Neu-Ulm Kampf der illegalen Prostitution, einheitliche Schlusszeiten bei Vereinsfesten, die nach wie vor aktive Islamistenszene in der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm und eine personelle Aufstockung der überlasteten Polizeiinspektion Neu-Ulm – das waren die zentralen Themen der jüngsten Sicherheitskonferenz im Neu-Ulmer Landratsamt. Hier die Themen:
Prostitution: Die Polizeiführung kündigte dabei an, dass in den nächsten Wochen und Monaten der Kontrolldruck im Rotlichtmilieu deutlich erhöht werde. In den vergangenen drei Jahren habe sich die Zahl der Liebesdienerinnen in der Stadt deutlich erhöht. Viele von ihnen halten sich illegal in der Stadt auf und für die Fahnder liegt der Verdacht nahe, dass ein Großteil der hauptsächlich aus Rumänien und Bulgarien stammenden Gunstgewerblerinnen zum Sex mit Freiern gezwungen wird. Ziel der bevorstehenden Polizeiaktionen ist es offenbar, einen Überblick über die Bordellszene in Neu-Ulm zu verschaffen und bei etwaigen Verstößen hart durchzugreifen. Bislang gibt es nur Schätzungen darüber, wie viel Frauen im horizontalen Gewerbe arbeiten. In den vergangenen Jahren sind die Bordelle im Neu-Ulmer Industriegebiet wie Pilze aus dem Boden geschossen. Zurzeit gibt es fünf Freudenhäuser, die der Polizei bekannt sind. Auch in Ulm gibt es eine Reihe von Etablissements. Die Polizei kann sich diesen Anstieg nur so erklären: „Offenbar ist die Nachfrage drastisch gestiegen“, sagte ein Ermittler.
Islamismus Der Großraum Ulm/Neu-Ulm ist nach Einschätzung von Kriminaloberrat Armin Mayer nach wie vor ein Brennpunkt von Aktivitäten der Religionsfanatiker. Der Chef der Kriminalpolizeiinspekti-on für Zentralaufgaben (KPI-Z) sprach bei der Sicherheitskonferenz von einer „Hochburg“. Das Führungspersonal, das vormals im Multikulturhaus in Neu-Ulm seine Anhänger um sich scharte, sei zwar abgetaucht, nachdem die Behörden das islamistische Zentrum geschlossen haben. Dafür gebe es allerdings zahlreiche junge Muslime im Raum Ulm/Neu-Ulm, die sich über das Internet auf einschlägigen Seiten informierten, mit Gesinnungsbrüdern über E-Mails, Chats oder Social Media (zum Beispiel Facebook) kommunizierten und sich so radikalisierten.
Vereinsfeste: Weil es immer wieder zu Schlägereien und anderen unangenehmen Begleiterscheinungen kommt, streben Polizei und Landratsamt einheitliche Sperrzeiten für derartige Feten an. Dazu müssen allerdings die Bürgermeister mitspielen, was sie in der Vergangenheit nach den Worten von Landrat Erich-Josef Geßner wohl nicht immer getan haben. Es sei schwierig, die Bürgermeister in dieser Frage unter einen Hut zu bringen, klagte Geßner.
Der Weißenhorner Polizeichef Gerhard Klingler schlug vor, die Sperrzeit um 2 Uhr beginnen zu lassen. Landrat Erich Josef Geßner stimmte zu. Schon seit Längerem sei es Ziel des Landratsamtes, eine allgemeine Schlusszeit für öffentliche Feten und Partys einzuführen. Begründung: Je länger die Feste dauern, desto mehr Körperverletzungsdelikte, andere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten würden dabei begangen. Bei unterschiedlichen Schlusszeiten von Festen, die am gleichen Tag stattfinden, gebe es immer wieder Besucher, die von einem Fest zum anderen fahren. Vielfach seien die Autofahrer dabei betrunken und gefährdeten so sich, ihre Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer.
Bei Barbetrieb gibt es immer wieder Ärger
Hauptproblem bei den (Freiluft-)Feten und (Open-Air-)Partys sind aus Sicht der Polizei der Barbetrieb. Der Sendener Polizeichef Günter Gillich brachte es auf den Punkt: „Wenn es keine Bar gibt, dann gibt es weniger Ärger.“ Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg berichtete von seinen Gesprächen mit Vereinsvertretern. Diese sagten ihm immer: „Seitdem wir so viele Ordner stellen müssen, brauchen wir eine zusätzliche Einnahmequelle.“ „Und die Bar ist der Hauptgewinnbringer“, beschrieb Michael Keck, der Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm, die Krux.