Donnerstag, 18. Januar 2018

06. September 2010 20:15 Uhr

Synagoge soll in zwei Jahren auf dem Weinhof stehen

Ulm Zum europaweit begangenen Tag der jüdischen Kultur informierte der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik in den gegenwärtig genutzten und viel zu engen Räumen der Ulmer jüdischen Gemeinde über den aktuellen Stand des Synagogen-Neubaus auf dem Weinhof. Dabei stellte ein interessiertes Publikum auch Fragen zur Finanzierung und Nutzung des Synagogengebäudes, das bis etwa September 2012 auf dem Weinhof entstehen soll. Von Dagmar Hub

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Mit einer Liste von 89 Namen großenteils religionsfern aufgewachsener russischer Juden begann Shneur Trebnik seine Arbeit, als er vor zehn Jahren mit Frau und Tochter nach Ulm kam - eine sehr erfolgreiche Arbeit, denn inzwischen zählt die jüdische Gemeinde Ulms beinahe 500 Mitglieder und ist damit von ihrem Stand vor 1933 gar nicht mehr so weit entfernt. Viele dieser Gemeindemitglieder sind Juden aus der ehemaligen Sowjetunion und aus anderen Ländern, aber auch israelische Studierende an der Universität Ulm sind darunter. Ein Problem für Trebnik stellt es dar, dass in der Stadt häufig jüdische Geschäftsleute für wenige Tage zu Gast sind, für die kein koscherer Laden existiert, sodass sie Schwierigkeiten haben, sich zu versorgen.

Als Traum habe er es empfunden, als Gemeinderat Martin Rivoir einen Vorstoß für eine neue Synagoge auf dem Weinhof (statt wie angedacht in der Nähe der derzeitigen Räume der Israelischen Gemeinde an der Neutorstraße) machte - doch diesen Vorstoß zu realisieren war der Gemeinderat bereit: Mit Beschluss vom 5. Mai 2009 wurde der jüdischen Gemeinde ein Baugelände auf dem Weinhof zur Verfügung gestellt, dessen exakte Lage Trebnik damals auch noch nicht bekannt war. Wegen der erwarteten Reste mittelalterlicher oder noch früherer Bebauung auf dem Weinhof wurde das Landesdenkmalamt sofort aktiv. Es soll mit den Grabungen bis Mitte November fertig sein, so Trebnik. Weil im Dezember der Bauplan für die Synagoge eingereicht werden soll, werden derzeit notwendige Änderungen am Entwurf der Kölner Architektin Susanne Gross vorgenommen: Um die Gebetsrichtung der Synagoge nach Jerusalem - zum Tempelberg hin - zu erreichen, ist eine Südost-Ausrichtung nötig. Die Farbgebung des Gebäudes sei noch offen, so Trebnik, die Entscheidung für ein großes Eckfenster mit Davidssternen in dem etwa hundert Quadratmeter großen Betraum ist aber bereits gefallen.

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Auch die darüber liegende Frauenempore ist planerisch entschieden. Exakte Baupläne müsse er aber aus Gründen der Sicherheit der Öffentlichkeit vorenthalten, so der Rabbiner. Das Synagogengebäude soll zusätzlich einen Versammlungssaal, einen jüdischen Kindergarten, ein Jugendzentrum, eine Bibliothek und einen koscheren Laden mit eigenem Eingang beherbergen. Ein koscheres Restaurant in der Stadt wäre für Trebnik mittelfristig wünschenswert, müsste aber auf private Initiative hin entstehen. Auf eine Tiefgarage im Synagogengebäude wird aus Sicherheitsgründen verzichtet.

Für Diskussionen sorgte der geplante jüdische Kindergarten. "Integration ist eine sehr große Sache, aber Assimilation ist problematisch", sagt Shneur Trebnik. "Ich versuche, die jüdische Kultur zu schützen." Die Synagoge dagegen soll für alle Bürger offen sein, allerdings sei natürlich das Thema Sicherheit ein zentrales und noch nicht abschließend geklärt. Es werde einen Pförtner geben, der die Ausweise der Besucher kontrolliert. Ob Kameras angebracht werden oder nicht, sei ein heißes Thema - man müsse einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Privatsphäre der Menschen finden. Das Ziel der jüdischen Gemeinde sei aber Frieden für alle Bürger. "Wir wollen hier kein Getto, wollen keinen Streit."

Stadt zahlte nach dem Krieg Ausgleich für Grundstück

Shneur Trebnik beantwortete auch die Frage von Interessierten, warum die Synagoge nicht auf dem Platz der Vorgängersynagoge entstehen konnte. Seinen Informationen nach habe die Stadt Ulm die jüdische Gemeinde 1938 zu einem Verkauf des Grundstücks der Synagoge für die Summe von nur 20 000 Mark genötigt, später sei diese Summe dann auf 14 000 Mark gekürzt worden. 1951 verkaufte die Stadt das Gelände an die Sparkasse. Allerdings, so Trebnik, habe die Stadt nach dem Krieg einen Ausgleich für das Grundstück an die Jewish Agency und später an die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs in Stuttgart bezahlt.

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