Rolle der Region Thema bei sicherheitspolitischer Veranstaltung im Kornhaus Von Michael Ruddigkeit

Ulm Europa muss in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik künftig enger zusammenarbeiten. Und das Ulmer Kommando spielt dabei eine wichtige Rolle. Das erläuterte Generalleutnant Markus Bentler gestern bei der sicherheitspolitischen Veranstaltung der Bundeswehr im Kornhaus. „Europa ist gefordert. Europa wird seine Hausaufgaben machen müssen“, sagte der Befehlshaber.
Die USA orientieren sich zunehmend in Richtung Asien. Die NATO bleibt zwar wichtigster Partner in der Verteidigungspolitik, doch die Europäische Union muss mehr eigene Verantwortung tragen. „Es gibt aus meiner Sicht nur einen gangbaren Weg“, folgerte Bentler aus diesen Entwicklungen. „Die Europäische Union muss ihre Fähigkeiten bündeln.“ Die EU sei heute gewissermaßen eine Friedensgemeinschaft. Eine nationale Verteidigung gegeneinander mache schon seit Langem keinen Sinn mehr. Enge Verflechtungen der Mitgliedsstaaten untereinander hätten zur Folge, dass sicherheitspolitische Aspekte nicht mehr rein national betrachtet werden könnten, sondern immer die EU als Ganzes beträfen. „Am Ende dieser langfristigen Entwicklung könnte dann eine gemeinsame europäische Armee stehen“, sagte der General.
Von Bosnien bis zum Kongo
Derzeit sei die Europäische Union mit ihren Operationen militärisch in Bosnien Herzegowina, Somalia und vor dem Horn von Afrika aktiv. Dazu kämen Einsätze mit zivilen Kräften im Kosovo, in Afghanistan, in Georgien, im Kongo, im Nahen Osten und im Irak.
Das Ulmer Kommando steht als schnell verlegbares operatives Hauptquartier für weltweite Einsätze in Krisenherden im Auftrag der EU oder der NATO bereit. Aus der voriges Jahr beschlossenen Reform der Bundeswehr ist es gestärkt hervorgegangen. Multinationalität ist dabei ein wichtiges Stichwort. Offiziere aus dem Ausland, beispielsweise aus den USA, aus Tschechien oder den Niederlanden, leisten ihren Dienst in der Wilhelmsburgkaserne. Künftig sollen es noch mehr werden. Bei einer großen internationalen Veranstaltung hat das Ulmer Kommando kürzlich kräftig die Werbetrommeln bei hochrangigen Militärexperten aus dem Ausland gerührt. In Zusammenarbeit mit anderen EU-Staaten sorgt das Ulmer Kommando unter anderem dafür, dass sogenannte „Battle Groups“ regelmäßig für Einsätze bereitgestellt werden. Dabei handelt es sich um bis zu 3000 Soldaten starke Heeresverbände, die bei Bedarf durch Luftwaffe und Marine verstärkt werden können, für Einsätze weltweit. Allerdings sei eine Battle Group bisher noch nie zum Einsatz gekommen, sagte Bentler. „Die Folge ist Desillusion und Müdigkeit.“ Diese Unfähigkeit zum militärischen Handeln sei von einigen gewollt und von anderen beklagt. Für Bentler steht fest: „Europa kann seine Sicherheitsinteressen nur dann wirksam wahren, wenn die Staaten bereit sind, enger zusammenzuarbeiten.“
Bürgermeister Gunter Czisch betonte die enge Verbundenheit der Stadt Ulm mit der Bundeswehr und zeigte sich erfreut darüber, dass der Standort bei der Reform der Truppe gut weggekommen sei. Zum Schluss der Veranstaltung wurde die Kommandomedaille an verdiente Persönlichkeiten verliehen.
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