Laien sind alarmiert über Pläne von Bischof Zdarsa. Die Pfarrer beruhigen
Neu-Ulm Die Kirche ist im Umbruch. Das erleben katholische Gläubige derzeit so stark wie wohl nie zuvor. Immer weniger Menschen strömen in die Gotteshäuser, gleichzeitig muss jeder Pfarrer immer mehr Schäfchen betreuen. Mit einer groß angelegten Reform will Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa diesen Herausforderungen begegnen – und doch trifft diese bei den Laien auf Skepsis, auch in der Region. „Die Bedenken, die von uns vorgebracht werden, werden nicht genügend beachtet“, sagt etwa Marianne Bareiß, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Thalfingen.
Bis 2025 sollen fusionierte Pfarreien die zuletzt zahlreich geschaffenen Pfarreiengemeinschaften ersetzen, Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäte sollen dann zusammengelegt werden. Wegfallen sollen aber – zumindest am Sonntag – die Wortgottesdienste, die derzeit vor allem auf dem Land die durch den Priestermangel entstandenen Lücken schließen. Die Eucharistiefeier soll wieder ins Zentrum rücken, was aber vor allem für kleinere Pfarrorte bedeuten wird, dass dort nicht mehr jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werden kann.
Für die Thalfingerin Bareiß ein untragbarer Verlust. „Für das kirchliche Leben in einer Gemeinde spielt der Gottesdienst am Sonntag eine zentrale Rolle“, sagt die engagierte Katholikin. Vor allem an Festtagen gehe ohne Messe vor Ort „ein Stück Kultur verloren“ – eine zentrale Feier könne das nicht ersetzen. Thalfingen sei zwar, als Teil der Pfarreiengemeinschaft Elchingen, die durch die Bedeutung der Oberelchinger Basilika als Wallfahrtskirche sogar mit zwei Priestern ausgerüstet sei, in einer gesicherten Lage – doch das könne sich ändern. In ihrer Gemeinde sei weiter genug Interesse am Glauben da, die Probleme würden woanders verursacht – im Rom. „Es gibt einfach zu wenig Unterstützung für die Pfarrgemeinden“, klagt Bareiß. Stattdessen werde an überkommenen Strukturen festgehalten. Mit mehr Offenheit für Frauen und Laien und ohne den Zölibat wären die Probleme weit geringer.
Reinfried Rimmel, erst seit ein paar Monaten Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Pfaffenhofen, ist sich bewusst, dass es „langfristig sicher Einschnitte geben wird“. Doch erst am Dienstag habe ihn das Informationsschreiben des Bischofs erreicht, das er nun erst einmal mit den Pfarrgemeinderäten „intern besprechen“ will. Dass derzeit so viele Gläubige ihrem Unmut über die Reform Luft verschaffen, wertet Rimmel als positives Zeichen. „Das zeigt doch, dass den Menschen die Kirche vor Ort nicht egal ist.“
„Man macht sich natürlich seine Gedanken“, sagt Bettina Stetter, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Biberach. „Auch wenn wir in der glücklichen Lage sind, dass wir das Kloster Roggenburg in der Nähe haben.“ Die Pfarrgemeinde Biberach wird von den Prämonstratenser-Patres betreut. Besorgt ist Stetter über die Abkehr von einzelnen Pfarrgemeinderäten hin zu zentralen Pastoralräten. „Wir haben den Bezug zu den Leuten“, gibt sie zu bedenken. Das eigentliche Problem löse die Reform nicht: „Die Kirche sollte sich überlegen, wie man wieder mehr Priester gewinnt.“
Nersingens Pfarrer schätzt die Vielfalt der Pfarrgemeinden
Nersingens Pfarrer Leonhard Bühler war als Prodekan bei der jüngsten Dekanekonferenz dabei – und spricht davon, dass die vielen Reaktionen auf das dort Verkündete „übertrieben“ seien. „Fusionen von Pfarreien wird es nur dann geben, wenn die Betroffenen es selbst wollen“, sagt Bühler, der auch Straß und Oberfahlheim mitbetreut – und die Vielfalt von Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen zu schätzen weiß. „Jede Pfarrei hat eine andere Tradition, jede Pfarrei ist anders geprägt.“ (mgo)
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