Initiator einer übers Internet angekündigten Feier hat mächtig Ärger. Polizei hatte Kosten von 60000 Euro Von Oliver Helmstädter

Ulm So hatte sich das Deniz G. sicher nicht vorgestellt: dicke Rechnung statt Feier-Exzess. Seine im sozialen Netzwerk Facebook angepriesene „Project X“-Party kommt den 22-Jährigen teuer zu stehen. Wie Stadtverwaltung und Polizei auf Nachfrage erklärten, werde derzeit an einer Aufstellung der entstandenen Kosten gearbeitet. Die gehen wohl in die Zigtausende.
Allein der gewählte Titel der Veranstaltung, zu der per Internet fast 4000 Menschen ihre geplante Teilnahme bestätigten, ließ die Ordnungskräfte nämlich Böses ahnen. „Project X“ ist der Titel eines Films über eine völlig ausufernde Party, die in Suff und Chaos endet, und längst ein Synonym für derartige Ausschweifungen. Deniz G. hatte für seine Party auf den Donauwiesen ausgerechnet den Samstag, 7. Juli, gewählt, den Beginn des Donaufests. Und gab sich in seinen öffentlichen Ankündigungen selbstbewusst bis naiv. Zitat: „Ich bin der Veranstalter, bin fast 23, etwas krank im Kopf und stinkreich.“ Und weiter in eigentümlichem Deutsch: „Jeder, wo sagt, das wird verboten von der Polizei, von der Stadt, das treibt uns doch weiter an.“ Was für eine Fehleinschätzung. Nun kommt die Quittung.
Wie Polizeisprecher Wolfgang Jürgens betonte, musste nach den Tausenden Zusagen mit dem Schlimmsten gerechnet werden, sodass die Polizei Sonderkräfte abstellte. „Wir werden ihm die Kosten in Rechnung stellen. Es kann ja nicht sein, dass der Steuerzahler für so etwas aufkommt.“ Eine erste Auflistung habe – hauptsächlich durch den Einsatz von zusätzlichem Personal – bereits 60000 Euro erreicht, wobei dabei noch nicht klar ist, wie viel Deniz G. davon löhnen muss. „Wir mussten mit einer Störung der öffentlichen Sicherheit durchaus rechnen“, sagt Jürgens. Dass von den angekündigten Tausenden Gästen kaum einer auftauchte, sei unerheblich. Es hätte auch anders kommen können, die Polizei habe auf einen Ansturm vorbereitet sein müssen. In Hamburg hatte etwa vergangenes Jahr ein Mädchen zu seiner 16. Geburtstagsfeier über Facebook geladen. Obwohl Ausrichter und Polizei die Party wieder absagten – wie im Fall Deniz G. – kamen 1600 Menschen. Das Ende der Geschichte: Ausschreitungen und elf Menschen wurden festgenommen.
„Was für eine Genehmigung? Haha“
Diese Mutter aller Facebook-Partys fand inzwischen auch in Süddeutschland zahlreiche Nachahmer. Wie Jürgens betont, befinde sich die Polizei Ulm etwa in Kontakt mit den Ordnungshütern aus Konstanz. Die Stadt am Bodensee hatte die Facebook-Party im Strandbad Anfang Juli verboten, nachdem über das soziale Netzwerk 12000 Einladungen verschickt worden waren und sich bereits 2500 Menschen angemeldet hatten. Die baden-württembergische Polizei arbeite an einem „einheitlichen Vorgehen“. Auch die Ulmer Stadtverwaltung wird Deniz G. eine Rechnung präsentieren.
Gerade seien Mitarbeiter dabei, die Kosten zusammenzustellen, heißt es aus der Abteilung Sicherheit, Ordnung und Gewerbe. So seien etwa extra Sicherheitskräfte engagiert worden. „Was für ne Genehmigung? Haha“, postet Deniz G. im Internet. Das Lachen ist ihm jetzt wohl vergangenen. Eine „Project X“-Party vergangenen Freitag im Ulmer Su Casa verlief laut Polizei im Übrigen ohne Zwischenfälle. Die Betreiber der Disco schöpften auf Deniz’ Facebook-Seite offensichtlich erfolgreich das feierwütige Potenzial ab. Denn dort war die Party nach der Absage der unangemeldeten Feier vom 7. Juli als Nachfolger angekündigt worden.
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