Mittwoch, 26. Juli 2017

19. Mai 2017 06:44 Uhr

Ulm

Steinwurf auf A7: Gelähmte Mutter kämpft sich ins Leben zurück

Ein auf die A7 geworfener Steinblock änderte das Leben einer jungen Mutter. Sie ist seitdem querschnittsgelähmt - kämpft sich aber ins Leben zurück.

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Laut der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie (DMGP) erleiden in Deutschland jedes Jahr 1000 bis 1500 Menschen eine Querschnittslähmung. (Symbolbild)
Foto: Daniel Maurer (dpa)

Es ist der 25. September 2016. Gegen 1.45 Uhr fährt die Familie Öztürk von einer Hochzeitsfeier nach Hause. Serdal, der Vater und Ehemann, am Steuer, seine Frau Deniz auf dem Beifahrersitz. Die beiden fünf und sechs Jahre alten Kinder auf dem Rücksitz. Die Laupheimer Familie fährt mit rund 130 Stundenkilometer auf der A7. Der Betonklotz, den ein Mann von der Autobahnbrücke bei Heidenheim auf die Straße geworfen hat, können sie nicht sehen.

Doch er ändert das Leben der kleinen Familie komplett. Vor allem Deniz Öztürk wird ein Leben lang mit den Folgen des Unfalls kämpfen müssen. Denn die 27-Jährige ist nun querschnittsgelähmt. Momentan ist sie in stationärer Behandlung am Universitätsklinikum Ulm und Patientin von Yorck-Bernhard Kalke, Sektionsleiter des Querschnittsgelähmtenzentrums in Ulm.

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Die Frau wird wohl ein Leben lang im Rollstuhl sitzen

Der Arzt hat als Sachverständiger beim sogenannten „Steinwerfer-Prozess“ zu den Behandlungsfortschritten von Deniz Öztürk ausgesagt. Auch im Zuge der Jahrestagung der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie (DMPG), die von Mittwoch bis Samstag in Ulm stattfindet, hat er unter anderem über die Behandlung und Entwicklung seiner Patientin gesprochen.

Nachdem die junge Frau zuerst in der Unfallchirurgie war, ist sie seit Oktober vergangenen Jahres bei Kongresspräsident Kalke in Behandlung. Bei dem Unfall erlitt die Frau einen Schädel-Bruch mit Hirnblutungen und eine Halswirbelfraktur. „Am Anfang hatte sie kaum Gespür im Rumpf und den unteren Extremitäten“, berichtet Kalke. Zudem musste ihr rechter Unterschenkel amputiert werden.

Seitdem trägt die Mutter zweier Kinder eine Prothese. „In Obhut von medizinischem Personal kann sie ein paar Meter gehen“, sagt der Klinikarzt. Dennoch wird sie wohl dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sein. Zudem berichtet Kalke, dass seine Patientin lebenslang physiotherapeutisch behandelt werden muss. „Mindestens zweimal die Woche, im besten Fall aber viermal“, sagt Kalke. Dennoch macht der Arzt auch Mut. „Die Patientin ist eine taffe Frau. Sie will den Kampf nicht aufgeben“, sagt Kalke.

Querschnittslähmung: Neue Studie macht Hoffnung

Dies passt auch zu dem Motto des viertägigen Kongresses: „Auch mit Querschnittslähmung geht es weiter“. Denn es gebe viele Fortschritte in der Forschung, wie Kalke und seine Kollegen auf der Jahrestagung in Ulm berichten. So werden Hoffnungen beispielsweise auf eine neue Studie gelegt, die eine Antikörper-Therapie als Behandlungsmaßnahme überprüft. Denn wenn das Rückenmark geschädigt wird, werden Eiweiße freigesetzt, die eine Regeneration der Nerven verhindern. Indem man Querschnittsgelähmten Antikörper impfe, könne man das schädigende Eiweiß möglicherweise binden. Dies sei allerdings nach Angaben von Kalke nur innerhalb weniger Wochen nach dem Einsetzen der Lähmung möglich.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll diese Behandlungsmethode an sieben ausgewählten Zentren – Ulm ist nicht vertreten – wissenschaftlich überprüft werden. Martin Schwab vom Institut für Hirnforschung der Universität Zürich ist der Entdecker des Eiweißes, das die Erneuerung der Nerven verhindert. Für Kalke ist die Forschung des Schweizers eine große Hoffnung: „Wenn seine Methode es schafft, dass geschädigte Nervenfasern wieder wachsen, dann bin ich mir sicher, dass er den Nobelpreis bekommt.“

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