Ulm "Das Schweigen hat ein Ende." Die Drohung war nicht zu überhören. Lautstark hallte sie am Samstagnachmittag über den Münsterplatz. Tausende von Anglern, Fischern und Teichwirten aus ganz Deutschland waren zusammengeströmt, um dem Kormoran ans Gefieder zu gehen, der ihnen, wie sie sagen, die Gewässer leer fischt.

Aus allen Teilen der Republik, sogar aus Österreich, der Schweiz und dem Elsass waren sie mit flatternden Fahnen und bunten Plakaten nach Ulm gekommen. Der Berufsfischer Prignitz vom Schweriner See in Mecklenburg-Vorpommern ebenso wie die Sorben aus dem Spreewald, der Kreisfischereiverein Tübingen, die Sportfischer aus Unterfranken. Sie alle hatte die Sorge um Beruf und Freizeitvergnügen auf den Münsterplatz getrieben. "Der Main ist leer gefressen", rief Peter Wondrak vom unterfränkischen Fischereiverband den gut 6000 Demonstranten unterm Münsterturm zu. Acht Tonnen Jungfische setzten sie Jahr für Jahr aus. Dennoch bleibe kaum eine Chance für einen angemessenen Ertrag.
NABU spricht von einem "falschen Signal"
Nach Ulm hatten die Fischereiverbände ihre Mitglieder gerufen, weil dort der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern im Stadthaus am Münsterplatz ihre Fachtagung zum Kormoran hielten. Gut sichtbar hatten sie denn auch ihre Adresse www.wirsindkormoranfreunde.de am Balkon ausgehängt. Die Fischer störten sich wenig dran, skandierten aber immer mal wieder ihr "NABUBUBU". Sicherheitskräfte in gelben Westen standen bereit, beide Seiten auf Distanz zu halten. Die Demonstration am Münsterplatz nannte NABU-Vizpräsident Helmut Opitz allerdings "ein falsches Signal". Dennoch hatte Georg Riegger als Vizepräsident des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg den Kormoranschützern im Vortrag die Sicht der Fischer erläutern können.
"Hier auf dem geschichtsträchtigen Platz vorm Ulmer Münster zeigen wir einmal, welche Macht wir wirklich haben", rief Peter Mohnert als Präsident im Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) und Hauptredner der Versammlung den Berufs- und Freizeitfischern zu. Wenn es nötig sei, könnten sie wiederkommen und dann die zehnfache Anzahl Demonstranten aufbieten.
"Die Lösung des Kormoranproblems kann nicht in den Ländern, sondern muss in Brüssel seinen Anfang haben." Die Politik sei lange genug falschen Propheten aufgesessen, die über die wirkliche Bedrohung der Fischbestände durch den Kormoran einfach nur die Unwahrheit verbreiteten. "Der Kormoran darf nicht Herr über Leben und Tod unserer Fische sein."
Dann streckte Mohnert die Hand aus, "um mit allen Naturschützern gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten". Allerdings verwahrte er sich gegen Behauptungen der Kormoranschützer, der Vogel fange nur "minderwertige Fische". Diese Angabe sei nicht nur völlig falsch, sie habe auch ein "G´schmäckle", auf das er aber nicht weiter eingehen wolle. Die Natur kenne den Begriff Minderwertigkeit nicht. "Alle Geschöpfe haben ein Recht auf Leben, auch der Kormoran, aber eben in der richtigen Anzahl." Hier müsse Europa helfen mit einem einheitlichen "Kormoranmanagement".
"Wir Berufsfischer wollen nicht Opfer einer verfehlten Vogelschutzpolitik werden", drohte Christian Proske vom Verband der Binnenfischer, "unsere Reserven und unsere Geduld sind aufgebraucht." Die vom Kormoran verursachten Verluste in den Binnengewässern ließen sich nicht mehr ausgleichen. "Wir müssen überhaupt nicht mehr über Zahlen diskutieren." Der Bestand an Kormoranen in Europa sei entschieden zu hoch. Er müsse auf ein erträgliches Maß zurückgeführt werden. "Es liegt nicht an Brüssel", sagte Proske, "es liegt an unseren nationalen Stellen, wenn da nichts geschieht." Dort könne sofort mit einem geordneten Management begonnen werden. "Schaut auf diesen Platz", rief Günter Markstein vom Anglerverband, "das ist unsere Antwort."
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