Veranstaltung über Familie Straßburger
Ulm Die Ulmer Rabbinerfamilie Straßburger steht im Zentrum der Veranstaltung am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Ab 20 Uhr referieren im Stadthaus der Münchner Professor für jüdische Geschichte und Kultur Michael Brenner und der Historiker Ingo Bergmann.
Während Brenner die Lebenshaltung des liberalen Judentums, das in Deutschland mit dem Holocaust unterging, erläutert, beschreibt Ingo Bergmann das Leben der Ulmer Familie Straßburger. Über die Entwicklung der nach Israel emigrierten Kinder der Familie Straßburger, Helmut und Berthold, spricht Avner Kantor, Enkel von Berthold Straßburger, der 2010 in Ulm nach den Wurzeln seiner Angehörigen suchte.
Der alten Mutter wegen nicht emigriert
Jesajas und Dr. Ferdinand Straßburger gehörten zu den angesehensten Ulmern im 19. Jahrhundert. Beiden Brüdern war aufgrund von Herzerkrankungen nur ein kurzes Leben gegeben, beide waren nacheinander zwischen 1905 und 1927 als Rabbiner in Ulm tätig. Während Jesajas Straßburger kinderlos blieb, hatte Dr. Ferdinand Straßburger mit seiner Frau Alice zwei Söhne. Nach dem plötzlichen Herztod ihres Mannes engagierte sich Alice Straßburger in vielen Vereinen und im jüdischen Altersheim Herrlingen. Ihrer alten Mutter wegen emigrierte sie nicht, schickte aber beide Söhne, Helmut und Berthold, nach Palästina. Straßburger und ihre Mutter Rosa Nördlinger wurden im August 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo Rosa Nördlinger 14 Tage später starb. Tochter Alice wurde 1943 in Auschwitz ermordet.
Helmut und Berthold Straßburger blieb in Palästina nur ein Fotoalbum und einige Dokumente ihrer Familie. Fragen zu ihrer Herkunft blieben den Nachkommen unbeantwortet, da beide bis zu ihrem Tod nicht über ihre schmerzvolle Geschichte sprachen. (köd)
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