Die Band „Die Happy“ feiert am Samstag ihr 1000. Konzert. Am Freitag ist öffentliche Generalprobe. Hier erzählt Bandgründer Thorsten Mewes über Kurioses und außergewöhnliche Momente von insgesamt 999 Auftritten. Von Oliver Helmstädter



Von Oliver Helmstädter
Ulm Dort wo alles begann werden Die Happy am Samstag ihr 1000. Konzert spielen. Nein, nicht im Wippinger Schützenhaus, wo die Wiege der Band liegt, sondern im Ulmer Roxy, der Halle in der erstmals ein größeres Publikum auf die Jungs und ein Mädel aufmerksam wurde. Aus einer Garagencombo wurde eine der bekanntesten Alternative-Rock-Acts der Republik. 19 Jahre und 999 Konzerte später probten die Musiker um den gebürtigen Neu-Ulmer Thorsten Mewes und die Sängerin Marta Jandova bis zuletzt in Berlin für die Nummer 1000. Der Jubiläumsgig im Roxy ist längst ausverkauft, für die öffentliche Generalprobe heute gibt es aber noch Karten. Es ist kein gewöhnliches Konzert: Die Happy spielt drei Sets an einem Abend: akustisch, unter Strom und dann mit Freunden. Für unsere Zeitung kramte der 39-jährige Bandgründer Thorsten in seinen Erinnerungen. Und fand die ganz besonderen Momente an 999 Konzerte:
Wo und wann war Euer erstes Konzert?
Thorsten Mewes: Unser 1. Konzert war 1993 im Schützenhaus Wippingen. Eigentlich sollte es im Büchsenstadel stattfinden, doch in der Nach davor gab es einen Wasserrohrbruch. Also spielten wir auf einer Party. Unser Drummer war so nervös und spielte die Nummern viel zu schnell sodass wir nur 25 Minuten für das 40-Minuten-Set brauchten. Die Menge wollte aber mehr und so fingen wir einfach noch mal von vorne an.
Wie fühlst Du dich nach 999 Konzerten?
Mewes: Nach 999 Konzerten fühlt man sich auf eine Art sicher und zuhause auf der Bühne. Man hat eine gewisse Routine erlangt und kann sich voll auf die Show konzentrieren.
Was war das beste Konzert?
Mewes: Das beste Konzert war für mich bei Rock am Ring auf der Alternative Stage. Da standen 50000 Leute vor der Bühne und haben total mit uns abgerockt. Unglaubliches Gefühl. Man nimmt keine Gesichter mehr wahr sondern nur noch eine riesige Menschenmenge. Ein Wahnsinn!
Das Ungewöhnlichste?
Ungewöhnlich war es, dass wir zwei Mal auf den Azoren gespielt haben. Die machen dort jedes Jahr ein fettes Festival und der Veranstalter hat einen Hang zu deutschen Bands. Beim zweiten Mal sind wir dann eine Woche eher hingeflogen und waren Segeln. Traumhaft schön. Ich werde auf alle Fälle irgendwann noch mal da hin fahren, vielleicht mit dem eigenen Boot.
Das Schlechteste?
Mewes: Das schlechteste Konzert war ganz klar einmal auf einer Musikmesse. Dort spielten wir als Headliner bei einem Nachwuchswettbewerb. Das Publikum war gefüllt mit der „Musikerpolizei“. So nenne ich Menschen mit verschränkten Armen, die selbst Musik machen und äußerst kritisch jeden Fehler wahrnehmen. Wir hatten nicht geprobt und zockten schlechter als die Schülerbands vor uns. Dabei hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon vier Alben veröffentlicht und sicher über 700 Konzerte gespielt, waren uns unserer Sache sehr sicher. Das war eine Lehre: nie wieder ungeprobt auf die Bühne.
Welches Konzert ist Dir in besonderer Erinnerung?
Mewes: Hmm. Ein Konzert, das mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist spielten wir am 18. Oktober 2008 in Prag im Rockcafé. In diesem Club hatte ich 1993 als Besucher Marta kennengelernt und nun standen wir 15 Jahre später dort gemeinsam auf der Bühne und machten immer noch zusammen Musik. Aber das ganz Spezielle war, dass in dieser Samstagnacht unser Plattenvertrag ausgelaufen ist und wir unsere „Freiheit“ zurückerlangten. Am Montag drauf rief dann das Label ganz aufgeregt an, weil sie vergessen hatten, die „Option“ zu ziehen. Wir wollten aber von einer weiteren Zusammenarbeit nichts wissen und waren froh, dass wir uns auf die Suche nach einem neuen Label machen konnten. Und so sind wir, nach zehn getrennten Jahren, wieder bei Tom Büscher gelandet, ein Artists-and-Repertoire-Manager vom alten Schlag. Dieser Mann hatte uns 1999 zur BMG geholt, um sie und uns dann ein halbes Jahr später für Fame-Recordings zu verlassen. Aber in diesem Falle muss man sagen: Ende gut, Alles gut.
Die Konzerte: Für die heutige Probe zum Jubiläumskonzert um 20.15 Uhr im Roxy gibt’s noch Karten. Angekündigt haben sich Rockröhre Doro Pesch sowie Petr Janda, Vater von Sängerin Marta Jandová und Kopf der in Tschechien sehr bekannten Band Olympic. Das 1000. Konzert am Samstag ist ausverkauft. Die Happy wird unter anderem mit Johannes Strate von der Band Revolverheld, Roger Manglus (Blumentopf), Eric Fish (Subway to Sally), Itchy Poopzkid und Jennifer Rostock auf der Bühne stehen. Weitere „Überraschungen“ wurden angekündigt, die in einer ausschweifenden After-Show-Party münden sollen. Die Happy sind: Thorsten Mewes, Marta Jandová, Ralph Rieker und Jürgen Stiehle. (az)
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