Montag, 28. Juli 2014

31. März 2014 10:31 Uhr

Neu-Ulm

Prügelei bei Hobbykick: Rote Karte vom Gericht

Fünf Männer standen in Neu-Ulm vor Gericht, weil sie nach einem Hobby-Fußballturnier einen heute 21-Jährigen zusammenschlugen.

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Rote Karte für Schläger: Fünf Männer standen in Neu-Ulm vor Gericht, weil sie nach einem Hobby-Fußballturnier einen heute 21-Jährigen zusammenschlugen. Foto: Rolf Vennenbernd dpa

Sport treiben sie alle – Fairness ist aber wohl nicht so ihr Ding. Weil sie nach dem Hobby-Fußballturnier des SV Nersingen im Juni 2011 einen heute 21-Jährigen zusammenschlugen, hat das Neu-Ulmer Jugendschöffengericht fünf jungen Männern eine Rote und vier Gelbe Karten gezeigt: Ein 19-Jähriger, der den Angriff initiiert hat, wurde zu 20 Monaten Jugendhaft aus Bewährung verurteilt, drei seiner 18 und 19 Jahre alten Mittäter wegen gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe – zwei müssen Sozialstunden ableisten, einer eine Geldbuße von 800 Euro an die Lebenshilfe zahlen.

Haupttäter und Opfer sind einander durch „Feindseligkeit“ verbunden, stellte Vorsitzender Richter Bernhard Lang fest. Zum wiederholten Mal offen ausgebrochen ist diese Feindseligkeit in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 2011. Beim Sportplatz fanden damals gewissermaßen zwei Feten statt: Das offizielle Gelage nach dem Turnier und – auf dem nahegelegen Spielplatz – eine eher private Feier, auf der das spätere Opfer und sein Kumpel aus Pfuhl sich an Bier und Wodka gütlich taten.

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Zum Auftakt Faustschlag ins Gesicht

Mehr oder weniger zufällig entdeckte der Haupttäter seinen Intimfeind und pöbelte ihn an, ob er heute auch sein Pfefferspray dabei habe. Der Gerufene – vermutlich auch nicht groß an Deeskalation interessiert – marschierte schnurstracks auf den Rufer zu, der ihm zur Begrüßung einen Faustschlag ins Gesicht verpasste und anschließend mit seinem Mobiltelefon in der Hand das Weite suchte. Weniger der Schlag als das gezückte Handy machte dem Opfer Sorgen, denn der 21-Jährige war sich sicher, dass der Schläger „wie immer“ seine Freunde zusammentrommeln werde. Angesichts dieser Befürchtung schien Rückzug das einzig Richtige zu sein. Das Opfer und sein Bekannter machten sich schleunigst zu Fuß auf den Weg in Richtung Heimat Straß.

Kurz vor dem Ortseingang wartete allerdings schon eine Meute aus zehn Personen, die in drei Autos zu einem „Rachefeldzug“ (Richter Lang) angereist waren. Als der Haupttäter das Fußgängerduo erblickte, ging alles sehr schnell. Der Rädelsführer rannte los, holte sein fliehendes Opfer ein und schlug es zu Boden. Zwei weitere Angeklagte folgten und traten mit Füßen auf Kopf und Körper des in einem Getreidefeld liegenden 21-Jährigen ein. Beredtes Zeugnis dieser Taten gab der Abdruck eines Sohlenprofils auf der Stirn des Zusammengeschlagenen.

Mit der Krücke auf Opfer eingeschlagen

Ein Dritter, der wegen eines beim Turnier erlittenen Bänderrisses gehandicapt war und erst später eintraf, leistete ebenfalls einen Tatbeitrag, indem er mit seiner Krücke auf das Opfer eindrosch – und das alles unter den Augen weiterer Kumpane, die ebenfalls mit nach Straß gekommen waren. Die Krücken wurden anschließend in der Donau entsorgt – eine war ohnehin zu Bruch gegangen, als auf den Freund des Opfers eingeschlagen worden war. Dass die Gewaltorgie nicht noch weiter eskalierte, ist dem Cousin des Hauptangeklagten zu verdanken, der seinen Vetter wegzog. Der Geschlagene trug zu seiner eigenen Überraschung keine allzu ernsten Blessuren davon.

Gegenüber dem Gericht beteuerte der Hauptangeklagte, er habe den 21 Jahre alten Mann nur „zur Rede“ stellen wollen, da dieser ihn angeblich zuvor auf dem Spielplatz mit einem Maßkrug auf den Kopf geschlagen habe. Richter Lang nahm weder ihm noch anderen Beschuldigten diese Besonnenheit ab. Vielmehr schenkte das Gericht dem Einzigen Glauben, der sagte, auf der Fahrt von Nersingen nach Straß sei klar gewesen, dass dem 21-Jährigen eine Abreibung verpasst werden sollte. Aufgrund dessen wurde der 19-Jährige, der den Haupttäter nach Straß gefahren hatte, wegen Beihilfe zur Körperverletzung verurteilt, die mit 40 Sozialstunden geahndet wurde. Der 19-jährige Rädelsführer, der schon mehrfach nach Festen in Nersingen die Fäuste sprechen ließ, wurde vom Gericht nachdrücklich gewarnt, dass er sozusagen mit einem Fuß im Gefängnis stehe – vor allem, wenn er nicht 1500 Euro an den Kinderschutzbund Lebenshilfe überweist oder das angeordnete Anti-Aggressionstraining nicht ernst nimmt.

Zeugin erhält vor Verhandlung Morddrohung

Möglicherweise hat der Vorfall ein Nachspiel: Ein Mädchen, das als Zeugin geladen war, aber nicht mehr auszusagen brauchte, teilte dem Gericht mit, dass es eine Woche vor dem Prozess eine „Morddrohung“ erhalten habe. (kr)

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