Ulm So minutiös durchstrukturiert die Ausstellung „Auf Augenhöhe“ Alt und Neu verbindet, so sehr ist das Ulmer Museum bemüht, auch andere Kunstgattungen in dieses Grenzen sprengende Unterfangen einzubinden. Mit dem „Wahn+Sinn“-Performanceprojekt „Monologie“ der jungen Dramaturgin und Regisseurin Rebecca D. Seiler war das zeitgenössische Theater ins Museum eingezogen.
Eine sinnvolle Kombination, die zwar sperrig und stellenweise auch bei manchem Zuschauer mit Gänsehaut verbunden ist, als Brückenschlag zwischen museal präsentierter Kunst, Theater und Museumspädagogik aber funktioniert. Wuchtig erklangen da vor Bildern Sentenzen aus William Shakespeares Hamlet sowie aus Nietzsches Werk – Dauer jeweils fünf Minuten. Der Zuschauer war aufgefordert, selbst von Raum zu Raum zu gehen. Ganze Alakus, Martin Bonvicini, Irmela Purvis, Simon Fleischhacker, Katharina Binder, Jonathan Löffler und Markus Prinzen führten als Solisten durch die knapp einstündige Theatererfahrung.
„Neue Verständnisstrategien“ glückten dort besonders gut, wo Ausstellung und Performance sich eng verknüpfen – etwa Simon Fleischhackers Shakespeare-Monolog („O schmölze doch dies allzu feste Fleisch ...!“) vor dem Hintergrund der Kindersoldaten-Porträts des Afrikaners Guy Tillim (Walter Collection), der sich zum Sinnbild des immerwährenden Kriegs aufbaut. Am Ende steht der Schauspieler als bewaffneter Dschihad-Kämpfer im Ausstellungsraum.
Die Performance bot erstaunliche Konfrontationen
Erstaunlichen Konfrontationen: Jonathan Löffler im Priestergewand fragt nach Mördern Gottes – ein Nietzsche-Monolog vor den kraftvollen „fünf Narren“ des Holzstechers „Meister von Ulm“: „Wohin ist Gott? Ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, ihr und ich!“
Die wuchtige „Hamletmaschine“ von Heiner Müller konfrontierte die anmutige Körperlichkeit mittelalterlicher Schnitzkunst. Versehrte Körper und „schöne“ Kunst im Kreuzschritt lassen schonungslose Ausblicke auf den Zustand der Menschheit zu. Das ist oftmals unbequem. Einen unbeschwerten Spaziergang durchs Museum bot „Monologie“ wahrlich nicht. „Monologie“ war sperrig und irritierend, – mit zeitlosen Themen, die immer ganz neu interpretiert werden. (flx)