Montag, 29. August 2016

27. September 2015 11:54 Uhr

Ulm

„Turandot“ auf dem Parteitag

Giacomo Puccinis letzte, gar nicht liebliche Oper wird vom Theater Ulm als das gespielt, was sie ist: ein Fragment. Ein starker Auftakt der neuen Spielzeit.

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Ob das die große Liebe wird? Eric Laporte (Calaf) und Susanne Schimmack (Turandot) im Theater Ulm.
Foto: Jochen Klenk

Ein liebliches Happy End passt ohnehin nicht so recht zu „Turandot“, erzählt die Oper doch von einer chinesischen Prinzessin, die sich der Liebe verweigert. Stattdessen prüft die Grausame alle Bewerber um den Platz an ihrer Seite mit drei kniffligen Rätseln – und lässt jeden Quizverlierer gnadenlos hinrichten. Bis der mysteriöse Calaf kommt, der die Fragen beantwortet, aber das kalte Herz von Turandot (zunächst?) nicht erweichen kann. Und doch nur dem Henker entgeht, weil die liebende Sklavin Liù ihr Leben für seines opfert.

Im Theater Ulm spielt „Turandot“ in einer besonders liebesfeindlichen Umgebung. Statt Asia-Kitsch präsentieren Britta Lammers (Bühne) und Angela C. Schuett (Kostüme) eine totalitäre Parteitags-Szenerie: „Führe uns, Prinzessin Turandot“, prangt an der Wand, aus der immer wieder Gewehrläufe herausragen. Fäuste sind kämpferisch nach oben gereckt. Die Untertanen tragen Uniformen, die verdächtig nach Mao-China oder Nordkorea aussehen. Man denkt an den „obersten Führer“ Kim Jong Un. Die Bilder passen zu Turandot: eine Herrscherin, die zum Töten bereit ist, um sich selbst nicht der Liebe ergeben zu müssen.

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Was diese Inszenierung aber herausragen lässt, ist die Musik. Die Ulmer Philharmoniker unter dem Dirigat von GMD Handschuh vermeiden überflüssigen Prunk, akzentuieren präzise die asiatischen Einflüsse in Puccinis Werk und gleiten selbst bei „Nessun dorma“ nicht ins Kitschige ab. Die Gassenhauer-Arie – und nicht nur diese – interpretiert der Frankokanadier Eric Laporte, der auch schon am Theater Augsburg gastierte (2013 als König Ouf in der komischen Oper „L’Étoile“), kraft- und gefühlvoll: ein Tenor, der in bester Erinnerung bleibt. Susanne Schimmack, wie Laporte nur als Gast engagiert, fällt in der Rolle der Turandot dagegen etwas ab. Dafür hat Premierenbesetzung Edith Lorans als zarte Liù einen brillanten Auftritt, der vom Publikum am Ende mit großem Jubel honoriert wird.

Bravo-Rufe gibt es auch für Eric Laporte, das Orchester und den Chor. Ein Spielzeit-Auftakt, wie man ihn sich kaum besser wünschen kann.

Nächste Vorstellungen am 29. September sowie am 2., 9. 16., 18. und 28. Oktober im Großen Haus des Theaters Ulm

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