Freitag, 24. Mai 2013

30. Juli 2012 12:51 Uhr

Genuss

Schwäbische Austern und Ur-Linsen

Auf zwei Ulmer Schachteln wurde gestern eine neue Ortsgruppe einer Bewegung im Dienste der Pflege der Kultur des Essens und Trinkens gegründet Von Dagmar Hub

Ulm/Neu-Ulm. „Schwäbische Donau“ benannte sich gestern das 81. Convivium der Slow-Food-Bewegung in Deutschland, das am Nachmittag auf zwei Ulmer Schachteln auf der Donau gegründet wurde und sich vor allem dem einheimischen Fisch – Äsche, Forelle, Saibling oder Wels – widmen möchte.

Schnecken als Fastenspeise früher und auch gestern

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Das Slow-Food-Convivium, das unter dem Gründungsvorsitz des Blausteiners Sigi Körner steht, umfasst ein flächenmäßig großes Gebiet entlang der schwäbischen Donau. Seine Mitglieder engagieren sich als Genussgemeinschaft für die Pflege regionaler Ess- und Trinkkultur, für den Erhalt aus der Mode gekommener Nutztier- und Nutzpflanzenarten und für die Vermittlung von entschleunigter Ess- und Lebenskultur an Kinder und Jugendliche.

Als Abspaltung des bereits existierenden Ulmer Conviviums möchte sich das neu gegründete Convivium Schwäbische Donau keineswegs begreifen, obwohl ein Teil der Mitglieder zuvor im Ulmer Convivium engagiert war. „Wir sind regional und inhaltlich anders strukturiert“, sagt der ohne Gegenstimmen gewählte Gründungsvorsitzende Sigi Körner. „Das Ulmer Convivium ist städtischer in seiner Struktur und in seiner Arbeit.“

Das Convivium Schwäbische Donau werde eine enge Zusammenarbeit mit den Lebensmittelherstellern und Lebensmittelhandwerkern in der Region pflegen. Daneben, so Sigi Körner, möchte die genussfrohe Gemeinschaft viel Wert legen auf die Arbeit in Schulen. Riechen, fühlen und schmecken jenseits von Fast Food an zukünftige Generationen zu vermitteln sei eine wichtige Aufgabe der Convivien.

Das neu gegründete Convivium hat bereits 46 Mitglieder. Zu Sigi Körners Stellvertreter wurde Robert Friedenberger gewählt, Beisitzer sind Wolfgang Schmucker und Verena Weindl.

Das weltweit bekannte Symbol der Slow-Food-Bewegung, die Schnecke, hat in der Region östlich von Ulm noch eine besondere Bedeutung, wurden doch früher auf Ulmer Schachteln jährlich bis zu vier Millionen Schnecken als Fastenspeise in katholische Gegenden Donau-abwärts transportiert, Schnecken, die in eigenen Schneckengärten in Schneckenhofen, Unterfahlheim und Nersingen herangezogen wurden. So gab es denn zur Conviviumsgründung „Schwäbische Austern“, Schnecken also, und „Laubfröschle“, Mangoldblätter, gefüllt mit Saibling. Dazu gab es Linsen von der Alb, wieder angebaut nach nahezu ausgestorbenen Sorten, die einst das schwäbische Traditionsgericht „Linsen und Spätzle“ entstehen ließen.

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