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28. Dezember 2011 23:00 Uhr

Stadttheater

Neue Stimme für alte Romantiker

Konzert mit Esther Kretzinger ein musikalischer Hochgenuss Von Florian L. Arnold

Weißenhorn Esther Kretzingers erste CD „Lieder im Volkston“ ist dieser Tage erschienen, und man darf nach dem Genuss des Konzerts im Weißenhorner Stadttheater durchaus offen Werbung für diese CD respektive die Stimme von Esther Kretzinger machen. Es gibt mehrere Parallelen zu Diana Damrau: 1983 in Siebenbürgen geboren, ist Kretzinger ebenfalls in Günzburg aufgewachsen und auf dem Wege in die erste Reihe der Sängergarde.

Fein dosierter Ton mit wohldosierter Unaufgeregtheit

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Ihre Kunst ist die des feinen Tons, der wohldosierten Unaufgeregtheit, die durch Tiefe in Ausdruck und Emotion geadelt ist. So ist auch das Repertoire, das die Sängerin pflegt und auch in Weißenhorn zu Gehör brachte, zwar mit der einen oder anderen aus seelischen Stromschnellen gefischten Melodie bestückt, jedoch durchweg voller hell funkelnder Preziosen. Kretzingers seidenweicher Sopran geht ganz wunderbar ins Ohr. Das Lob, das der Sängerin gerne zuteilwird, ist nicht übertrieben. Begleitet von Andrej Hovin am Klavier bot einleitend Giordanis Arie „Caro mio ben“ der strahlenden, klaren Stimme der 28-jährigen Sopranistin die Möglichkeit, ihre wohlformulierte Klangkunst vorzustellen. Verzichtend auf effekthascherische Momente, dafür ganz im Wohlklang des romantischen Repertoires geborgen, den Schmelz und das Zierwerk (spät-)romantischer Liedkunst lustvoll auskostend, zauberte Kretzinger aus Julius Weismanns Liedern op. 54 („Abendsegen“, „Gutenachtliedchen“) schillernde Weisen, die heiter und melancholisch zugleich erscheinen. So wie hier wirkte auch die Arie „Oh! Quante volte!“ (Vincenzo Bellini) vorzüglich ausbalanciert mit der Violine von Georges-Emmanuel Schneider. Der 1980 in Zürich geborene Geigenvirtuose erfreute das Publikum auch mit bekannten und beliebten Melodien von Peter Tschaikowsky, Enrico Toselli und Gustave Fauré. Sanft und schmeichlerisch Gabriel Faurés „Romanze“ (op. 28), harmonisch-rund die „Melodie“ aus Peter Tschaikowskys „Souvenirs d’un lieu cher“.

Süffige Eleganz, die im Ohr bleibt

Direkt ins Herz stieß Schneider mit singendem Bogen und viel Mut zu sentimentalem Schmelz stieß Jule Massenets „Mediation“ aus der Oper „Thaïs“ vor; Schneiders Spiel bleibt durch süffige Eleganz lange im Ohr. Enrico Toselli, feierte seinen größten Erfolg 1900 mit seiner „Serenata op. 6“, die unter dem Namen „Toselli-Serenade“ berühmt wurde. Danach konnte Enrico Toselli keine Erfolge mehr feiern und geriet in Vergessenheit. Sein Stück, zumal wenn es mit solcher Lust an der Melodie interpretiert wird, lebt fort.

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