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11. Februar 2008 20:00 Uhr

Rakete kracht in Kinderwagen

In Senden kam es beim traditionellen Funkenfeuer zu einem tragischen Vorfall: Ein Knallkörper traf ein Baby. Von Andrea Stölzle,

Zu einem tragischen Zwischenfall kam es am Sonntagabend in Senden. Beim traditionellen Funkenfeuer des Trachtenvereins löste sich eine Rakete aus dem Hexenstapel und krachte in einen Kinderwagen. Dort explodierte die Leuchtkugel und verletzte ein einjähriges Mädchen im Gesicht. Das Kind kam laut Angaben des Veranstalters zum Glück mit nur leichten Brandwunden im Gesicht davon.

Der Schock sitzt tief bei den "Unterillertalern", die das Funkenfeuer an der Hittistetter Straße nun schon seit 1985 veranstalten. Vorsitzender Walter Wörtz, selbst Familienvater, ist untröstlich. Noch nie war es beim traditionellen "Funken" zu einem Unfall mit Personenschaden gekommen. Dabei sei sich der Verein aber keiner Schuld bewusst, "dass es so kommt, war nicht vorhersehbar", so Wörtz im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Sofort nach dem Zwischenfall habe er sich um die Familie gekümmert, den Rettungswagen alarmiert. Ein Oberarzt aus Weißenhorn, der privat unter den rund 500 Gästen des Feuers war, habe sofort eingegriffen und die Erstversorgung des verletzten Kindes übernommen. Danach wurde das Baby nach Ulm in die Klinik gefahren, von wo aus es aber schon am selben Abend wieder mit nach Hause konnte, sagt Walter Wörtz.

Der ist nach wie vor eng im Kontakt mit den Eltern der Kleinen aus Senden, erkundigt sich permanent nach dem Gesundheitszustand des Kindes. Die Verletzungen scheinen dennoch halbwegs glimpflich zu sein, auch die Augen des Mädchens seien durch die Brandwunde an der Augenbraue nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Das habe eine sofortige augenärztliche Untersuchung am Sonntagabend ergeben, resümiert der Vorsitzende des Sendener Trachtenvereins mit aufgeregter Stimme.

Eine Absperrung habe es nicht gegeben, doch die hätte, so Wörtz, das Ganze auch nicht verhindern können. "Die Leute standen in ausreichendem, rund zwölf Meter Abstand, von dem Feuer entfernt." Alle Auflagen zur Sicherheit seien eingehalten worden. Die Mitglieder des Vereins, die den Funken aufgeschichtet haben, seien alle erfahrende Feuerwehrleute gewesen. "Und auch ich war von Anfang bis Ende dabei", versichert Walter Wörtz. Er stehe voll zu seiner Verantwortung.

Doch der Wind sei an diesem Abend leider der unberechenbare "Regisseur" des Unglücks gewesen. Er habe die Hexe auf dem Reisigstapel geneigt. Ein Teil des Haufens sei heruntergebrochen. Und so begann die Kettenreaktion.

Dabei seien die in der Hexe deponierten Knallkörper nicht senkrecht nach oben sondern schräg bis waagrecht herausgeflogen - einer mitten in die Zuschauermenge hinein. Die Leuchtkugel traf den Kinderwagen und damit das Gesicht des Babys. "Sofort war alles in Panik, es ging sekundenschnell", lässt Walter Wörtz die Situation Revue passieren. Eine Katastrophe.

Verantwortlich ist freilich der Trachtenverein. Er hat eine Haftpflichtversicherung, die nun einvernehmlich mit den Forderungen der Eltern des verletzten Kindes einspringen soll.

"Wir haben alles so gemacht wie sonst", betont Walter Wörtz. Umso schlimmer sei es, dass das Unglück passiert ist. Sicher sei jedoch, dass der Verein eine klare Konsequenz aus der Sache ziehen werde. "Keine Knallkörper beim Feuer mehr zu verwenden."

Das wird künftig übrigens in Senden generell gelten. Aufgrund des Vorfalls beim Funkenfeuer hat Bürgermeister Kurt Baiker spontan angeordnet, dass Feuerwerkskörper bei diesen Anlässen künftig strengstens verboten sind.

Schon einmal musste der Sendener Trachtenverein übrigens die Versicherung um eine Regulierung bitten - doch die Geschädigte blieb auf dem Schaden selbst sitzen. Es handelte sich um die Trägerin eines Pelzmantels, der durch Funkenflug Löcher bekam. Die Begründung hieß damals, dass sich Zuschauer eines Funkenfeuers "veranstaltungsgerecht" kleiden müssten. Sonst gebe es keine Haftung.

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