „Into the raging River“ von Steven Reineke raste das Orchester klangmalerisch auf den wilden Wogen eines Flusses in West Virginia, bevor mit der musikalischen Beschreibung der mittelalterlichen Burg „Askania“ und ihres höfischen Lebens holde Burgfräulein, wilde Ritter und Säbelrasseln von Klaus Bruchmann in Musik verewigt wurden; die Sprünge zwischen temporeichen „Verfolgungsjagden“ und sanften, von der Querflöte kolorierten Episoden dieser illustrativen Musik packten die Musiker aus Gerlenhofen mit ebenso großer Präzision wie Musikalität. Zwei Schaustücke setzte Dirigent Glatzmaier ans Ende „seines“ Programmblocks: Die ungemein witzige „Serenade“ von Derek Bourgois, deren originelle Melodie selbst die Musiker schmunzeln ließ – und John Philip Sousas „Semper Fidelis“, schlichtweg „der“ Urtyp eines schmissigen, kräftigen Marsches.

Eine große Palette an musikalischen Ausdrucksmitteln von klassischem Walzer über Polka bis hin zu modernen Kompositionen im Arrangement für Blechbläser ließ auch der Musikverein Thalfingen unter seinem Dirigenten Claus Böllinger erklingen. Gut geölte „Jubelklänge“ des Komponisten Ernst Uebel standen ebenso für traditionelles Repertoire wie die „Musikantenliebe“ des Tschechen Karel Vacek – eine quietschfidele Tanzbodenmusik, mit der hörbar auch die jungen Musiker, fast durchweg „U30“ (unter 30), etwas anzufangen wissen. Freilich ließen sich auch die Thalfinger nicht lumpen, einige der schönsten und beliebtesten Musiken der Gegenwart zu intonieren. Der produktive niederländische Komponist und Arrangeur Peter Kleine Schaars arrangierte die bekanntesten Melodien der Beatles – unter anderem „Obladi Oblada“ und „Let it be“ – zu einer gewitzten Suite „Brillant Beatles“ die den Thalfingern mit der richtigen Portion sentimental-nostalgischem Schmelz vorzüglich gelang.

Trompeten „singen“ einen Klassiker von Louis Armstrong

Im Louis-Armstrong-Klassiker „Wonderful World“, 1968 geschrieben, übernahmen die Trompeten den Part des Sängers und brachten im Arrangement von Heinz Briegel romantische Herzen zum Klopfen. Filmmusikfreunde wurden mit einer Suite aus Ennio Morricones Arbeiten zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Zwei glorreiche Halunken“ sowie der häufig gespielten Motivauswahl aus „Pirates of the Caribbean“ beglückt.

Der gelungene Konzertabend zeigte alle Facetten, die eine Blaskapelle heute in sich vereint: Von klassischem Walzer und Tanzmusik über Swing- und Big-Band-Sounds bis hin zu zeitgenössischen Originalkompositionen. Das Gros dieser Musiken ist höchst komplex. Um so bemerkenswerter, wie perfekt und dabei auch spielfreudig die jungen Musiker beider Kapellen diese Herausforderungen souverän meisterten und in einer letzten großorchestralen Komposition „In Harmonie vereint“ noch einmal alle Register ausspielten. Die „Bravo“-Rufe waren mehr als verdient.

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