Mittwoch, 16. April 2014

04. Februar 2013 01:39 Uhr

Ulm

Todfeind aller Diätfanatiker

TV-Koch Horst Lichter weiß unter anderem, dass Nutella auch ohne Brot schmeckt  - und er kocht mit ganz viel Butter. Von Annika Gonnermann

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Horst Lichter kochte mit ganz viel Butter im Ulmer CCU.
Foto: Annika Gonnermann

Von Annika Gonnermann

Der Duft von karamellisiertem Zucker liegt in der Luft. Das Brutzeln von Fleisch dringt über die Lautsprecher. Die Bühne ist keine Bühne mehr, sondern eine Küche, mit Kühlschrank, Herd und Pfannenhalter. Dass keine Musikgruppe kommt, ist vom ersten Augenblick an klar. Dass es aber keine reine Kochshow wird, das zeigt sich erst im Laufe des Abends. Horst Lichter, bekannter Fernsehkoch und Autor mehrerer Kochbücher, besuchte Ulm – und überzeugte mit einer ausgeklügelten Mischung aus Rezepten und Lebensweisheiten, die von „Nutella schmeckt auch ohne Brot“ bis hin zu „Wenn die Butterbläschen in der Pfanne platzen, sterben die Kalorien“ reichten.

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Horst Lichters drittes Bühnenprogramm „Jetzt kocht er auch noch“ ist Balsam für die diätgeplagten Seelen der Deutschen. „Light“ oder „fettreduziert“ war keines der Gerichte, die der gebürtige Nordrhein-Westfale dem fast ausverkauften Saal im CCU vorkochte.

Schnell lernte das Publikum, dass Lichter eine andere Auffassung von „ein bisselschen Butter“ hat als der Rest der Menschheit. Eine Messerspitze konnte da schon mal drei Viertel der gesamten Butter ausmachen. „Das ist gar nicht so viel, wie es aussieht,“ beruhigte Lichter seine Zuschauer in breitem Familienkölsch, als er eine seiner Messerspitzen auf einem Lachsfilet platzierte. „Das ist gleich wieder weg.“

Auch mit anderen Kalorienträgern wurde nicht gegeizt: Sahnekännchen in der Größe von Bierkrügen und Schweineschmalz aus kleinen Eimern gehörten genauso zum Lichters Gerichten wie löffelweise Nussnougatcreme. Oder „lombardisches Nuss-Pesto“, wie Lichter es nannte, bevor er ein halbes Baguette damit füllte.

Den Zuschauern schmeckte es offenbar, denn an Freiwilligen, die seine Kreationen testen wollten, fehlte es nicht. Aber, um zu überwachen, ob auch jeder aufaß, wurden Lichters Vorkoster auf die Bühne gebeten, wo sie es sich bei Bier oder Wein schmecken lassen durften. „Ihr esst das auf, ob ihr wollt oder nicht. Vorher kommt ihr nicht wieder weg,“ drohte der Koch, der im Karo-Hemd und nicht in weißer Schürze auf der Bühne werkelte.

Auch sonst gab Lichter eher den Hobbykoch: Im Gegensatz zu den Restaurants der Sternköche gebe es bei ihm noch „Brühe“ und nicht „Fond“ und auf die Idee, seinen Gästen ein „Amuse-Bouche“, ein Gaumenkitzler, zu servieren, sei er noch nie gekommen. „Da bekommst du auf einem verbogenen Löffel einen Schaum, wo du dir schon denkst ‚Ui, die Farbe sieht aber gefährlich aus.’“ Für ihn sei die Vorspeise klar: Kalbsschnitzel und Bier. Auch sonst fällt bei Lichter alles ein bisschen größer aus: Der Salat darf mal schon aus einem ganzen Salatkopf bestehen, eine halbe Flasche Eierlikör ist genau richtig für den Marmorkuchen und Soße kann man eh nie zu viel auf dem Teller haben.

Neben den Kochtipps, darüber, wie die Schnitzelpanade richtig gelingt, gab es an diesem Abend zwei Köche zum Preis von einem auf der Bühne. Mit Seitenhieben auf seinen „lieben Johann“ plauderte Lichter aus dem Nähkästchen und erzählte die Anekdote, wie er Johann Lafer zum ersten Mal begegnete: „Als ich Johann kennenlernte, kochte er gerade für irgendwelche reichen Säcke. Ich hatte ’ne Currywurst in der Hand.“ Dass sich aus der denkbar-ungünstigen Situation eine Freundschaft entwickelt hat, die über ihre gemeinsame Sendung „Lafer! Lichter! Lecker!“ hinaus geht, hätte Lichter selbst nicht gedacht. Denn im Gegensatz zu dem Sternekoch kocht er nicht mit „Fleur de Sel“, sondern mit Salz. „Wie Mama damals“, kommentiere der Mann mit dem markanten Schnurrbart. Der war auch Gegenstand mehrerer Fragen, die die Zuschauer dem Fernsehkoch in der zweiten Hälfte seines Programms stellen durften. „Ja, der ist echt,“ bestätigte der Koch. Dasselbe gilt für den Hauptakteur des Abends.

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