Neu-Ulm Der Streit zwischen dem BRK-Kreisverband Neu-Ulm und der Ex-Chefin des Tafelladens eskaliert. Inzwischen nimmt die Auseinandersetzung bizarre Formen an. Nach neuesten Informationen ist es in zwei Fällen zu tätlichen Übergriffen auf Personal des Ladens gekommen. Leidtragende des Streites sind die Hilfsbedürftigen, die jetzt nicht mehr die verbilligten Waren einkaufen können: Der BRK-Kreisverband hat nämlich gestern bekannt gegeben, dass der Tafelladen wegen der "tätlichen Übergriffe" mindestens zwei Wochen lang geschlossen bleibt, um die Beschäftigten zu schützen. Von Roland Ströbele

Über den Hergang der Auseinandersetzung gibt es verschiedene, zum Teil widersprüchliche Informationen. Die Neu-Ulmer Polizei bestätigte gestern, dass es in zwei Fällen zu Beleidigungen des jetzt 60 Jahre alten Leiters des Tafelladens in der Maximilianstraße gekommen ist. Ein 26 Jahre alter Mann soll den Chef der Einrichtung mit den Worten "Mach auf oder ich hau dir in die Fresse" bedroht und anschließend mit üblen Schimpfworten beleidigt haben.
Vier Tage später, am 6. März, sei eine Mitarbeiterin des Tafelladens an den Haaren gezogen worden - von einem noch unbekannten Täter. "Die Ermittlungen laufen noch, aber bislang ist kein Zusammenhang zwischen den beiden Taten zu erkennen", erklärte gestern Polizeisprecher Günter Gillich.
Eine abweichende Schilderung des Geschehens kommt aus den Reihen des BRK-Kreisverbandes Neu-Ulm, der seit 2007 den Tafelladen in der Neu-Ulmer Innenstadt betreibt. Demnach soll der Sohn der früheren Tafelladen-Chefin den neuen Leiter mit einem Schraubenzieher bedroht und am Kragen gepackt haben. Ferner habe die Ex-Chefin, gegen die das BRK ein Hausverbot verhängt hat, versucht, in das Gebäude einzudringen, was ihr jedoch verwehrt worden sei.
Eine dritte, wieder andere Version lieferte der Rechtsanwalt, der den Sohn der früheren Tafelladen-Chefin vertritt. Er behauptet nun, sein 29-jähriger Mandant habe den Laden aufgesucht, weil er das Gesundheitszeugnis seiner Mutter abholen wollte. Dabei habe ihm der neue Chef der BRK-Einrichtung den "Stinkefinger" gezeigt, was eine Beleidigung darstellt. Bei dem Geschehen sei die Mutter des 29-Jährigen Augenzeugin gewesen. Sie habe den Laden jedoch nicht betreten und somit auch nicht gegen das Hausverbot verstoßen.
Gestern verschickte der BRK-Kreisverband Neu-Ulm eine nicht unterschriebene Pressemitteilung, in der die Schließung des Tafelladens für den heutigen Freitag angekündigt wird. Erst am Montag, 29. März, können die Bedürftigen dort wieder einkaufen. Die rund 200 Stammkunden wurden aufgefordert, im Ulmer Tafelladen an der Schaffnerstraße einzukaufen. Dort seien die Berechtigungsscheine ebenfalls gültig.
Gestern schleppten die Mitarbeiter des Neu-Ulmer Tafelladens die Lebensmittel heraus und brachten sie nach Ulm, damit sie nicht verderben und dort zu einem symbolischen Preis verkauft werden können.
Am kommenden Mittwoch, 18. März, will Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender des BRK-Kreisverbandes erstmals öffentlich Stellung beziehen zum Hickhack in der Rettungsorganisation. Möglicherweise wird er sich dabei auch zur neuesten Entwicklung und zum Ergebnis einer Kassenrevision in der Kreisgeschäftsstelle äußern. Bislang hatte Noerenberg zu den Vorfällen und Vorwürfen geschwiegen.
Auslöser des Konfliktes war, dass der ohnehin befristete Arbeitsvertrag der früheren Tafelladen-Chefin nicht verlängert worden war. Daraufhin hatte die Frau schwere Vorwürfe gegen Kreisgeschäftsführer Alfred Baur erhoben und behauptet, er habe Waren aus dem Tafelladen mitgenommen und sie sexuell belästigt. Baur bestreitet diese Behauptungen. Roland Ströbele
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: