Ulm (mick) - Mehrere Hunderttausend Operationen werden jährlich in Deutschland an einem unserer sensibelsten Organe, dem Auge, vorgenommen. Aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft und der damit einhergehenden Zunahme von an Altersdiabetes Erkrankten, rechnen Experten auch mit einer wachsenden Zahl an Eingriffen an der Netzhaut.

Die Ulmer Fluoron GmbH hat sich auf Medizinprodukte spezialisiert, die bei den heiklen Operationen eingesetzt werden. Dazu gehören Silikonöltamponaden, die über einen längeren Zeitraum im Auge bleiben und Farbstoffe, die winziges Gewebe im Augeninneren für die operierenden Ärzte sichtbar machen. Diese Produkte werden weltweit von Netzhautchirurgen eingesetzt, um das Augenlicht von Patienten zu erhalten. "Die Netzhautchirurgie ist so wichtig, weil die Bevölkerung immer älter wird", glaubt auch Dr. Christian Lingenfelder, Geschäftsführer des vor elf Jahren vom Ulmer Chemieprofessor Hasso Meinert gegründeten Unternehmens, das seit Juli 2009 im Stadtregal beheimatet ist. Am Ulmer Standort werden Rohstoffe wie Silikonöl und Perflurkarbon gereinigt, sterilisiert und verpackt. Neu errichtet hat Fluoron neben einem 100 Quadratmeter großen Reinraum auch ein Forschungslabor und ein zellbiologisches Labor. Anlässlich des Umzugs findet am kommenden Samstag eine augenärztliche Fortbildung mit namhaften Spezialisten statt, für die auch Forschungsministerin Dr. Annette Schavan einen Besuch angekündigt hat.
Neben Diabetes seien Rauchen und schlechte Ernährung Risikofaktoren für Erkrankungen des Sehorgans. Denn die Netzhaut habe, so erklärt der Wirtschaftsingenieur und promovierte Biologe Lingenfelder, "die höchste Stoffwechselrate im ganzen Körper". Die Ideen für einen optimalen Ablauf der Eingriffe formulieren die Spezialisten. Fluoron versuche dann, diese umzusetzen.
Ein erstes großes Forschungsprojekt der Firma ist ein Ersatzstoff für den Glaskörper, der bei Netzhauteingriffen oftmals entfernt werden muss. Außerdem plant die GmbH, die ein Schwesterunternehmen der Heidelberger Geuder AG ist, künftig auch Produkte für die Bereiche Dermatologie, Orthopädie und Zahnmedizin herzustellen.
Geschäftsführer Christian Lingenfelder sieht in Fluoron eine "Fabrik der Zukunft", die mittels Flusswasserkühlung und Wärmerückgewinnung ökologische Energie nutzt und sich in der Region engagieren will. Dazu gehörten unter anderem der Austausch von Auszubildenden mit dem Rehabilitationskrankenhaus Ulm und Projekte mit den Berufsschulen Neu-Ulm und Illertissen.
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