Freitag, 24. Mai 2013

10. Mai 2012 12:02 Uhr

Preisgekrönt

Ulms fast geheimer Weltrekord

Größtes Passivbürohaus der Welt steht seit zehn Jahren in der Wissenschaftsstadt

Bereits 2003 mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet und noch immer das größte Passivbürohaus der Welt: das „Energon“ benannte Gebäude auf dem Eselsberg. Insgesamt kommt es zu rund 175 Tonnen CO2-Einsparungen pro Jahr.

Ulm Ein Superlativ der vergleichsweise unbekannten Art: Das Bürohaus „Energon“ in der Wissenschaftstadt am Oberen Eselsberg ist zwar ein Blickfang. Doch dass jenes Haus mit den spektakulär gekrümmten Fassaden seit zehn Jahren den Weltrekord als größtes Passivbürohaus des Planeten hält, ist ziemlich unbekannt. Ein Besuch.

Im Oktober 2002 wurde das 8000-Quadratmeter-Haus eingeweiht, das größte Bürogebäude im Passivhausstandard der Welt ist es noch immer und somit „ein Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen“, wie Professor Peter Obert vom Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sagt. Der Verein lud jüngst zu einer Führung durch das mit modernster Gebäude- und Energietechnik ausgestattete Bürohaus ein.

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Das Prinzip in Kürze: Erdwärme, Sonnenenergie sowie die Abwärme von Computern und den 420 Angestellten werden zur Energiegewinnung genutzt. Unter anderem wird die Luft zur Raumkühlung aus einem unterirdischen, Tunnel angesaugt und in die Büros geleitet.

Be- und Entlüftung als entscheidender Faktor

Um das Zertifikat als Passivhaus zu bekommen, haben sich die Architekten mehrere Innovationen einfallen lassen. Eine davon ist die Lüftungsanlage. „Entscheidender Faktor für den nachhaltigen Gebäudebetrieb ist die Be- und Entlüftung“, sagt Obert. So entschied man, durch ein 28 Meter langes unterirdisches Rohr die Luft in das Gebäude zu lenken. Dabei wird sie durch die Erdwärme im Sommer gekühlt und im Winter erwärmt. Mit demselben Prinzip arbeitet auch die Klimaanlage des Bürokomplexes. 44 Erdwärmesonden wurden 100 Meter tief in der Erde befestigt, das dort zirkulierende Wasser reicht, um den gesamten Kühlbedarf des für 420 Personen platzbietenden Gebäudes zu decken.

Um auch Strom einzusparen, befindet sich in den einzelnen Büroräumen ein Bewegungssensor, der automatisch das Licht an- und ausschaltet, sobald sich für fünf Minuten niemand bewegt. Doch auch die Außenfassaden tragen zum energiesparenden Konzept des Hauses bei. So besitzen sie einen „energetisch optimierten Verglasungsanteil“ von 44 Prozent, wie Obert sagt, mit einem Licht lenkenden Sonnenschutz.

Nokia heißt der bekannteste Mieter

Auf dem Dach des Bürogebäudes befindet sich zudem eine 328 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage. Mit dieser können 12000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden.Doch ohne die richtige Dämmung von bis zu einem halben Meter wäre laut Obert der Passivhausstandard nicht zu halten. Der bekannteste der acht Mieter im Energon ist der finnische Handyhersteller Nokia. (ori)

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