Mittwoch, 13. Dezember 2017

27. Mai 2015 07:00 Uhr

Ulm/Neu-Ulm

Stolpersteine gegen das Vergessen

Messingtafeln sollen auf frühere Wohnorte von NS-Opfern hinweisen. Erstmals hat Künstler Gunter Demnig sie in Ulm verlegt. An wen sie erinnern – und wann Neu-Ulm nachzieht.

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Stolpersteine sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. In Ulm wurden am gestrigen Dienstag die ersten dieser Gedenksteine verlegt.
Foto: Alexander Kaya

Gunter Demnig arbeitet gewissenhaft: Zuerst bohrt er einen Teil des Gehwegs auf, hebt sorgfältig die Betonstücke aus. Anschließend setzt er einen oder mehrere Steine, auf denen jeweils eine kleine Messingtafel platziert ist, in die freigeschaufelte Fläche des Gehweges ein. Jeder Stein ist zehn Zentimeter breit, zehn Zentimeter lang und zehn Zentimeter hoch – und steht für ein Menschenleben. Diese so genannten Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen, gibt es bereits in über 800 Städten Deutschlands. Am gestrigen Dienstag wurden die ersten dieser Art in Ulm verlegt.

Die Gedenksteine sind die bekannteste Aktion des Künstlers Gunter Demnig. Dass er sie erstmals auch in Ulm gesetzt hat, ist das Verdienst der Bürgerinitiative „Stolpersteine für Ulm“, die sich im Februar vergangenen Jahres gegründet hat. Derzeit hat sie laut Martin König, Sprecher der Bürgerinitiative „Stolpersteine für Ulm“, über 110 Mitglieder. 30 bis 40 weitere Unterstützer recherchieren die jeweiligen Lebensgeschichten der Opfer. Wichtig ist der Initiative zudem, die heute lebenden Angehörigen mit einzubeziehen. Auch wenn die Aktivisten von der Stadt Ulm, dem Stadtarchiv sowie dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg unterstützt werden – die eigentliche Arbeit werde von dem Bund selbst getan.

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Kurz nach 9 Uhr am gestrigen Dienstagmorgen setzte Künstler Gunter Demnig die allerersten Steine in der Olgastraße in Ulm. König betonte: „Ziel ist, jeden einzeln, aber auch individuell gleich zu würdigen“ – egal, welchen Stein man als Ersten verlegen würde. Insgesamt wurden 14 Stolpersteine an fünf Verlegestellen in den Gehweg eingelassen:

Olgastraße 114: Die Stolpersteine vor diesem Haus stehen für Mitglieder der Familie Frenkel, die zum Teil in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft getötet wurden oder fliehen mussten.

Olgastraße 85: Hier wohnten Ludwig Hecht und seine Frau Rosa. Beide wurden am 19. August 1942 nach Theresienstadt in ein so genannte Konzentrationslager (KZ) deportiert, wo sie im Januar 1943 starben.

Friedrich-Ebert-Straße 14: Hier erinnern die Gedenksteine an Selma Moos sowie an Rudolf und Paul Moos, zwei ihrer drei Söhne.

Herdbruckerstraße 6: Hier wohnte Jonathan Stark. Der Zeuge Jehovas wurde am 1. November 1944 mit 18 Jahren im KZ Sachsenhausen ohne Prozess hingerichtet.

Herdbruckerstraße 8: Die beiden Stolpersteine vor dem Haus stehen für Ludwig und Sofie Levy. Am 22. August 1942 wurde das Ehepaar nach Treblinka gebracht, am 26. September 1942 dort ermordet.

Marktplatz 14 (Herdbruckerstraße): Das ist der ehemalige Wohnort von Lina Einstein, der Cousine Albert Einsteins. Am 22. August 1942 wurde die damals 67-Jährige gemeinsam mit dem Ehepaar Levy gebracht, am 26. September 1942 in Treblinka ermordet.

Zum Setzen der Stolpersteine waren Angehörige der Opfer angereist, unter anderem Hannelore Geschmay, älteste Enkelin des Ehepaars Hecht. „Juden wurde damals nicht nur das Leben verboten, sondern auch das Grab in der Erde“, sagte sie und fügte hinzu: „Diese Zeremonie ist eine Erinnerung, die meine Großeltern verdient haben.“

Bald werden weitere Stolpersteine in Ulm folgen: Am Montag, 14. September, sollen rund zehn weitere gesetzt werden. Doch nicht nur in Ulm wird Künstler Gunter Demnig an diesem Tag Stolpersteine verlegen – sondern zum ersten Mal auch in Neu-Ulm. Wie Mareike Kuch vom Kulturamt der Stadt Neu-Ulm auf Anfrage der NUZ mitteilte, würden an diesem Termin vormittags etwa zehn Steine an vier Verlegestellen eingelassen. Die Inge-Aicher-Scholl Realschule, die Christoph-Probst-Realschule Neu-Ulm sowie ein Neu-Ulmer Bürger haben in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Biografien recherchiert. Kuch erklärt: „Dafür war viel Arbeit und ganz viel Geduld erforderlich.“ Wie berichtet, hatten die Neu-Ulmer Stadträte Ende April vergangenen Jahres den Auftrag erteilt, das Projekt Stolpersteine auch in Neu-Ulm zu verwirklichen.

Hier gibt es die Bilder der Verlegung der ersten Ulmer Stolpersteine.

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