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11. März 2010 06:37 Uhr

"Problemfall Daumann" führt zu Palastrevolution bei der Feuerwehr

Neu-Ulm Die jetzt wieder diskutierte und sündhaft teure Aufstockung der hauptamtlichen Feuerwehrtruppe in Neu-Ulm ist in den Augen vieler ehrenamtlicher Feuerwehrleute überhaupt nicht notwendig, wenn sich Kommandant Rainer Daumann eines anderen Führungsstiles und eines anderen Tones in der Jugendarbeit befleißigen würde. Gegen ihn ist jetzt eine Palastrevolution im Gange, die er nach Einschätzung eines Aktiven selbst entfacht und damit selbst zuzuschreiben hat. Daumanns "skandalöser Führungsstil" sei es, der seit eineinhalb Jahren reihenweise zu Eklats führe. "Die Neu-Ulmer Feuerwehr befindet sich in einer Schieflage" heißt es in einer E-Mail eines Feuerwehrmannes, die der Neu-Ulmer Zeitung zugegangen ist. Die Zustandsbeschreibung macht klar: "Es ist Feuer unterm Dach der Hauptwache". Daumann sieht das anders.

Oberbürgermeister Gerold Noerenberg weiß von dem sich abzeichnenden Zoff in der Hauptwache offenbar noch nichts, weil er nur "gefilterte Informationen" bekomme. Das soll sich nun umgehend ändern. Es gibt bereits Gespräche zwischen einem Großteil der unzufriedenen ehrenamtlichen Feuerwehrmänner. Dazu gesellen sich nach vorliegenden Informationen auch immer mehr aus der 26-köpfigen Truppe der Berufsfeuerwehrleute, die sich bislang nicht aufmucken trauten, weil sie den Druck Ihres Chefs Rainer Daumann fürchten mussten. Möglicherweise entlädt sich der Frust aber schon bei der für den morgigen Freitag in der Ludwigsfelder Gemeinschaftshalle anberaumten Feuerwehrdienstversammlung. Es sei überhaupt nicht verwunderlich, dass so gut wie keine jungen Männer oder Frauen mehr zur Feuerwehr kommen und teure Imagekampagnen im Sande verlaufen. Dazu bedürfe es keiner weiteren Konzepte, man müsse lediglich präzise Ursachenforschung betreiben, sagte gestern ein Feuerwehrmann, der nicht mehr länger stillhalten will.

Es kriselt und menschelt wohl an allen Ecken und Enden. So werde dem potenziellen Feuerwehrnachwuchs die Lust am Dienst an der Allgemeinheit sehr schnell genommen. Schon bei der ersten Truppmannausbildung würden die Jugendlichen massivst angegangen in einer "nicht tragbaren Art, für die das Wort vom Kasernenhofton noch die mildeste Umschreibung ist", berichtet der Insider weiter. Weil dies kein Einzelfall ist, seien Jugendliche reihenweise wieder abgesprungen. "Wenn man nur abgekanzelt wird und keine Erklärung bekommt, was man womöglich falsch gemacht hat, dann motiviert dies nicht sonderlich", berichtet der Wehrmann weiter. Nicht die Neu-Ulmer Feuerwehr sei ein Problemfall, sondern "der Herr Daumann" berichtet der Insider, der seit Langem bei der Wehr ist und schon mehrere Kommandanten erlebt hat, weiter. Daumann nämlich sei es, der eine "Kommunikationsbarriere aufgebaut hat, die das Engagement der ehrenamtlichen Kräfte systematisch zerstört und auch die hauptamtliche Truppe frustriert.

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Immer wieder hätten die Berufs-Feuerwehrleute die Ehrenamtlichen aufgefordert, den Neu-Ulmer Oberbürgermeister über den "Problemfall Daumann" zu informieren: "Der gesamte Löschzug will dieses Gespräch" heißt es. Daniel Nägele und Rene Foigt seien beauftragt, bei der Stadtspitze die ganze Wahrheit über die Ursache der Neu-Ulmer Feuerwehrproblematik offenzulegen.

Ziel sei es nicht, Daumann abzusägen, sondern endlich die Strukturen, die Motivation und die Kommunikation zu verbessern. In seiner relativ kurzen Dienstzeit in Neu-Ulm sei es Feuerwehrchef Daumann gründlich gelungen, das "Engagement der Feuerwehr an die Wand zu fahren", berichtet der Insider, der noch nicht namentlich genannt werden will, weiter. Die Vielzahl von Vorschlägen und Überlegungen, wie das marode Feuerwehrwesen in der Stadt wieder aufgepäppelt werden könnte, ohne dass dies gleich wieder Hunderttausende von Euro koste, habe er schlichtweg ignoriert, weshalb nun für teures Geld ein externes Sachverständigen-Büro damit beauftragt werden musste, eine Konzeption vorzulegen. Das aber wäre nach Einschätzung von Insidern so nicht notwendig gewesen. Er fasst zusammen, was sich die Mehrzahl in der Feuerwehrtruppe wünscht: "Wir wollen wie Menschen behandelt werden".

Daumann selbst sagte gestern gegenüber der NUZ, er sehe die Vorgänge im Hintergrund "sportlich". Er forderte jene auf, "die meinen Kritik üben zu müssen, dies offen zu tun". Er sei zum Dialog bereit. Offenbar sei es aber für einzelne schwierig, wenn sie erkennen müssten, dass in der Neu-Ulmer Feuerwehr seit seinem Amtsantritt ein "ganz frischer Wind wehe", sagte Daumann weiter. Der Feuerwehrchef weiter: "Man kann es eben nicht jedem recht machen". Es gebe innerhalb der Neu-Ulmer Feuerwehr "noch ein paar Altlasten, die aufgearbeitet werden müssten". Wer Kritik übe, könne dies bei der Dienstversammlung am Freitag tun.

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