Mittwoch, 24. August 2016

08. November 2015 17:00 Uhr

Ulm

„Pinocchio“ soll auch Erwachsenen gefallen

Martin Borowski schrieb den Text für das diesjährige Weihnachtsmärchen am Theater Ulm. Warum er sich für "Pinocchio"  sogar alte Italo-Western angeschaut hat. Von Dagmar Hub

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Mehrere Seelen kämpfen derzeit in Martin Borowskis Brust. Der 36-jährige Theaterwissenschaftler, geboren in Danzig und aufgewachsen in Hamburg, ist seit dieser Spielzeit sowohl Theaterpädagoge als auch Schauspieldramaturg am Theater Ulm. Zudem schrieb er für das diesjährige Weihnachtsmärchen „Pinocchio“, das er inszeniert, als Autor Texte – eine Dreifachfunktion, in der momentan immer wieder der Theaterpädagoge und der Dramaturg gegeneinander antreten. „Vater bin ich selbst noch nicht“, sagt Borowski. „Aber ich glaube, dass ich ein ganz gutes Gespür für Kinder habe.“ Deshalb könne er nur intuitiv handeln. „Und mich auf meine Schauspieler verlassen, die selbst Väter sind und die nur ganz selten mit einer Kritik kommen.“

Christian Streit in der Titelrolle des Pinocchio und Wilhelm Schlotterer als Pinocchios „Vater“ und Schöpfer Gepetto sind gemeint, die ab 12. November die Hauptfiguren im Weihnachtsmärchen sein werden. Der Dramaturg in Martin Borowski liebt Animationsfilme wie „Ice Age“ oder „Shrek“. „Als Kind habe ich auch wahnsinnig gern Comics gelesen“, verrät er. Da sind schnelle Szenenwechsel und bunte Bilder angesagt. „Der Theaterpädagoge in mir fragt dagegen beim Kinder-Weihnachtsmärchen: Ist diese Szene für Fünfjährige geeignet?“, sagt Borowski. „Denn ,Pinocchio’ ist eine Moral-Geschichte. Und Anarchie will der Theaterpädagoge in mir nicht im Märchen zeigen.“

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So schrieb Borowski Kater und Fuchs, den beiden zwielichtigen Gesellen, eine deutlich größere Rolle zu als im Buch Carlo Collodis. „Die beiden Gauner, die noch nie eine Schule von innen gesehen haben, versuchen, Pinocchio zu Dingen zu verführen, die nicht gut für ihn sind. Sie wollen ihn dazu bringen, die Schule zu schwänzen und sein Geld auszugeben.“ Dass sie ihn gerade dazu animieren, sein Taschengeld für eine Theaterkarte auszugeben, ist ein Gag, der wahrscheinlich eher Erwachsene amüsieren wird.

Pinocchio ist für Borowski zwar nicht „Jedermann“, aber „Jedeskind“: „Pinocchio kommt ganz unschuldig zur Welt und muss lernen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Er muss lernen, was gut für ihn ist und was nachteilig. Er wird Opfer von Bösewichten und schadet selbst auch anderen, ohne es wirklich zu wollen, zum Beispiel, indem er seine Zusagen nicht einhält und Gepetto ins Gefängnis bringt.“

Gerade weil er Pinocchio für die jungen Zuschauer in eine ganz reale Welt versetzt, zwischen deren realen Gegenpolen von Gut und Böse sich die Figur orientieren muss, hat Borowski Collodis Erzählung für seine Inszenierung von Märchenfiguren befreit. Er verzichtet beispielsweise auf die Fee. Dagegen wird das Weihnachtsmärchen – passend zu Carlo Collodis Erzählung – diesmal italienisches Flair bekommen. „Dafür hab ich mir Italo-Western à la Bud Spencer angesehen“, berichtet Borowski. Der Humor der italienischen Sichtweise auf den Wild-West-Mythos bedient im Weihnachtsstück die Erwachsenen. „Denn die Eltern und Großeltern, die mit den Kindern kommen, sollen auch ihr Vergnügen haben“, findet der Theaterpädagoge.

Als Bauer, Fischer und Theater-Junge wird beim Weihnachtsmärchen Daniel Klarer zu sehen sein, der erstmals auf der Bühne des Großen Hauses steht. Dass der talentierte junge Mann mit den Profis des Schauspiel-Ensembles agieren darf, hat auch mit dem theaterpädagogischen Engagement Borowskis zu tun, denn Klarer fiel zuletzt als begabter Schauspieler des Jugendklubs des Theaters auf – in „Die Räuber“ beispielsweise oder in „Melencolia“. „Das ist ein großer Schritt für ihn“, sagt Borowski. „Aber wir möchten gerade auch begabten jungen Leuten aus dem Jugendklub eine Chance geben.“

Den Jugendklub und andere theaterpädagogische Projekte gab Borowski angesichts seiner Mehrfachbelastung derzeit in andere Hände. Er selbst koordiniert hier momentan nur. Florian Stern kümmert sich um den Schauspiel-Jugendklub. Die Jugendlichen des Musiktheaters werden nach wie vor von Benjamin Künzel betreut, und die neue Kooperation mit dem Teatro International der Vh Ulm begleiten theaterseits Dan Glazer, vh-seitig Claudia Schoeppl. „Und für das Ende der laufenden Spielzeit organisiere ich derzeit die Chaos-Tage“, erzählt Martin Borowski. Dieses Projekt wird eine andere Form von Schultheatertagen werden, bei dem 99 Jugendliche in Workshops spartenübergreifend jene Bereiche auswählen können, die sie interessieren – vom Malersaal bis zur Bühne.

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Martin | Theater Ulm | Ulm | Danzig | Hamburg

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